Auge des Taifuns

4:45 Uhr, angenehm frische 17 Grad, das erste und wahrscheinlich einzige „Extra des Tages“ mit einem lockeren Tiergarten-Läufchen. Heute ist Absolventenfeier. Und das bedeutet für mich einen Tag, der hektisch wird: 100 kleine Dinge organisieren, Reden schwingen, Small Talk halten, mich um das Sekttrinken drücken – und vermutlich etliche unvorhersehbare Pannen ausbügeln. Wie in den letzten Tagen: Fehlende Sektgläser, „Last minute“-Anmeldungen,  nicht eingehaltene Absprachen, Gastredner mit Sonderwünschen …

Aber jetzt bin ich sozusagen im Auge des Taifuns – und da ist es bekanntermaßen friedlich. Es läuft sich wunderbar in der klaren, reinen Morgenluft beim Konzert der Vögel und dem verpennten Muhen der Rinder in der Koppel an der Gärtnerei. Die Beine werden von selbst schneller, ich lasse sie und bremse nur, wenn mein Schnaufen etwas zu heftig wird.

Hänge stattdessen meinen Gedanken nach, finde heraus, wie sich eine Entscheidung anfühlt, die ich in den letzten Tagen getroffen habe, nachdem ich sie etwa zwei Jahre vor mir her geschoben habe. Sie wäre immer richtig und vernünftig für mich gewesen. Aber mich hat gebremst, dass sie einige Menschen verärgern wird. Die sind mir allerdings inzwischen nicht mehr so wichtig, dass ich ihr Wohlergehen über meines (oder meinem gleich) stelle. Doch, die Vorstellung, „den Köhler zu machen“, hat etwas sehr Erleichterndes, Befreiendes! Aber zugleich nichts von „feiger Fahnenflucht“. Es stimmt einfach.

Kurz vor Ende der Runde kommt noch der Garten zu seinem Recht. Gießkannen zu schleppen hat angesichts der extremen Trockenheit wenig Sinn, da schleppe ich mich kaputt – außerdem sind die Regenfässer fast leer. Also schließe ich etwas zähneknirschend den Sprenger an die Wasserleitung an. 20 Minuten lang wird das Gemüse beregnet – in dieser Zeit dehne ich erst einmal ausgiebig (siehst du, Marga, ich bin brav!) und nasche die letzten Kirschen vom Baum. Noch einmal den gewässerten Boden locker hacken, das muss jetzt reichen bis Sonntag … dann gibt’s übrigens Bandnudeln mit frischen Zuckerschoten.

Advertisements

7 Gedanken zu “Auge des Taifuns

  1. Da waren wir ja zusammen unterwegs 😉 . Erstaunlich, die Temperaturunterschiede zwischen Stadt und Land, ich durfte bei erfrischenden 13 Grad laufen.

    Ich wünsche dir, daß es nach der nun getroffenen Entscheidung für dich so weitergeht, wie du es dir erhoffst. Ich drücke fest die Daumen .-) !
    lG
    Ralph

    Gefällt mir

  2. ich war heute auch 4:30Uhr wach aber dafür hat mein Kreislauf noch geschlafen. Beim Gang ins Bad hat es ziemlich gedreht. Also so früh Laufen geht bei mir gar nicht. Dafür schleppe ich Gießkannen im Garten hab nur im Gewächshaus eine Bewässerung und da geht im Moment die Gurkenschwemme los. Die Aubergine hat jetzt auch mal 2 Blätter gebracht.
    Statt Sekt macht sich übrigends Gingerale im Glas richtig gut, das kann kaum vom Sekt unterschieden werden, so als kleiner Hinweis.

    Bei Entscheidungen bin ich seit neuesten eher Egoist. Immer hab ich mich drum gesorgt wie es anderen dabei geht aber ich glaube irgendwann muss man auch mal nur an sich denken.

    Liebe Grüße von einer im Moment sehr lauffaulen

    Bärbel

    Gefällt mir

  3. 4:45 Uhr oh weia, das ist schon arg, arg früh, aber wenn man lesen kann, dass es für dich für einen prall gefüllten Tag der beste Anfang ist, dann kann ich nur sagen: es lohnt sich allemal.

    Hoffe sehr, dass dieser Tag für dich ohne größere Störungen und Ärger von statten geht, sollten sich doch unerwartete, erwartete (gut, gell ?) Probleme einstellen, kannst du sie morgen wieder körperlich, geistig und seelisch ablaufen.

    Kannst du dir keinen Gießkannen-Schlepper anstellen ? Vielleicht findet sich ein rüstiger Rentner oder sonst jemand. Auf der anderen Seite gutes Muskel-Training für obenrum, gell ?

    Im übrigen: die Ostsee lässt dich speziell grüßen, ja, muss auch mal gesagt werden ! 😉

    Gefällt mir

  4. @Giegi: Ach, soo schlimm ist es gar nicht. Nur ein wenig schmerzhaft, weil ich vor vier Jahren mit viel Enthusiasmus gestartet bin und sich einfach zu wenig verwirklichen ließ von dem, was mich begeistert hätte. Zum Bandnudelnmachen bin ich morgen wohl zu faul … es gibt sehr leckere frische aus dem Kühlregal bei E***a. 8)

    @Ralph: Ja, fast zeitgleich! 😉 Die Entscheidung wird wohl ein paar Tage lang Nachwehen verursachen, aber danach wird’s gut, bestimmt! 8)

    LG,
    Anne

    Gefällt mir

  5. @Bärbel: Mir geht langsam das Wasser für die Kannen aus. Und die sanfte Beregnung durch den Sprenger lässt den schweren Boden bei uns nicht so verkleistern wie ein Guss aus der Kanne. – Meine Gurken haben leider die Schnecken gekillt. Aber den Auberginen geht’s prima und die ersten Zucchini reifen.
    Was das Trinken angeht: Ich bevorzuge Wasser – bei der Hitze sollte auch jede/r Verständnis haben, wenn die Organisatorin sich etwas zurückhält mit dem Sekt! 8)
    Das mit dem Egoismus musste ich auch erst lernen … klappt aber immer besser! 8)

    LG von einer erstaunlich lauffleißigen Anne

    Gefällt mir

  6. @Margitta: Dankeschön für die guten Wünsche und die Grüße von der See – ich kann beides brauchen!!! Bisher habe ich das Schleppen auch als Training deklariert, 2 x 12 kg über ca. 20 m und 7 Treppenstufen, das sollte wenigstens ein bisschen was bringen. Aber wie bei Bärbel schon geschrieben: Das Wasser wird knapp und den Pflanzen behagt der Rasensprenger sogar besser (nur früh morgens natürlich, nie abends auf die heißen Blätter, dass bekommt ihnen gar nicht).

    Liebe Grüße
    Anne

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s