Die Hunde von Baskerville

Morgen früh klappt es nicht mit dem Laufen. Schade! Denn heute Abend ist es noch schwüle 25 Grad warm. Außerdem erinnern sich meine Beine nur allzu gut an die drei letzten Läufe, die allesamt recht lang und anstrengend waren. Eindeutige Argumente für ein sehr kurzes schneckiges Erholungsläufchen statt eines längeren lockeren Dauerlaufs. Einmal die Tiergartenrunde reicht! Das ergibt 5,5 bis 6 Kilometer, je nach dem, ob ich bis zur Haustür renne oder zum Schluss ein Stück gehe.

Also hinaus in die stehende Luft, Eintauchen in das Grün der Wiesen, das schon viel satter wirkt als vor einigen Tagen. Vor dem Weingut das Geschnatter von zwei Ladungen holländischer Bustouristen. Danach die Einsamkeit des Tals, nur das Vogelgezwitscher überlagert die Stille und Abgeschiedenheit.

Stets bedacht, die Herzfrequenz trotz der Schwüle unten zu halten, trabe ich den schmalen Pfad am Bach entlang. Und dann … ein dunkles Etwas bewegt sich auf mich zu. Langsam, sehr langsam, dann schneller. „Hund“, signalisiert das Großhirn. „Großer Hund!“. „Sehr großer Hund!“. „Riesengroßer Hund!“ Bedauerlicherweise ergänzt es nicht „… mit Herrchen/Frauchen“.

Adieu, Rekom-Puls! Ich mag Hunde. Wirklich! Aber dieses schwarzgraue Ungetüm ist mir nun doch nicht mehr ganz geheuer!

Eine gefühlte Ewigkeit dauert es, bis hinter der Biegung, etwa 20, 30 Meter hinter dem finsteren Monster in Kälbergröße ein menschliches Wesen auftaucht. Im Gefolge ein weiteres Viehzeug vergleichbaren Ausmaßes, allerdings in Hellgrau! Aha! Der mir schon lange bekannte „Hund von Baskerville“ hat einen Kumpel oder eine Kumpeline bekommen!

Die Ernährung und tierärztliche Versorgung zweier Irischer Wolfshunde dürfte monatlich etwa ebenso viel Geld verschlingen wie ein durchschnittlicher Kleinwagen. Wer sich sowas wohl leisten kann? Aber das ist nicht mein Problem. Mein Problem ist, dass ich den dunkleren der beiden „Baskerville Hounds“ noch nicht kenne – und er mich nicht! Und so laufe ich zwar gleichmäßig weiter, beobachte aber mit Argusaugen das Verhalten des Tieres und hoffe inständig, dass es nicht noch schneller auf mich zu rennt.

Ufff – tut es nicht! Desinteressiert trappelt der Schwarzgraue mit hängender Zunge an mir vorbei und sieht dabei wirklich sehr friedlich und gutmütig aus. Genau wie sein hellgrauer Kumpel. Alle Sorge vergebens! Aber wieder ein kleines Laufabenteuer unversehrt überstanden. Mit diesem Gedanken hake ich die Baskerville-Episode ab, schnecke meine Runde bis zum Brückchen über den Kandelbach und spaziere gemütlich die letzten 500 Meter nach Hause, in den Beinen 5.570 niedrigpulsige Meter in 38:36 Minuten.

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8 Gedanken zu “Die Hunde von Baskerville

  1. Was kostet eigentlich ein durchschnittlicher Kleinwagen monatlich? *überleg*

    Bei den zwei Hunden schätze monatlich ich auf ca.:

    1. Steuern: ca. 20 Euro
    2. Versicherung: ca. 15 Euro
    3. Tierarzt (impfen, entwurmen etc.): 10 Euro
    4. Futter (durchschnittlich hochwertig):ca. 120 Euro

    und dann natürlich noch Spielzeug, Leine, Bürsten, Transportvorrichtungen in Autos, Decken, Schlafplätze …. ;o) Und wenn was unvorhergesehenes beim Tierarzt dazukommt, wird’s richtig teuer. Wie beim Auto, wenn ein zentrales Teil crasht – Kühler, Kupplung, Getriebe oder so …

    Könnt‘ hinkommen mit dem Auto. Ich hätte lieber zwei Hunde, wenn es denn ginge 😀 Aber keine irishen Wolfshunde. Die sind zwar gigantisch lieb und sanft. Aber ein bisschen kleiner dürfte es schon sein und ohne Rassebezeichung. Mischmasch-Straßenköter eben.

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  2. @Lizzy: Ich glaub auch, die normalen laufenden Kosten halten sich noch einigermaßen im Rahmen. Aber wenn so ein Tier mal operiert werden muss oder sonstwie krank ist, fallen schnell mal 4-stellige Beträge an. – Ach ja, ein eigener Hund … ich hätte ja gern einen Hannoverschen Schweißhund oder einen Weimaraner. Aber mangels Zeit und Gelegenheit, mit so einem Jagdhund zu arbeiten, lass ich das lieber!

    @Martin: Hmmmm, in der Zeitung stand nichts von ungeklärten Vermisstenfällen ;). Was die Tempoerhöhung angeht: Ich glaube, da muss ich noch an der Optimierung meiner Überlebenschancen arbeiten! 8)

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  3. Ach, liebe Anne, eine ähnliche Erfahrung habe ich auch schon gemacht: Je größer das Kalb, umso harmloser der Hund ! 😉

    Aus meiner Sicht, sind die kleinen, hinterlistigen Kläffer wesentlich unangenehmer als die meisten großen Hunde, die Kleinen warten, bis du vorbei gelaufen bist, tun so, als ob sie dich nicht wahrnehmen, und dann kommen sie von hinten angepirscht und versuchen, an deiner Ferse zu knabbern.

    Vor diesen Kälbern habe ich Respekt, aber keine Angst, sie erwecken fast immer den Eindruck, keiner Seele etwas tun zu wollen, sondern einfach ihre Ruhe haben zu wollen.

    Abgesehen von den Kosten, die solche Tiere verursachen, so sollte man auch über die Hinterlassenschaften dieser Elefanten nachdenken, die leider von vielen Hundebesitzern nicht entsorgt werden.

    Glück gehabt –
    Und schwül ist es
    auch nicht mehr
    jedenfalls bei uns
    es gießt in Strömen
    bei 16 Grad
    die Natur braucht es !

    Lasse es dir gut gehen, liebe Anne ! 8)

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  4. Huch – alles so blau hier! Steht dir gut 🙂 ! Der Header ist klasse.
    Die Schwüle wurde gestern im Laufe des Nachmittags immer unerträglicher – Respekt, daß du da abends noch die Laufschuhe geschnürt hast. Das mit den hundeartigen Kälbern hätte wirklich nicht sein müssen. Betrachte es positiv: jetzt kennst du beide Hunde 😉 .
    Um wie viel mein Puls beim Anblick solcher Ungetüme steigt weiß ich mangels Pulsmesser nicht. Puls habe ich – und ja, er steigt, wenn ich so etwas sehe 😆
    lG
    Ralph

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  5. @Margitta: Das deckt sich mit meinen Erfahrungen: Die kleinen Hunde sind die hinterlistigsten – Angstbeißer sozusagen. Und wenn sie nicht schnappen, wuseln sie dir zwischen den Beinen rum und du muss aufpassen, nicht zu Fall zu kommen.
    Leider kein Regen hier, Wolken ja, aber immer noch Schwüle … mein armer Garten schreit nach Wasser!

    Lass auch du es dir gut gehen, liebe Margitta, einen schönen Feiertag! 🙂

    @Ralph: An dich musste ich denken nach der Begegnung; du hast ja auch schon mehrmals durchblicken lassen, dass dich Hunde beim Laufen nicht besonders erfreuen! Aber diese beiden waren wirklich harmlos, so dass ich ihnen beim nächsten Mal ohne Pulsanstieg begegnen werde!

    Tja, und die Schwüle …. schnell laufen hätte ich gestern nicht mögen. Ich hätte mir den Lauf auch lieber für den Morgen aufgespart, aber das kam terminlich nicht hin 😦

    LG, hoffen wir für unsere langen Wochenendläufe auf klarere Luft! Lieber Regen als diese drückenden Bedingungen! 8)

    Anne

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  6. Ach Giegi, die beiden waren wirklich harmlos. Völlig transusig und desinteressiert – es ist nur die Größe, die erst einmal erschreckt! Die hätten dir auch nichts ausgemacht!

    Schönes Wochenende auch dir!
    Anne

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