Mairegen

Frisch ist es, als der Regen einsetzt. Einzelne Tropfen auf den nackten Armen und Beinen, erst fein, dann dick. Kurzzeitig versiegt der Nachschub, dann wird er intensiver. Ein Lied aus den 80ern geht mir durch den Kopf: http://www.youtube.com/watch?v=ftEJ8xSMQSo

„Rain in May wipes your worries away.
Take a dose, take off your clothes,
feel the soft warm spray of the rain in May“.

So ganz in Ordnung ist mein Oberschenkel noch nicht. Beim Laufen macht er keine Beschwerden. Aber ich habe den Eindruck, dass andere Muskeln – vor allem die um das Knie herum – einen Teil der Funktionen übernehmen müssen, die sonst der Oberschenkelmuskel erfüllt. Also bleibe ich vorsichtig. Vorsichtig – das heißt erstens sehr langsam laufen und zweitens die Strecke so wählen, dass ich mich nicht zu weit von daheim entferne und problemlos abkürzen kann, wenn ich merke, dass Beschwerden auftreten.

Also erst einmal die bewährte Tiergartenrunde. Die leuchtend gelben Löwenzahnwiesen haben sich in Pusteblumenurwälder verwandelt. Abertausende filigraner weißgrauer Kugeln, die schon bald von Wind und Regen zerstört werden. Dafür zeigen endlich auch die Rebstöcke erste grüne Blattknospen. Nur noch ein paar Tage, dann hat die Tristesse ein Ende und aus den toten, nackten Ästen, die an Holz- oder Eisenpfählen hochgebunden sind, wird ein „richtiger“ Weinberg, strotzend vor Lebenskraft!

Weil es wider Erwarten so gut läuft, hänge ich erst einmal die Runde durch die Gärten an. Am Südbahnhof die Frage: Zurück oder an die Mosel? Für einen längeren Lauf bin ich eigentlich nicht ausgerüstet, sprich: Ich habe nichts zu trinken mitgenommen. Und durch die Nässe finde ich es trotz milder 13-14 Grad im Oberarmshirt grenzwertig, was die Temperatur angeht – wer bewusst langsam läuft, fröstelt auch leichter. Aber ein wenig weiter darf es schon noch gehen!

Also Moselufer. Über die Adenauerbrücke zum Messepark, mitten hinein in einen riesigen Schwarm holländischer Touristen, die sich am Wohnwagenpark zu einer Radtour versammelt haben. Halleluja, sie fahren in die Gegenrichtung gen Luxemburg! Ich dagegen laufe flussabwärts, kreuze an der Römerbrücke wieder den Fluss und trotte zurück zur Adenauerbrücke.

Weiter bis zu Staustufe? Der Uferweg ist noch immer gesperrt, irgendwelche Baumaßnahmen, ich müsste also oben an der Straße laufen. Keine tolle Aussicht. Und ich will es wirklich nicht übertreiben, bin ja froh, dass die Beine heute überhaupt wieder mitspielen. Außerdem bekomme ich inzwischen Durst.

Also zurück! Hoch an der Abtei vorbei, durch die Gärten und hinauf nach Heiligkreuz, die Steigung verdirbt ein wenig meinen sehr vernünftigen Pulsschnitt. Die Messe beginnt gerade. Ein paar verspätete Kirchgänger hasten noch durch die offene Tür, aus der laute Orgelklänge dringen. Mich interessiert dagegen eher, ob auch der Bäcker eine offene Tür hat. Er hat! Mit Semmeln und Sonntagszeitung versorgt schlappe ich durch den dichter werdenden Regen nach Hause nach 14.160 m in 1:38:30 Stunden.

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6 Gedanken zu “Mairegen

  1. Durst, da haben wir wieder etwas Gemeinsames, Durst quält mich in dieser Jahreszeit mehr und früher als sonst, der Körper braucht wohl Zeit, um sich an die wärmeren Temperaturen zu gewöhnen, gönnen wir sie ihm.

    Und was deinen Oberschenkel betrifft, schön aufpassen, dass du – vielleicht durch unbewusstes Schonen – verquert läufst und damit neue Verletzungen einheimst, das wollen wir ja auf keinen Fall – oder ? 😉

    Ach ja, es ist so schön, wie gut ich dich verstehe ! 8)

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  2. Du hast recht, liebe Margitta, ich muss und werde aufpassen. Gerade beim Bergablaufen hatte ich den Eindruck, dass die Knie mehr aushalten mussten als sonst, weil der Oberschenkel nicht allen Schwung auffangen konnte. Darum habe ich auch nach einer Trinkpause daheim nicht noch ein paar km angehängt, sondern es bei 14 km bewenden lassen. Die gute Nachricht: Dem Fahrwerk geht es heute abend besser als heute früh vor dem Lauf! 😉

    Mal gucken, wie es morgen ist …

    Liebe Grüße,
    Anne

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  3. hör‘ auf Margitta! Sie hat absolut recht!

    Und der Mairegen mag ja manchem die Sorgen wegwischen – uns hat er sie ein bisschen beschert. Wir hatten doch durchbasteln wollen am Wochenende und das ging nun nicht 😦

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  4. @Lizzy: Tu ich! Bin ganz brav! 8) Gelaufen wird erst morgen wieder. Heute geht es allerdings sogar besser als gestern früh.

    Für Gartengestalter war das natürlich nix am Wochenende – ärgerlich! Aber den Pflanzen hat der Regen gut getan!

    LG,
    Ann

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  5. Also wieder der Oberschenkel 😦 – bitte schön vorsichtig bleiben. Ich drücke die Daumen, daß da bald nichts mehr zwickt!
    Du warst gestern dann wohl etwas früher als ich unterwegs. Bei mir ließ der Regen gerade nach. Die Veränderungen in der Natur laufen zur Zeit wirklich mit atemberaubender Geschwindigkeit ab. Da kommt man fast nicht mehr hinterher.
    lG
    Ralph

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  6. Dankeschön, lieber Ralph! Ja, ich war so zwischen 8 und kurz vor 10 Uhr unterwegs. In der Natur geht alles sehr schnell momentan, nachdem wir lange Geduld haben mussten. Ich hoffe, für meinen Oberschenkel brauche ich nicht so viel Geduld! 8)

    LG,
    Anne

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