Matschbirne

Ob sich ein Wetterumschwung (bitte zum Besseren!) ankündigt, ob mir der erste Vorlesungstag des Sommersemesters nicht bekommt oder die kleineren beruflichen Ärgernisse – was es auch immer ist, es hat meinen Kopf in einen aparten rot lackierten Schraubstock gespannt und dreht den seit heute Mittag ganz langsam zu. Bevor die Birne komplett zu Matsch gepresst wird, fahre ich gegen halb sechs den Rechner runter und mache mich auf die Feierabendrunde.

Eigentlich war ein Tempoläufchen geplant, aber mir ist nach einem Lust&Laune-Lauf – und den mache ich jetzt auch! In den fünf Tagen, die ich unterwegs war, hat die Natur trotz der Kälte einen riesigen Sprung gemacht. An zahlreichen Sträuchern junges Grün. Weißdornbüsche sind mit Blüten übersät. Zwischen den Reben, die natürlich selbst noch wie tot dastehen, leuchtet der Löwenzahn mit den Vergissmeinnicht um die Wette. Im Tiergarten bringt der Winzer Kalk aus – ich tauche durch eine riesige Staubwolke, bemüht, nicht allzu tief einzuatmen.

Jetzt zur Feierabendzeit ist High Noon für Läufer: Ein Anfängerpärchen kommt mir im Lauf-Geh-Rhythmus entgegen, auf dem Rückweg aus dem Tal werde ich sie überholen. Eine verkabelte, autistische Stockente zieht unverdrossen ihre Bahnen im Wald. Purzel überschlägt sich fast vor Empörung, als ich vorbeilaufe. Der junge Gärtner kontrolliert noch einmal das Treibhaus. Ja, das ist „mein“ Tal, meine zweite Heimat neben der ursprünglichen norddeutschen! Ein schönes Gefühl, wieder hier zu sein.

Trotzdem freue ich mich auf meine vier Wände, denn es ist kalt geworden. Kurz halte ich an, um die um die Hüften geknotete Jacke wieder anzuziehen. Noch durch die Gärten, ein paar Meter bergauf – zurück im Warmen nach 10.510 m in 1:04:57 Stunden (und leider immer noch mit „Matschbirne“).

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8 Gedanken zu “Matschbirne

  1. Wetterumschwung und Matschbirne jetzt hier angekommen! Gestern schon nach dem ersten Intervall (Dienstag ist Renntag!) irgendwie gemerkt, dass das so nichts wahres wird. Mit angezogener Handbremse weitergemacht, weil der Spaß dran war ja da. Mit dem letzten war es dann nicht mehr so toll, egal, hatte mich eh verzählt und einen zuviel.
    Hoffe Deine Matschbirne ist nun fort, solche Tage gibt es nun mal, leider! 😦

    Liebe Grüße
    Moni

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  2. Schade, dass der Abendlauf dein Kopfweh nicht weggeblasen hat. Oft hilft es ja.
    Ich hoffe, dir geht es heute wieder besser.

    Hier ist es heute auch sehr frisch. Auf jeden Fall viel zu kalt für diese Jahreszeit. Dafür ist der Himmel sehr freundlich.

    LG Sabine

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  3. @Moni: Nein, leider plagt sie mich heut auch noch, wenngleich nicht ganz so schlimm. Aber wie du schreibst – sowas gibt’s und man muss sich damit arrangieren. Ich hoffe, wenigstens dir geht es inzwischen besser!

    @Sabine: Meist hilft es zu laufen – und während des Laufs ging es mir auch besser. Nur hinterher war alles wie zuvor. 😦 Und heute muss ich auch noch länger im Büro bleiben … mal sehen, vielleicht reicht es abends doch noch für eine Runde! Hier kommt nämlich auch die Sonne raus – noch zu kalt, aber trotzdem einladend hell!

    LG,
    Anne

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  4. Ach ja, liebe Anne, daheem is halt daheem, da ist genauso schön, wenn man dann wieder in seinem eigenen Bett schlafen kann, wem geht es nicht so ?

    Heute ist ein neuer Tag, und ich bin sicher, alles, was sich gestern störend auf die auswirkte, ist heute Sch…. von gestern . (Sch … kann ich leider nicht ausschreiben, da ich es mir selbst versprochen habe, dieses Wort in den nächsten Monaten nicht mehr schreiben und auch nicht mehr sehen zu wollen).

    Heute besser ? 8)

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  5. Für „mit Matschbirne“ warst du ganz schön flott unterwegs!
    Die Veränderungen in der Natur innerhalb weniger Tage sind momentan schon sehr beeindruckend. Die Wiedereroberung deines Tals ist dir gestern geglückt 😉 .
    Ich drücke die Daumen, daß du heute trotz der Arbeit noch zu einer kurzen Runde aufbrechen kannst. Spätestens danach geht es deinem Kopf dann wieder gut.
    lG
    Ralph

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  6. @Margitta: Leider noch nicht Sch*** von gestern, all‘ das Störende 😦 ! Also muss ich heute nochmal laufend dran, vielleicht hilft’s beim zweiten Versuch, die Matschbirne wegzubekommen. 8)

    @Ralph: Es ging ja erst einmal auch bergab … 😉 allerdings bin ich insgesamt ein gutes Stück schneller geworden, und ein 6:10er-Schnitt, der vor 3 Monaten noch Tempolauf bedeutete, fällt jetzt unter „lockerer Dauerlauf“. 8)
    Was den Abendlauf angeht, bin ich sehr optimistisch! Die Tagesordnung der Sitzung ist geändert worden, und mit etwas Glück bin ich schon um 17:30 Uhr daheim! 🙂

    LG,
    Anne

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  7. Anscheinend zog sich die kopfmäßige Maschigkeit quer durch Mitteleuropa 😉 Hoffen wir mal, dass das keine ansteckende Gehirnerweichung ist. Aber die Beine funktionieren allerorten – ist ja auch wichtig 🙂

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  8. @Giegi: Leider muss auch mein Gehirn dringend wieder normal funktionieren, sonst schaffe ich die Semestervorbereitungen nicht mehr! Aber wenn ich ehrlich bin, was meine derzeitige Prioritätensetzung angeht: Zum Laufen kann ich mich leichter motivieren als zum Denken! 8)

    LG,
    Anne

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