Das Runde …

… hätte in das Eckige gehört. In das andere Eckige! Kollektive Depression scheint über der Stadt zu liegen. Aber das interessiert mich nicht. Ich lasse sie jetzt hinter mir, die Depression wie auch die Stadt. Auf zwei Rädern geht es bergauf, Richtung Uni, dort ein Zwischenstopp, dann auf die Korlinger Höhe.

Eigentlich hätte ich vor zwei Stunden laufen wollen. Aber damit waren weder mein Oberschenkel noch mein Magen einverstanden. Letzterer war noch intensiv mit einem Forellenbrötchen beschäftigt und versuchte es auf dem gleichen Weg zu entsorgen, auf dem ich es 2 Stunden vorher zu mir genommen hatte.  Also habe ich das mit dem Laufen nach knapp 2 Kilometern sein lassen und bin gemütlich heimgeschlappt. Allerdings nicht ohne der fleißigen Schwester im Schönstatt-Park zuzusehen, wie sie mit wehendem Schleier auf  ihrem Traktor über den Rasen jagt.

Der Anstieg von Filsch nach Korlingen kostet mich Kraft und Nerven. Bis zu 12,5 Prozent Steigung, meint Sport Tracks hinterher. Aber der Blick von dort oben ist die beste Belohnung für die Schinderei! Die Stadt und die umliegenden Höhenzüge verschwimmen im milchigen Dunst des Vorabends. Dazu die grünen Kornfelder, an ihren Rändern leuchtend roter Klatschmohn, violette Wicken, blaue Kornblumen, weiße Ackerwinde. Zwischen den Büschen und Bäumen, die den Wirtschaftsweg von der Hauptstraße trennen, leuchtet das Hellrosa und Pink der Heckenrosen. Einmal mehr ärgere ich mich, den Fotoapparat nicht eingesteckt zu haben.

In sausender Fahrt geht es hinunter nach Pluwig. Kurze Orientierung, nein, nicht mehr weiter bis Pluwigerhammer, ich bin zu dünn angezogen, um allzu lange in den Abend hinein zu radeln. Also direkt bergab nach Gusterath. Ich bin eine  furchtbar ängstliche Abfahrerin, habe Schiss ohne Ende angesichts des steilen Gefälles. Nicht ganz ohne Grund, denn der strenge Winter hat tiefe Löcher in der Fahrbahn hinterlassen. Und ich kann die Bremsen meiner Neuerwerbung noch nicht einschätzen. Also Vorsicht!

Nach einigen Kilometern stoße ich auf den Ruwer-Hochwald-Radweg, eine ehemalige Bahntrasse, die in den letzten Jahren zu einem Radweg ausgebaut wurde. Auf etwa 50 km führt die Stecke von der Mündung der Ruwer bis hinauf in den Hunsrück, genauer: nach Hermeskeil. In dieser Richtung steigt er leicht an, etwa 1 Prozent im Schnitt. Aber ich fahre ja in die andere Richtung. Also: Gasgeben auf leicht abschüssiger, perfekt asphaltierter Fahrbahn! Nicht einmal wirklich angestrengt nutze ich es aus, den Weg für mich allein zu haben – am Samstag und Sonntag wäre das undenkbar! Mit 27, 28 Sachen geht es locker gen Trier.

Eine Schrecksekunde in Mertesdorf: Ein Krankenwagen direkt neben dem Radweg, am Boden ein junger Mann, der scheinbar mit Inlinern (oder doch mit dem Rad?) gestürzt ist und sich den Arm gebrochen hat – der arme Kerl hat erkennbar heftige Schmerzen! Weil er aber schon in guten Händen ist, nehme ich gleich wieder Fahrt auf. Auf den intakten Radweg fällt das leicht. Dagegen ist die Straße von Ruwer nach Trier in einem unerfreulichen Zustand: Schlaglöcher ohne Ende, riesig noch dazu – böse Zungen würden sagen: „Da ertrinken bei Regen die kleinen Kinder drin!“. Aber auch diese Kilometer sind schnell überstanden. Und bei „Calchera“ nahe der Porta gibt’s zur Belohnung schließlich noch „Zwei Bällchen, Stracciatella und Schoko bitte!“. Wenigstens diese Bälle sollen heute da landen, wo sie hingehören!

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2 Gedanken zu “Das Runde …

  1. hähä – „kollektive Depression“ ist gut. So kam mir das gestern auch vor, als ich nach der Arbeit nach Hause geradelt bin: dustere bleischwere Stimmung schon auf den Bürofluren, dann auf der Straße, im Geschäft. Die Autofahrer mies drauf (musste zweimal richtig aufpassen und abbremsen mit dem Rad – die rasten zwar nicht, fuhren aber quasi blind). Mehrmals hörte man einen Spielernamen – nur ein Thema allüberall. Für mich kurios weil so gar nicht an dem Thema dran und schon erst recht nicht emotional involviert. Meinerseits hätt ich auch wesentlich mehr Interesse an den Eisbällchen gehabt – und Schoko ist auch bei mir immer dabei ;o)

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