Wenn’s denn hilft, …

… will ich’s ja auch wieder tun. Aber ich tu’s nicht gern. Nee. Wirklich nicht. Auch wenn ich’s heute freiwillig getan habe. Als Streckbank, Daumenschrauben und Eiserne Jungfrau endgültig verboten wurden, muss ein arbeitslos gewordener Folterknecht das Intervalltraining erfunden haben. 6 x 800 Meter im 5 km-Tempo, besser ein paar Sekunden flotter, dazwischen je 3 Minuten Geh- bzw. Trabpause. Wer denkt sich bloß so etwas aus? Und welche sonderbare Macht bringt Menschen dazu, dabei auch noch zu mitzuspielen? Ich muss wohl doch eine masochistische Ader in mir tragen!

Immerhin regnet es nicht, auch wenn das mittlerweile schon obligate Grau heute noch etwas dunkelgrauer ist als an den Tagen zuvor. Ein paar andere Frauen nutzen ihren freien Vormittag für ein Läufchen am Moselufer, eine Kollegin ebenfalls Intervalle laufend, zwei junge Mädels friedlich vor sich hin joggend. Dazu ein äußerst freundlicher Endsechziger, zwei gediegene Stockenten wild schnatternd beim Abschiedszeremoniell. Keine Gassigänger, dafür bin ich heute zum Glück zu spät dran.

Darüber hinaus habe ich – ein großer Nachteil dieser bekl***ten Rennerei – kaum noch einen Blick für meine Umgebung. Die Aufmerksamkeit geht nach innen, mit wiederkehrendem Schielen auf das Display der Uhr: „Was machen die Oberschenkel? Der Muskel hinten rechts fühlt sich nicht ganz locker an! Bist du auch nicht zu schnell? Doch, Garminchens „Pace pro Runde“-Anzeige bestätigt den Eindruck! 4:56/km. Also vorsichtiger. 4:56/km. Och nee, schon wieder zu schnell! 4:54/km. Wird das noch mal was mit dem Tempogefühl? 4:58/km. Etwas besser wenigstens. Aber noch langsamer. Scheibenkleister, zu langsam, den verbummelten Teil kannst du nicht mehr aufholen. 5:07/km. Komm, die letzten 800 schaffst du auch noch! Geht’s noch? Grrrrr! Isnichmehrweit! Grrrrr! 5:01/km – ES LANGT!“

Noch gaaaanz langsam auslaufen, gaaanz vorsichtig dehnen, gaaaanz genussvoll duschen nach insgesamt 11.080 m in 1:09:48. Nee, alle paar Wochen von mir aus, wenn’s denn wirklich hilft. Aber nur dann. Und öfter muss ich so was auf keinen Fall haben!

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8 Gedanken zu “Wenn’s denn hilft, …

  1. Kommt mir alles seeehr bekannt vor 😉 ! Bei dem Tempo hat man wirklich keinen Blick mehr für die Umgebung, das ist wirklich ein großer Nachteil. Aber ich verspreche dir: es hilft wirklich! Und das mit dem Tempogefühl wird auch noch (sagt gerade der richtige …).
    Hast du wirklich klasse durchgezogen 8)
    lG
    ralph

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  2. Du sprichst mir mit dem letzten Satz aus der Seele, warum sollen wir uns mit unserem schönsten Hobby auch noch stressen, unter Druck setzen, wo doch im Alltag genug davon geboten wird.

    Dieses Kapitel habe ich bekanntermaßen längst zugeschlagen und laufe immer bewusst mit viel Freude, offenen Sinne durch die Welt.

    Wenn man bedenkt, was zum Schluss unter dem Strich steht, dann stellen wir fest, dass wir Hobby-Läufer sind und bleiben, auch wenn wir ein paar Minuten schneller im Ziel ankommen – und was sind schon ein paar Minuten ?

    Erhole dich gut ! 8)

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  3. aber jetzt kannst du doch stolz auf dich sein, dass du durchgehalten hast 🙂

    und mich beruhigt, dass du als „alter hase“ auch auf die uhr schauen musst, um zu sehen, ob du das tempo richtig eingeschätzt hast. mir passiert es häufig, dass ich denke, was bin ich langsam, dann guck ich und bin viel schneller als gedacht … hmmm … ist das jetzt gut?

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  4. @Marga: Dankeschön! Ob’s hilft? Wer weiß … 8)

    @Ralph: Danke auch dir, lieber Ralph! Dieser Tunnelblick ist wirklich nicht schön, nein. – Pass auf, ich nagel dich fest auf dein Versprechen. Wenn’s nicht hilft, bist DU schuld! 😉

    @Margitta: In der Tat, was sind ein paar Minuten?! Und ob ich jetzt 1593. oder 1924. werde, macht auch keinen echten Unterschied. Trotzdem … ich hab mir jetzt vorgenommen, ich probier das mit den anstrengenden Intervalleinheiten mal knapp 3 Monate systematisch aus (natürlich war das jetzt vor Freiburg die letzte), wenn es mir nicht völlig zuwider wird. Dann erst ziehe ich Bilanz. Wenn ich auf mein Gefühl höre, sagt das allerdings schon jetzt: „Hör auf zu hetzen! Die längeren und langsameren Läufe sind das, was dir eigentlich Spaß macht am Laufen! Gelegentlich ein Fahrtspiel, ja, aber so eine Nummer wie heute (fast) jede Woche? Igitt!“

    Danke, liebe Margitta 🙂

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  5. Also, wenn ich mir deine HM-Vorbereitung im Vergleich zu meiner ansehe, müsstest du aber locker unter 2 Std. bleiben…
    Ich kann mich nicht erinnern, im Training jemals unter 5:15/km gelaufen zu sein – und schon gar nicht auf 800 m. Hechel hechel. 😉

    Nach welchem Trainingsplan trainierst du, wenn ich mal fragen darf. Vielleicht sollte ich mir den auch mal zur Brust nehmen, noch habe ich ja knapp 8 Wochen Zeit, um noch etwas professioneller zu trainieren als ich es tue.

    Ein gesunder Ehrgeiz kann nie schaden, liebe Anne, so sehe ich das auch. Man will die gute Zeit ja nur für sich laufen. Aufs Treppchen kommen „wir“ wohl eh nicht mehr. 😉

    Weiterhin gute Vorbereitung!

    LG Sabine

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  6. Och – neee, nä?! Ich krieg ja schon Stress beim Lesen!!!!
    Nö, das wär‘ nix für mich, da bleib ich lieber eine Spazierenläuferin!
    Aber ich bewundere die dafür, wie du deine Ziele verfolgst – und verdrücke mich mal eben wieder zu meinen Landschaftsläufern 😉

    Liebe Grüße und schönen Abend!

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  7. @Sabine: Mit den 2 Stunden bin ich mir nicht so sicher … ich kann das Tempo, das ich dafür laufen müsste, voraussichtlich (noch) nicht lange genug halten. Trainingsumfang und -intensität müssten zwar „normalerweise“ locker für eine sub 2 reichen, aber ich bin leider nicht normal, sondern ziemlich untalentiert. 😦
    Mein Plan ist eine Mischung aus Steffny, Daniels und Eigenbau. Pläne sind für mich Orientierungshilfe, aber kein Korsett. Sprich: Ich informiere mich darüber, welche Ziele für mich realistisch sind und wie ich dafür trainieren sollte, laufe dann aber so, wie mein Körper mir erlaubt und wie ich an dem jeweiligen Tag laufen möchte – das kann mal weniger/langsamer, aber auch mal mehr/schneller sein. Wichtig finde ich eigentlich nur ein paar Grundprinzipien (nicht zu schnell die Umfänge/Intensitäten steigern, keine 2 harten Läufe an 2 aufeinander folgenden Tagen) und ein wenig Abwechslung, was die Strecken und die Trainingsarten angeht – wenigstens einmal pro Woche mache ich inzwischen gern etwas Flotteres, also Fahrtspiel, Tempoläufchen oder auch mal so eine „akademische“ Intervallgeschichte … die aber SEHR ungern. Wie du schon schreibst, gesunder Ehrgeiz ist fein, aber da ich eh keine Meistertitel o.ä. gewinnen könnte, habe ich auch keine Lust mich dauernd zu schinden, um auch noch die letzten Minütchen rauszuholen. 8)

    @Giegi: Oh, tut mir leid, dass es dir hier zu ungemütlich wird! Das wird wieder besser, versprochen! Schon heute, aber vor allem am Samstag und Sonntag zuckele ich wieder ganz friedlich und entspannt durch die Landschaft! 😉

    Liebe Grüße
    Anne

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