Ungedopt

Die Uhr zeigt 5:45, als ich die Haustür hinter mir ins Schloss fallen lasse. Ohne Kaffee im Magen auf die Morgenrunde – geht das überhaupt? Es muss gehen! Ich bin zu müde zum Kaffeekochen. Und meine innere Anti-Doping-Beauftragte murrt sowieso von Zeit zu Zeit darüber, dass ich mir so viel von dieser mit Milch gestreckten braunen Brühe reinschütte.

Einige wenige Autos sind schon unterwegs, als ich die Hauptstrasse kreuze und an den Weihern vorbei Richtung Abtei laufe. Vor dem Blumenladen dicht bepackte Rollcontainer mit Balkonpflanzen, die leider ziemlich gerupft aussehen – die Hitze hat ihnen zu schaffen gemacht! Ich wundere mich immer wieder, dass die Pflanzen über Nacht so offen zugänglich für jedermann draußen stehen. Die Menschen scheinen ehrlicher als ich ihnen zutraue.

Über die Adenauer-Brücke führt der Weg Richtung Moselauen. Mal wieder irgendeine Kirmes dort, ein großes Fahrgeschäft überragt den Platz, durch das halbgeöffnete Tor kann ich auf einige Buden blicken. Nebenan der Stellplatz für Wohnmobile, gut gefüllt, aber  vollkommen leblos. Bei Campers wird noch gepoft. Wie fast überall. Das lästige Brummen einzelner Autos klingt vom anderen Ufer herüber, ansonsten Stille und ein verlassener Weg vor mir. Auch die Hunde müssen sich mit dem Gassigehen gedulden heute. Mir soll’s recht sein!

Bewusst lahm und niedrigpulsig schnecke ich vor mich hin, nur der kurze Anstieg zur Kaiser-Wilhelm-Brücke reißt mich auch dem etwas schlappen Trott. In 3 Wochen wird dies einer der neuralgischen Punkte der Strecke beim Trierer Stadtlauf sein. Ein Bestzeitenjäger, der sich durch die vielleicht 150 m lange Steigung aus dem Rhythmus bringen lässt, hat schnell etliche wertvolle Sekunden „liegen gelassen“! Über die Brücke geht es dafür wieder leicht abwärts, gleich dahinter laufe ich die Rampe hinunter auf den Uferpfad und – quasi gegen den Strom – weder zurück. Zuerst am Fluss entlang, dann ein Stückchen durch die fast noch menschenleeren Straßen der Südstadt. Am Südbahnhof eine wild schnatternde Reisegruppe, die den Bus mit gigantischen Koffern bepackt – wohin die Tour wohl führen mag?

Hinein in die Kleingärten, am Bach lasse ich gemütlich austrudeln nach 9.190 m in 1:06:32 Stunden. Schnell noch meine Auberginen und Tomaten mit Regenwasser aus der großen Tonne „gedopt“. Dann erst bin ich dran. Fazit: Doch, Laufen geht auch ohne Koffein im Blut! Ganz bestimmt! Auch morgens! Aber ich geb’s ehrlich zu: Mit Koffein läuft’s besser!

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12 Gedanken zu “Ungedopt

  1. Tapferes Schnecklein! So früh am Morgen und müde loszuziehen, und dann noch ohne Kaffee! Früh am Morgen find‘ ich ja schön, aber ohne Kaffee – das ist hart. Dein Lauf klingt trotzdem schön, und das Blümchenbild ist auch wunderhübsch! Ich war auch sehr gespannt, ob ich noch was von Wewehchen zu lesen bekomme – nix! Das ist fast die beste Nachricht aus deinem Bericht! 🙂 Glückwunsch!

    Warum magst du denn den Kaffee nicht mehr trinken? Ich finde es immer ganz wunderbar, am Morgen noch ein bisschen rumzuhängen, eine heiße Tasse Kaffee zu geniessen, dabei ein Loch in die Gegend zu starren und nix reden zu müssen… Und dann schmeckt das doch auch gut, wenn es guter Stoff ist und noch gut zubereitet. Hast du das Gefühl, er tut dir nicht mehr gut?

    Ich trinke meinen jetzt mal gemütlich aus, dazu gibts Marmorkuchendoping und ein Kipferl, und dann geht es los an den Berg – mountainbiken! Mal sehen, was die Beine nach der gestrigen Tour noch hergeben… 😉

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag noch – du darfst dich ja jetzt hoffentlich ausruhen! Giegi

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  2. Das hört sich doch super an: dein Oberschenkel scheint wieder ok zu sein. Freu mich für dich 🙂

    Ich kann mir gut vorstellen, wie du in deinem Garten die Pflänzchen wässerst: wir waren vor vielen Jahren auch einmal Kleingartenbesitzer. Ich kann die frisch gegossene Erde und die Pflanzen schier riechen. 🙂

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  3. Freue dich, oh freue dich, dass du ohne kannst, für mich ist es eine Qual, denn erst der Kaffee weckt meine arg müden Geister, und um 5:45 Uhr, da drehe ich mich noch mindestens wenn nicht noch öfter herum.

    Aber – wie man auch bei dir liest, es lohnt sich immer, früh hinaus zu laufen, alles haargenau zu beobachten und den Tag zu begrüßen.

    Schön natürlich ganz besonders, dass dein Schenkel wieder voll funktionsfähig zu sein scheint, ich freue mich mit dir !

    Trierer Stadtlauf – da bin ich vor ungefähr 200 Jahren auch mal mit gelaufen, als ich noch “ dort unten “ lebte, wirst du auch ?

    Wünsche dir noch einen wunderschönen Sonntag und vergiss nicht Blumen und Gemüse zu gießen, gell ? 😉

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  4. @Giegi: Bisher keine OS-Probleme, toitoitoi, es sieht gut aus! – Gegen morgendlichen Kaffee ist nichts einzuwenden, eigentlich brauche ich ihn auch zum Wachwerden. Aber zu viel Koffein ist ja auch nicht gut, darum habe ich inzwischen den Konsum tagsüber eingeschränkt. Heute früh wollte ich einfach mal probieren, ob es auch ohne geht, weil Kaffee vor dem Laufen auf mich gelegentlich eine … äh … ausscheidungsförderliche Wirkung hat, die nicht immer so praktisch ist! 😉

    Auch dir noch einen schönen Sonntag (gehabt zu haben)!

    @Silke: Noch eine (Ex-)Gärtnerin – du kennst dann sicher auch die Schneckenproblematik, oder? 😦

    @Margitta: Ich hätte mich auch gern noch einmal rumgedreht, konnte aber nicht mehr einschlafen. Tja, dann eben auf die Piste – es hat sich gelohnt!
    Nein, beim Stadtlauf bin ich nur Zuschauerin, erstens finde ich die Streckenführung nicht so gelungen und zweitens gilt für mich momentan „Schneckigkeit first“. 😉
    Gegossen wird heute nicht, hier blitzt und donnert es heftig und regnet dazu in Strömen! 8)
    Auch dir noch einen schönen Sonntag, liebe Margitta!

    LG,
    Anne

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  5. Um 5:45 Uhr da bin ich zumindest am Wochenende am liebsten im Bett, an Laufen denke ich zu der Zeit noch nicht. Ich finde es einfach toll, wenn man sich so früh schon zum Laufen aufmachen kann.

    Was das Koffein-Doping betrifft, ich laufe immer ohne Koffein im Blut, denn ich trinke keinen Kaffee da ich Kaffee vom Geschmack her nicht mag.

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  6. @Bernd: Bin eher ein Morgenmensch, dem das frühe Aufstehen meistens leicht fällt. Für solche Aktivitäten natürlich ein unschätzbarer Vorteil! 8)

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  7. Schön, daß es bei dir wieder läuft 🙂 ! Und auch hinterher kein ziepender Oberschenkel 8) – Gratulation! Bitte bleibe vorsichtig, nicht zu viel auf einmal wollen. Und ich denke, du bleibst vorerst besser Schnecke statt Kobold.
    Die Brücke wird mir beim Stadtlauf sicher wieder einige nicht druckreife Worte entlocken – aber dabei werde ich sein. Hinterher werde ich wissen, welcher Kurs mir besser liegt: Trier oder Remich?
    lG
    Ralph

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  8. @Ralph: Gebranntes Kind … keine Sorge, ich bleibe vorsichtig und erst einmal eher schneckig, werde auch die Umfänge vorsichtig steigern und gelegentlich eine Rad- statt einer Laufeinheit absolvieren! Beim Stadtlauf werde ich auch nicht mitlaufen, sondern an der Brücke stehen (bzw. mit dem Rad hin- und herflitzen) und schauen, wer Anfeuerung brauchen kann. 8)

    LG,
    Anne

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  9. Aber es läuft WIEDER und darauf kommt es doch an. 🙂

    Läufst du eigentlich beim Trierer Stadtlauf mit? Wäre ja wirklich DAS Heimspiel für dich.

    Ich drücke die Daumen, dass dein Oberschenkel weiterhin „hält“.

    LG Sabine

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  10. Genau, liebe Sabine, es kommt drauf an, überhaupt wieder zu laufen! 8) Da ich aber noch nicht wieder schnell laufen kann und will, werde ich beim „Heimspiel“ nur zuschauen. Zum bloßen Mitjoggen habe ich keine Lust und das Startgeld von 14 Euro ist mir für einen 10er (bzw. 12 € für eine 4,2 km-Lauf!!!) auf einer Strecke, die ich auch ohne dafür zu bezahlen laufen kann, einfach viel zu hoch!

    LG,
    Anne

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    • Genau … nur für ein paar Schluck Wasser unterwegs und eine Banane im Ziel geb ich das nicht aus. Und es gibt viel schönere Strecken in Trier als die des Stadtlaufs!

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