Hospizlauf Trier 2010

Samstagmittag, 11 Uhr, Sonne, 32 plus x Grad – so ganz genau will ich das lieber gar nicht wissen! Der Fahrer der „86“ macht extra für mich schon vor der Haltestelle einen Zwischenstopp, damit ich mich in die Läuferkarawane einreihen kann.  Das war knapp! Ich hatte mich darauf verlassen, dass die Gruppe den 30-minütigen Rückstand auf ihren Zeitplan,  der morgens im Live-Ticker angezeigt wurde, nicht aufholen kann. Aber sie konnte! Trotz der Bedingungen war sie pünktlich in Ruwer. Nur ich nicht. Aber dank des freundlichen Busfahrers kann ich mich doch noch dem Tross anschließen, ohne einen Zwischenspurt einlegen zu müssen.

Für die 7. Auflage des Hospizlaufs hätten sich die Organisatoren und vor allem die Läuferinnen und Läufer sicher leichtere Bedingungen erhofft. Schließlich sind binnen 24 Stunden 200 km zu bewältigen. Entlang der Mosel führt die Strecke vom Deutschen Eck in Koblenz bis vor die Tür des Hospizhauses in Trier. 2004 aus einer Idee des Ultraläufers Jörg Engel geboren, der in diesem Jahr die Strecke allein zurücklegte, hat sich der Lauf mittlerweile zu einem regelrechten „Event“ entwickelt, unterstützt auch durch die Trierer Lokalzeitung, den „Trierischen Volksfreund“. So haben sich mehrere Staffeln auf die Reise gemacht, dazu viele Einzelläufer, die eine oder mehrere Etappen der Gesamtdistanz absolvieren. In den Etappenorten stiften lokale Firmen Getränke und kleine Leckereien, um die Sportler frisch und fit zu halten. Andere Unterstützer stellen einen Fahrdienst bereit, der die Gruppe auf dem ganzen Weg begleitet.

150, vielleicht 170 Menschen mögen es sein, zu denen ich auf den 6 Kilometern der letzten Etappe gehöre. Gern hätte ich ein paar Kilometer mehr miterlebt. Aber am Wochenende ist es leider nicht so ganz einfach, die kleinen Orte an der Mosel, durch die der Weg führt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Angesichts der Hitze, der wir auf der etwas tristen Straße zwischen Autobahn und Gewerbegebiet ausgesetzt sind, hält sich mein Bedauern dann doch in Grenzen.

Wo die neben mir Laufenden dazu gestoßen sind, frage ich. Schweich, Mehring, Detzem – alle haben sie schon einige Kilometer in den Beinen. Die komplette Distanz dürfte in diesem Jahr niemand durchgelaufen sein. Aber etliche Läufer haben den Tross die ganze Nacht begleitet und immer wieder einmal eine Etappe absolviert. Viele Gesichter sind von Müdigkeit und Erschöpfung gekennzeichnet – trotzdem ist die Stimmung prima! Eine Dusche aus dem Feuerwehrschlauch sorgt für Erfrischung. Das Tempo wird sehr niedrig gehalten, so dass niemand Mühe hat zu folgen. Ein echter „Quassellauf“ eben.

Endlich hinaus aus dem Gewerbegebiet! Gut gesichert durch Polizeibegleitung und durch ein Seil, das einige Läufer am linken Rand der Gruppe halten, traben wir auf der rechten Fahrbahn der Paulinstraße auf die Porta zu. Passanten, Autofahrer winken und klatschen, begrüßen Bekannte im Läuferfeld. Links abbiegen vor der Porta Nigra, jetzt ist es nicht mehr weit. Am Balduinsbrunnen noch eine Dusche für jeden, der mag. Dann folgt ein herrlich schattiger Abschnitt die Ostallee entlang.

Unter dem Applaus zahlreicher Gäste und Mitarbeiter des Hospizhauses biegen wir auf den Vorplatz ein. Wasser! Von vielen dringend herbeigesehnt, entsprechend groß ist das Gedränge. Und groß natürlich auch die Freude, im Ziel zu sein!

Aber nicht nur Wasser, auch ein reichhaltiges Obst- und Kuchenbuffet dient der Erfrischung der „Heldinnen und Helden“. Irgendwo taucht Erdinger alk’frei auf! Gespendet werden kann überall, es wandern Münzen und Scheine in die roten Schweinderl und Dosen. Sogar ein „Hospizwein“ kann für 5 € pro Flasche erworben werden.


Wie es in Trier so ist, bekannte Gesichter und virtuelle Bekannte trifft man auch ohne sich vorher zu verabreden. Gruß an midlifecrisis, Klönschnack mit PippiL. über die Lauf- und Wettkampfpläne für die nächsten Wochen. Kurzum: ein rundum gelungener, wenngleich furchtbar heißer Vormittag. Hoffentlich mit vielen Einnahmen für das Hospizhaus.

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6 Gedanken zu “Hospizlauf Trier 2010

  1. War schön dich zu sehen.
    Wir haben uns bei inzwischen 34 Grad im Haus verkrochen. Das Wetter hält ja keine „Sau“ aus. Eins der Meerschweine benutzt den Trinknapf als Pool und liegt halb drin. Recht so.
    Meine Hochachtung für alle, die bei dem Wetter gelaufen sind. Leider hat es ja dieses Jahr bei mir nicht geklappt. Vielleicht bekommen wir für nächstes Mal eine Staffel zusammen? Wär doch was.
    Der nächste Lauf wieder früüüüh….

    LG Pippi

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  2. Ach , liebe Anne, du bist wohl behalten zurück gekehrt und warst sogar in der Lage, noch einen erfrischenden Bericht zu schreiben, 6 km das geht ja gerade noch, schade, dass man dich nicht im Schweiße deines Angesichtes erblicken kann.

    Für einen guten Zweck geht alles, dafür quält es sich leichter.

    Morgen früh ……………… 😉

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  3. @Pippi: Ja, war schön, das wir uns mal wieder getroffen haben! Hier unten in der Stadt sind es 36 Grad im Schatten auf der Ostseite, 45 Grad auf dem Südwestbalkon – da habe auch ich mich hinter verschlossene Jalousien verkrochen. Die Idee einer Staffel gefällt mir sehr gut, bei rechtzeitiger Organisation sollte das hinzukriegen sein! 8)

    @Margitta: Da das Tempo den Bedingungen angepasst war, bestand zum Glück keine Gefahr. Und 6 km sind ja eigentlich „nichts“. Aber 20, 30 und mehr km, wie viele der anderen absolviert haben, hätte ich unter diesen Bedingungen nicht laufen mögen. Das kostet einfach zu viel Substanz!

    LG,
    Anne

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  4. Ja Anne, du warst beim Einstellen in deinen Blog eindeutig schneller als ich, Kompliment. Aber ich hatte auch schon mehr als 30 Stunden ohne Schlaf hinter mir (mitleidheisch). Unsere Staffel ist prima durchgekommen. Hat mächtig Spaß gemacht und ist absolut zu empfehlen. Dann lassen sich die letzten Kilometer in Trier noch einmal ganz anders genießen.
    Jetzt habe ich allen Schriftkram erledigt. Ein kürzerer Text für die Zeitung, ein längerer für das TV-Laufportal. Da gibt’s morgen dann auch ein Video und noch mehr Bilder.

    Schönene Sonntag noch!

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  5. @midlifecrisis: Mal gucken, was nächstes Jahr geht – mehr als 6 km sollen es auf jeden Fall sein, vielleicht lässt sich staffeltechnisch was organisieren!

    Das gibt ja eine feine multimediale Aufbereitung des Ereignisses … bin gespannt auf das Video! Und ich gestehe: Nach über 30 Stunden ohne Schlaf hätte auch ich Besseres zu tun gewusst als einen Blogbeitrag in den Rechner zu hämmern! 8)

    Weiterhin gute Erholung!

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  6. Pingback: Hospizlauf 2017: 14 – 1.033 – 29 – 41 – 0 | Weinbergschnecke

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