Farben tanken

Ein Sommertag im Wingert. Die Augustsonne zeigt noch einmal ihre Kraft. Eher gemächlich trotte ich hügelauf und hügelab. Kleine graubraune Eidechsen flitzen über den dunklen Asphalt und verschwinden blitzschnell in den Ritzen der niedrigen blaugrauen Schiefermauern, die die Weinberge begrenzen. Zitronengelbe und weiße Falter taumeln durch die warme Sommerluft, tanzen über den violetten Disteln, dem orangegelben Johanniskraut und der mattweißen Schafgarbe. Rot und rosa leuchten die Rosenstöcke am Ende der Rebreihen. Die sattgrünen Trauben sind schon prall, der üppige Fruchtansatz verheißt eine reiche Ernte. Glänzendschwarze Brombeeren laden zum Naschen ein. Und das alles unter leuchtendblauem Himmel, der allmählich immer mehr mit dichten weißgrauen Puschelwolken überzogen wird.

Hinab ins Dorf und hinein ins Tal. Kühlender Schatten empfängt mich auf dem Pfad am Bach. Licht- und Schattenspiele durch die hellgrünen Blätter der hohen Buchen und Akazien. Die zinnoberroten Beeren des Aronstabs warnen vor seiner Giftigkeit. Da lob ich mir die sattroten Tomaten in den Treibhäusern der Gärtnerei. Appetitlich gefüllte Kisten stehen wie zum Hineingreifen bereit. Und nebenan strahlen die Zinnien in Orange, Rot, Rosa und Violett. Die Farben des Sommers – bis zum Rand vollgetankt mit ihnen führt mich der Weg heim. Der nächste Regentag kommt bestimmt!

Advertisements

6 Gedanken zu “Farben tanken

  1. ach, das erinnert mich ja an mein Lieblingsgedicht von Kurt Tucholsky bzw. die dritte Strohpe aus selbigem; „Gefühle“

    Kennen Sie . . . das ist schwer zu sagen.
    Nicht das Hungergefühl. Nicht den leeren Magen.
    Sie haben ja eben erst Frühstück gegessen.
    Sie dürfen arbeiten, für die Interessen
    des andern, um sich Brot zu kaufen
    und wieder ins Büro zu laufen.
    Hunger nicht.
    Aber ein tiefes Hungern
    nach allem, was schön ist: nicht immer so lungern –
    auch einmal ausschlafen – reisen können –
    sich auch einmal Überflüssiges gönnen.
    Nicht immer nur Tag-für-Tag-Arbeiter,
    ein bißchen mehr, ein bißchen weiter . . .
    Sein Auskommen haben, jahraus, jahrein . . . ?
    Es ist alles eine Nummer zu klein.
    Hunger nach Farben, nach der Welt, die so weit –
    Kurz: das Gefühl der Popligkeit.

    Eine alte, ewig böse Geschichte.
    Aber darüber macht man keine Gedichte.

    Du warst nach diesem Lauf vermutlich satt – farbsatt. 🙂

    Gefällt mir

  2. Da hast du mich jetzt im Kopf auf einen wunderschönen Spätsommerlauf mit all seinen wunderbaren Farben und Lichtspielen mitgenommern 8) . Vielen Dank! Schon unglaublich, was für eine Pracht gerade in der Natur geboten wird. Genießen wir es.
    lG
    Ralph

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s