Rudernde Elche

Halb sechs in der Früh. Das Piepsen des Weckers habe ich abgestellt. Aber nichts ist es mit der erhofften Stille. Draußen das monotone Plätschern der Regens, der gestern Abend eingesetzt hat und seither kaum einmal versiegt sein dürfte. Dazwischen fremdartige Geräusche: Ein leises Platschen, ein Quietschen und Knirschen wie von Holz auf Metall. Gequältes Stöhnen, leise fluchende hohe Stimmchen.

Die Neugier  treibt mich ans Fenster. Stockfinster ist es. Und doch: Dort, im matten Schein der Straßenlaterne sehe ich sie: Junge Schweineelche. Frisch geschlüpft sozusagen. Es sind Dutzende! Sie sitzen in Booten, die sich bei näherem  Hinsehen als Laufschuhe entpuppen, und rudern auf dem Weg, der mit riesigen, tiefen Pfützen übersät ist. Mächtig legen sie sich in die Riemen, um gegen die Strömung anzukämpfen. Böen peitschen das Wasser über die Bordwand, so dass die armen kleinen Kerlchen es immer wieder ausschöpfen müssen, um nicht unterzugehen. Und der Wind trägt ihre Worte zu mir herüber: „Wären wir bloß daheim geblieben!“ – „Keinen Hund jagt man vor die Tür!“ – „Wer ist schon so blöd, jetzt rauszugehen?“

Überzeugt! Ich laufe gern im Regen. Aber heute früh mag ich einfach nicht. Weder schnell (wie ich mir gestern vorgenommen hatte) noch langsam, weder kurz noch lang. Und das darf auch mal sein!

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17 Gedanken zu “Rudernde Elche

  1. Rudernde Elche – ich lach mich weg! Und das am frühen Morgen!
    Ich hoffe, du hast den Tag in aller Frühe und Ruhe und mal ohne Lauf genossen und kannst das auch weiterhin tun!
    Liebe Grüße, Giegi

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  2. Da kam mein Schubs wohl zu spät 😉 .
    Das Bild, das du gerade beschrieben hast – einfach köstlich 😆 ! Ich hoffe aber doch sehr, daß du die Elchlein nicht gerettet hast. Die sollen nämlich dem Hörensagen nach sehr anhänglich sein. Vor lauter Dankbarkeit könnten sie sich noch bei dir einnisten.
    Heute sah es wirklich heftig aus draußen – einen schönen Tag und hoffentlich bessere Bedingungen beim verschobenen Lauf!
    lG
    Ralph

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  3. @Tati: Ich bin SEHR zuversichtlich! Dankeschön! 8)

    @Giegi: Leider hab ich im Moment ein engeres Zeitkorsett – normalerweise hätte ich heute 2 Stunden daheim gearbeitet, wäre gelaufen (inzwischen ist es einigermaßen trocken) und erst dann ins Büro gefahren. Aber weil ich meinem Besuch heute nachmittag Programm versprochen habe, muss ich meine „offiziellen“ Dienststunden bis mittags halb 1 hinter mir haben – sprich: da war nichts mit Genießen. 😦 Danke für die guten Wünsche!

    @Ralph: Leider zu spät, dein Schubs! 8) Aber die Elchlein habe ich draußen gelassen – ich bin doch nicht des Wahnsinns! Der Regen hat sie inzwischen wohl in die Mosel gespült. Ich hoffe, sie sind jämmerlich zu Grunde gegangen!
    Und heute abend wird’s zumindest nicht schlimmer sein, da wird gelaufen!

    LG,
    Anne

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  4. Köstlich. Frisch geschlüpfte Schweineelche. Was hab ich gelacht 🙂
    Wobei ich dich ja beneide. Ich bin bisher noch nie in den Genuss gekommen, wirklich ganz junge Babyschweineelche sehen zu können. In meinem Revier tummeln sich vor allem die Halbstarken, die aber immer noch in Gruppen auftauchen und ziemlich penetrant sind.
    Aber gestern wars sogar denen zu kalt und zu windig und zu nass.
    Liebe Grüsse, und heute Abend solls sowieso schon viel besser sein, jedenfalls was das Wetter anbetrifft.
    Marianne

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  5. @Marianne: Sei froh, dass du nur mit den Halbstarken zu tun hast; die kannst du als Gefahr erkennen und abwehren! Die kleinen, süßen Babyschweineelche sind viel gefährlicher, das habe ich heute gemerkt! Voll auf das Kindchenschema reingefallen! Du denkst, hach wie niedlich, die Armen, kriegst Mitleid, versetzt dich in ihre Situation, fühlst dich auf einmal selbst ganz nasss und verfroren – nix isses mehr mit Laufen! 😉

    Liebe Grüße
    Anne

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  6. Ey, das musste jetzt aber nicht sein, dass Deine Schweineelche nun bei mir vor der Tür stehen! *motz* Das Wetter ist hier gerade grusig, ein Stündchen warte ich noch, bei dem Wind ist dann das gröbste wohl vorbei (vorhersagt das Wetterradar).
    Herrliche Geschichte!

    LG Moni

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  7. Nee, also dass diese fiesen Schweineelche jetzt eine neue Masche haben, unglaublich. Da setzen die einfach ihre süßen, erbarmungswürdig frierenden knuddeligen Babys vor deine Tür. Aber du hast es erkannt: wenn die schon rudern können, sind die alles andere als hilflos.
    Ich hoffe nur, die sind jetzt vor dem drohenden Hochwasser nicht zu weit die Felsen hoch geklettert. Bei uns vor der Tür habe ich keine gesehen (hatte aber Lauffrei, das wussten die bestimmt.) Aber wenn sie jetzt auf der anderen Moselseite im Wald Schutz gesucht haben?
    Ich kann ja morgen mal berichten, ob da ein paar mehr Hindernisse auf dem Pfad waren als sonst. 😉
    LG Birthe

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  8. @Moni: Diese Mini-Elche sind ja noch härter als ich dachte! Binnen ein paar Stunden von Trier in den Harz zu rudern – echt der Hammer! 8)

    @Birthe: Die Kleinen sind eine Plage, schlimmer als eine Nacktschneckeninvasion im frisch gepflanzten Salat. Ich bin gespannt, ob sie es auf den Felsenpfad geschafft haben. Aber ich bin guter Hoffnung für dich … vielleicht haben sich einige am Fuße der Treppe verkrochen, aber auf dem Pfad selbst hab ich noch nie welche getroffen! 8)

    LG,
    Anne

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    • @Martin: Und – habt ihr sie noch getroffen, die kleinen Elchlein? Wenn nicht, müssen wir uns dringend mal zu einem Lauf verabreden, dann sehen wir sie vielleicht! 8)

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  9. Pingback: 30 « Weinbergschneckes Blog

  10. Schön, auch mal so etwas zu lesen. Und natürlich wieder einmal originell und dazu hübsch verpackt! Nein, wir sind keine Maschinen, wir können und müssen nicht ununterbrochen das umsetzen, was anderenorts ersonnen, beschlossen und geplant wurde.

    Auch solche Tage dürfen sein – vielleicht müssen sie das sogar gelegentlich? Und wenn der geneigte Leser ein paar Tage weiter blickt, wird er feststellen, dass Dir diese Begegnung der besonderen Art keineswegs geschadet hat. Nicht wahr?

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  11. @Peter: Genau, wir sind keine Maschinen! Den Anblick der kleinen Elchlein hätte ich nicht missen mögen. Jedes Mal werde ich nicht auf sie reinfallen, aber das eine Mal hat es wirklich nicht geschadet! 😉

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  12. Pingback: Ruder-Schnecke « Weinbergschneckes Blog

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