Warteschleife

Die Sonne ist gestern Abend als orangeroter Lavabrocken hinter dem Petrisberg verglüht. Diesen fantastischen Anblick konnte ich auf meinem Heimweg durch die Weinberge und Streuobstwiesen mit blühenden Sträuchern und Kirschbäumen genießen. Dazu einen kondensstreifen-freien Himmel – dem isländischen Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen sei Dank!

Heute Morgen macht sich die Sonne dafür noch rar. Na gut, um 5:30 Uhr (eigentlich ja erst 4:30 Uhr) ist das mit dem Aufgehen auch noch zu viel verlangt! Und es darf noch kühl sein, auch wenn mich der Anblick des Thermometers am Küchenfenster zu einem lauten „Och nööö!“ veranlasst – plus drei Grad, nicht so dolle! Aber zum Glück haben wir ja die langen Hosen noch nicht eingemottet und die Jacke auch nicht. Die Mütze ziehe ich allerdings nach einigen hundert Metern wieder ab, weil mir danach ist, die morgendliche Frische richtig zu spüren.

Im Tiergartental ist es noch dämmerig, die Vögel versuchen, mit ihrem Crescendo das Licht des Tages herbeizurufen. Heute früh bin ich wieder einmal als erste und einzige unterwegs. Auf dem Sträßchen geht es bis zur Gärtnerei. Für die Waldrunde ist es mir zu duster, ich möchte nicht im Halbdunkel auf unebenem Grund umknicken. Trotzdem will ich sie heute gern laufen. Also drehe ich noch eine Warteschleife auf der knapp zwei Kilometer langen Straßenrunde, bevor ich den Weg am Bach entlang einschlage.

Ein Wirrwarr an Geräuschen tief im Wald, verschiedenste Vögel, aber auch aus der Ferne ein Fiepsen, Blöken und weitere undefinierbare Geräusche – ich vermute, es handelt sich um Rehe, im Moment ist Blattzeit! Auf der Talwiese scheint sogar etwas Reif zu liegen. So ist der Frühling – nachts eisig, tags schon frühsommerlich. Voll Vorfreude auf einen sonnigen Tag (auch wenn ich ihn größtenteils im Büro verbringen werde) gönne ich mir noch den Schlenker durch die Kleingärten, munter die kleine Treppe hinauf, bevor ich wieder daheim lande nach 9.030 m in 56:29 Minuten. Und inzwischen hat sich auch der Himmel im Osten orangerot verfärbt – da ist sie ja wieder, die Gute!

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11 Gedanken zu “Warteschleife

  1. Stimmt ja, jetzt wo du’s sagst, fällt mir das auch auf, dass wir gar keine Rush Hour haben im Moment 🙂

    Und zum frühen Morgen noch ein Gedicht von Heinrich Heine für dich:

    Das Fräulein stand am Meere
    und seufzte lang und bang.
    Es rührte sie so sehre
    der Sonnenuntergang.
    Mein Fräulein! Sein sie munter,
    das ist ein altes Stück;
    hier vorne geht sie unter
    und kehrt von hinten zurück.

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  2. ….huch ….Frühaufsteher allüberall…
    Respekt! So früh aufgestanden, schon gelaufen und nicht mal langsam….und dann auch noch einen Bericht von Dingen von denen ich nur träume…
    Wunderbar!

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  3. Da warst du heute wieder richtig früh unterwegs! Ein richtig flotter Lauf in die Morgendämmerung hinein. Da kann der Tag doch gut werden.
    Diese blutrote Sonne 8) ist mir gestern auch aufgefallen. Gut möglich, daß da Vulkanasche mit im Spiel war.
    lG
    Ralph

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  4. Das klingt nach einem perfekten Start in den Tag, liebe Anne.
    Ich kann das alles so gut nachvollziehen… und du hast es so lebendig wiedergegeben. Wahrscheinlich deshalb.

    Einen schönen Tag noch!

    LG Sabine

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  5. Ach , was bin ich beruhigt, dass es auch bei Euch “ dort unten “ mit den wärmeren Temperaturen ein wenig hapert. Nicht dass ich es dir, liebe Anne, nicht gönnen würde, aber ich bin froh, dass es nicht nur uns so geht !

    Ein herrlicher Morgenlauf, ein Genusslauf für die Sinne, es lohnt sich, früh zu laufen, gell ? 😉

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  6. @Lizzy: Oh ja, Heine ist immer wieder schön! Bin mal gespannt, wann der Himmel wieder aussieht wie auf deinen Bildern! 8)

    @Marga: Warum träumen? Das kannst du auch haben … na gut, ich gebe zu, wenn ich nicht vor dem Weckerklingeln aufgewacht wäre, hätte ich es auch nicht um 5:30 Uhr geschafft! 😉

    @Ralph: Naja, im Moment ist der Tag mäßig … aber nach so einem Läufchen bin ich schwer zu erschüttern! 🙂 Was die Vulkane wohl noch alles mit uns anstellen … Ich finde es irgendwie auch toll, dass wir Menschen trotz aller Technik gegen die Kraft der Natur so machtlos sind – es zeigt uns unsere Grenzen auf!

    @Sabine: Ja, der Start war perfekt – wünsche dir auch einen schönen Tag, liebe Sabine!

    LG,
    Anne

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  7. @Margitta: Inzwischen ist es zwar durchaus sonnig, aber immer noch recht frisch … ich bin gespannt auf das Wochenende, an dem uns 20 Grad versprochen werden. Unabhängig von den Temperaturen: So ein Genusslauf am Morgen, der hat wirklich was! 8)

    LG,
    Anne

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  8. Schön, dass Du dem kleinen Isländischen Feuerspucker dankst, auch ich habe besonders am Sonntag den wolken- und streifenlosen Himmel genossen. Ich huldige dem kleinen Burschen (übersetzt heißt der irgendetwas mit alter, lahmer Mann) aber nicht allzu arg, denn vor nächsten Mittwochnachmittag darf der nicht wieder rumspu(c)ken. 😉
    Seit Montag ist es wieder arg kalt, blühen tun bei uns nur die Zierkirschen, die Obstsorten sind noch nicht soweit.
    Blattzeit ist übrigens Ende Juli/Anfang August, die Tiere spüren einfach den Frühling im Blut!

    LG Moni

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  9. Toll beschrieben, dein Morgengenuss! Macht richtig Spaß, das Lesen und das Nachfühlen!

    Ich finde ja, es gibt kaum eine bessere Zeit zum Laufen als am frühen Morgen – aber meist bin ich mit dieser Meinung ziemlich alleine… 😉

    Liebe Grüße, Giegi

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  10. @Moni: Hmm, was ist denn bei dir am Mittwoch – ab in den Süden? 😉 – Und klar, du hast natürlich recht, Blattzeit ist im Sommer. Weiß auch nicht, wie sich der Quatsch in mein Hirn geschlichen hat heute früh. 8)

    @Giegi: Ich glaube, da gibt es mehr Morgenlauffans als du denkst – nur schreien die nicht so laut wie diejenigen, die morgens zu laufen entsetzlich finden! 8)

    LG,
    Anne

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