Kopfsache

Was tun, wenn die Beine müde sind? Beim Loslaufen schon, nach 2 Kilometern erst recht? Genervt umdrehen, heim auf die Couch, die Frusttüte mit den Kartoffelchips aus dem Schrank geholt …

Vor ein paar Monaten hätte ich das wohl gemacht. Aber heute mach ich es nicht! Heute laufe ich die Distanz, die ich mir vorgenommen habe. Als „Lauf für den Kopf“. Ich will versuchen in meinem Hirn zu verankern, dass ich auch dann laufen KANN, wenn ich müde bin, dicke Oberschenkel habe und einen Puls, der von Anfang an 10 Schläge über dem beim letzten langen Lauf liegt. Aber ich will auch beachten, dass ich NICHT laufen MUSS, wenn es tatsächlich nicht gut tut.

Also wird „mit Verstand“ gelaufen: Die Körpersignale genau beobachtet, um rechtzeitig zu bemerken, ob da nur Müdigkeit im Spiel ist oder ernst zu nehmende Erschöpfung. Gelegentlich ein Blick auf die Uhr, um zu schauen, ob die Werte „entgleisen“. Ansonsten: Schritt für Schritt die Mosel entlang. Einen Fuß vor den anderen.

Eigentlich ist es angenehm temperiert, so um die 23, 24 Grad. Aber wenn die Sonne zwischen den losen Wolken herauskommt, sticht sie ziemlich eklig. Und wenn man platt ist, erfreut man sich nur begrenzt an den vielen Segelbooten auf dem Wasser, dem satten Grün der Wälder vor dem weißblauen Himmel, dem Fluss, der wieder einmal zum Hineinspringen schön in der Sonne glitzert.

Kurz vor Igel, nach 10 km, ein kleiner Abstecher ins Gebüsch, etwas trinken (natürlich habe ich vorher immer wieder mal im Laufen einen Schluck aus der Flasche genommen) und dann die Wende. So habe ich die Chance, auf 20 km abzukürzen, wenn es nicht mehr geht. Aber ich kann auch ein oder zwei Brücken weiter laufen, um doch auf meine Zieldistanz zu kommen.

Auweiowei, locker ist anders. Dafür, dass es in den Beinen zwickt, laufe ich allerdings ein erstaunlich gleichmäßiges Tempo. Und der Puls steigt zwar langsam, aber nicht so, dass ich mir Sorgen machen müsste. Mit anderen Worten: Es geht mir einfach gleich bleibend sch###! Also weiter. Kleiner Schwenk durch den Wald und die Felder bei Zewen, um mal was anderes als den Fluss zu sehen und zu „checken“, ob man vielleicht demnächst irgendwo ein paar Zwetschgen „für lau“ erbeuten kann. Zweiter Stopp beim Klopsbrater nach km 18, um die Flaschen aufzufüllen.

Jetzt zurück über die Brücke? Nein, die letzten zwei Brücken schaffe ich auch noch – allerdings mit einer kleinen Schummelei, sprich: mit einer kurzen Gehpause die Kaiser-Wilhelm-Brücke rauf. Am Fluss zurück zur Adenauerbrücke, hoch zur Straße (ohne Schummeln 8) ), in die Saarstraße – Kilometer 25 ist rum und einkaufen muss ich außerdem. Also genug für heute! Fazit: Na bitte, geht doch! Alles Kopfsache!

Advertisements

9 Gedanken zu “Kopfsache

  1. Mir helfen bei solchen Läufen auch immer die Gedanken, das ich die Strecke abkürzen könnte wenn es denn gar nicht geht.
    In der Regel kürze ich nicht ab. Ich glaube diese kleinen Hintertürchen helfen den inneren Schweinehund zu überwinden.

    Gefällt mir

  2. Na, bitte, geht doch, habe ich gleich gesagt, Frau hat so ihre Tage, da scheint es so, als ginge nix, die Beine wollen nicht , der Puls schlägt viel höher als sonst, wer kennt das nicht ?Und wer sich auskennt mit den Körper eigenen Signalen, der schafft das, ohne Umkehren und ohne eine Tüte voller Chips essen zu müssen (hast du das wirklich getan in deinem früheren Leben ? ).

    Fazit: Ohne Kopf geht gar nichts, aber wem sage ich das ? ❓

    Gefällt mir

  3. Ja, ja so sind wir: Die Muskeln brennen, man fühlt sich Sch***e, alles tut weh, also kein Grund zur Besorgnis und schon gar keiner, den Lauf abzukürzen. 25 km am Stück sind ja nun schon eine ganze Menge. Willst du noch einen Marathon laufen in diesem Jahr? Sieh es mir bitte nach, wenn ich den entsprechenden Beitrag verpasst haben sollte 😉

    Gefällt mir

  4. Ging mir gestern genauso. Bin dann los mit dem Gedanken, machste soweit wie du kommst. Am Ende bin ich aber doch die vorgegebenen 11,5 km gelaufen und es ging erstaunlich gut. Natürlich nicht zu vergleichen mit deinen 25 km… wow…

    Gefällt mir

  5. @Luller-Lergi: Ein neuer Name hier – herzlich willkommen!
    Der Trick mit den Abkürzungsmöglichkeiten ist super. Mir gibt das auch Sicherheit. Wenn ich befürchten müsste, ich schaffe es nicht mehr heim, würde ich wohl verkrampfen. Aber wenn ich weiß, jetzt laufe ich nicht, weil ich muss, sondern weil ich will, habe ich mehr Kraft!

    @Margitta: Genau, ohne Kopf geht gar nichts! Das mit den Chipstüten kann mir in meinem heutigen Leben auch noch passieren … passiert aber immer seltener! Meistens hab ich gar keine Frusttüte im Haus! 8)

    @Nordläufer: So eine kleine masochistische Ader steckt doch in jedem von uns … 8) Definitiv ist bisher nur HM geplant. Aber ich schraube im Moment an den Wochenumfängen und der Distanz beim „Langen“, um herauszufinden, wie ich das vertrage … mal sehen, was das Jahr noch so bringt! 😉

    @Janni: Siehste, geht doch!!! 11,5 sind doch schon wieder richtig Spitze!!! Das wird, sollste sehen!

    LG,
    Anne

    Gefällt mir

  6. 25 km, das wird ja immer weiter.
    Da war wohl am Samstag überall der Wurm drin. Ich gestehe: Ich habe von 20-22 inkl. EB auf 19 ohne verkürzt. Aber der Muskelkater im A….llerwertesten war auch fies. (Und abends wieder weg.)
    Aber letztendlich ist es wirklich Kopfsache. („Das läuft sich weg.“Hihi. )
    Und: Kaiser-Wilhelm-Brück hochgehen ist erlaubt. Wer rennt denn schon (im Training) freiwillig da hoch?
    LG,
    Birthe

    Gefällt mir

  7. @Pippi: Ja, im Moment gucke ich einfach, was umfangsmäßig so möglich ist. Und bin froh, dass mittlerweile 25 gehen, auch wenn an so einem Tag „eigentlich“ gar nichts geht.
    Die kurze Steigung an der K-W-B laufe ich normalerweise bewusst mit einem kleine Zwischenspurt rauf (Motto: Ein ekliges Stück schnell hinter mich bringen! Die Autos direkt nebedran nerven einfach.). Aber Sa? Nee, da war echt der Wurm drin!

    LG,
    Anne

    Gefällt mir

  8. Zu laufen, weil man glaubt, man müsse es, ist schon mal ganz schlecht. Diese Erfahrung habe ich selbst gemacht.
    Mir helfen aufmunternde Tantras und dann geht es meist auch gut oder besser weiter. Wenn der Kopf mitspielt, spielt auch der Rest mit.
    Du hast dich wacker geschlagen, liebe Anne. 25 km – das ist super!

    LG Sabine

    Gefällt mir

  9. Dankeschön, liebe Sabine! Tja, mit dem „Müssen“ ist das so eine Sache … ich hab allerdings gemerkt, dass mir diese Art von Selbstüberwindung sehr gut tut! Und wenn der Kopf mitspielt, … genau! 8)

    LG,
    Anne

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s