Wie ich will!

Wer bin ich denn, dass ich mir von einer Tabelle, die ich irgendwann mal mit Zahlen gefüllt habe, vorschreiben lasse, wie ich zu laufen habe? Pah! Die Sonne strahlt heute hell und alles wird endlich grün und die butterblumenbetupften Wingerte rufen nach mir. Da werde ich doch nicht an die Mosel (die einzig flachen Strecke weit und breit) fahren, um auf dem Leinpfad einen Tempolauf zu absolvieren, nur weil das so in einem komischen Plan steht! Nein, dann bleibe ich an diesem Spätnachmittag gegen halb sechs dort, wo ich bin, auf dem Petrisberg nämlich. Und laufe, wie ich will! Flott hügelauf und hügelab. Nach zwei ***** [zensiert] Arbeitstagen habe ich mir das als Belohnung verdient. Jawohlja!

Im Wingert ist es unbelebt genug, um in Ruhe vor mich hin zu wetzen. Aber belebt genug, um sich immer mal wieder über kleine Begegnungen zu amüsieren. Den Mini-Ich-will-mal-ein-Dackel-werden-Wau Wau zum Beispiel, dessen Besitzer glücklich darüber ist, dass das kleine Kerlchen endlich apportieren gelernt hat. Von einem 1,90-Schrank ein hochfrequentes Gepiepse á la „Hattu aber fein gemacht, Hundi!“ zu vernehmen, treibt meine Schritte kräftig an. Noch so ein Satz und ich breche zusammen vor Lachen. Und ich glaube, das würde den Herrn etwas irritieren.

Oder das ältere Ehepaar auf Fahrrädern, das ich an einer leicht ansteigenden Passage auf dem Weinlehrpfad überhole. Nein, das kann ER nun gar nicht verknusen! Typisch Mann – sorry, aber so ist es nun einmal! Das Flachstück kommt ihm zur Hilfe, als er kräftiger in die Pedalen tritt und, sein Frauchen im Schlepptau, mich wieder überholt. Nützt ihm bloß nichts. Es geht gleich wieder etwas hoch, danach wird der Weg uneben und für Tourenräder kaum noch befahrbar. Und wusch, weg ist die Läuferin!

Acht Kilometer kreuz und quer, der letzte mit 45 Steigungsmetern etwas eklig. Schnell im Büro zwei Becher Wasser getrunken, einige wenige Sachen in den kleinen Rucksack gepackt, und – heißa – jetzt (fast) nur noch bergab! Mit einem kurzen Schlenker durch die Weinberge endet die Runde am Garten nach 12.560 m in 1:18:13 Stunden.

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6 Gedanken zu “Wie ich will!

  1. Klasse, Anne 8) !
    Gut, daß du nicht an die Mosel gefahren bist – der Weinberg brachte dir die besten Begegnungen. Den Hundehalter stelle ich mir gerade bildlich vor – köstlich 😆 .
    Aber auch der Radler ist nicht von schlechten Eltern, so etwas wünsche ich mir auch 🙂 !
    Du hast dir verdient einen schönen Abend bereitet – genau, wie wir Läufer es uns immer wünschen.
    lG
    Ralph

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  2. “ Wer bin ich mir denn, dass ich mir von einer Tabelle, die ich irgendwann mal mit Zahlen gefüllt habe, vorschreiben lasse, wie ich zu laufen habe? “

    Äh, bist du das, Anne, die das geschrieben hat ?

    Was den männlichen Radfahrer angeht, es ist immer das gleiche, das habe ich mit Männern auch des öfteren erlebt (Ausnahmen bestätigen die Regel – für Männer, die hier mitlesen !), und das macht richtig Spaß, es ihnen zu zeigen !

    Gut beobachtet, das gehört dazu und macht fast genauso Spaß wie das Laufen, gell ? 😉

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  3. @Ralph: Es war wirklich die beste Wahl, im Wingert zu bleiben – mir wäre sonst einiges entgangen! 😉 So war’s ein toller Abend!

    @Margitta: Ääääh ja, doch, ich war’s! Wenn deine Verwunderung sich auf die Existenz eines Plans bezieht: Den habe ich, weil ich in den nächsten Wochen sehr aufpassen muss, dass das Laufen genug, aber auch nicht zu viel Platz neben den (zu) vielen „Baustellen“ (Job, Garten, Wohnung, Familie) einnimmt, die ich sonst noch habe. 😦
    Sollte sie sich auf den flexiblen Umgang mit dem Plan beziehen: Das habe ich schon immer so gemacht, wenn ich mal einen Plan hatte … darum hatte ich meistens keinen, weil ich viel lieber so laufe, wie mir an diesem Tag gerade zumute ist. 8)
    In unseren Erfahrungen mit Sport treibenden Männern ähneln wir uns (mal wieder) sehr … sowas zu beobachten und aufzuschreiben, ist sozusagen die Kirsche auf dem Sahnehäubchen des Lauferlebnisses! 😉

    LG,
    Anne

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  4. ohja, das „typisch Mann“ kann ich gut nachvollziehen und muss gleich grinsen.

    Diese Woche war ich das allererste Mal bei einem Laufkurs, an dem M & W teilnehmen. Die Frauen in der Überzahl, was ich gut finde. Jetzt ratet mal, wo die Männer gelaufen sind, als es los ging …

    Ja, ganz genau: an die Fersen des Trainers geklebt, auch wenn die Köpfe immer röter wurden. Und zum Schluss, als gemütliches Auslaufen und ein bisschen Dehnen angesagt war, die doofe Frage, ob sie nicht noch eine Runde laufen dürfen. Damit auch ja jeder mitkriegt, dass sie viel mehr drauf haben als der Rest der Truppe.

    Ich habe lange nicht mehr etwas so Amüsantes erlebt. 🙂

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  5. @Margitta: Flexibel ist immer gut, gell? Hab ich heute auch wieder so gemacht! 8)

    @Silke: 🙂 Mehr muss frau dazu wohl nicht sagen – ich erfreue mich auch jedes Mal auf’s Neue an solcherlei Imponiergehabe!

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