Angenehm angestrengt

Nach dem giftigen Gelbschwarz, das der Himmel während des Gewitters am gestrigen Spätnachmittag angenommen hatte, ist das Anthrazitgrau heute früh ein echter Fortschritt. Und es schüttet auch nicht wie aus Eimern, sondern nieselt nur schüchtern vor sich hin. Nichts, was mich stören könnte.

Und das ist gut so. Inzwischen habe ich nämlich doch einen gewissen läuferischen Ehrgeiz entwickelt. Der gute Herr Steffny hat mir heute mal wieder ein paar flotte Kilometer ans Herz gelegt. Kein Renntempo, aber zügiger Dauerlauf. Zwar bin ich keinesfalls gewillt, alles zu tun, was fremde Männer in irgendwelchen Büchlein geschrieben haben. Aber wenn ich Lust dazu habe, halte ich mich doch daran. Jetzt habe ich Lust dazu. Lust dazu, in einem angenehm anstrengenden, aber nicht wirklich harten Tempo meine Bahn zu ziehen.

Aber wo? An der Mosel ist es flach und nicht so schlammig und rutschig wie überall im Wald. Also Mosel. Aber nicht am stadtfernen Ufer – dort lauern bekanntermaßen die Schweineelche, um mich von meinem guten Vorsatz abzubringen. Denke ich und bleibe am diesseitigen Ufer.

An der Staustufe wird nach gut 3 Kilometern Einlaufen mit ein paar Steigerungen erst einmal gedehnt. Vor allem die Schultern und Arme haben es nötig. Offenbar hat dort ein besonders wohlgenährter Schweineelch huckepack gesessen, den ich noch in meinen Kleidern mit mir herumschleppte. Tja, was soll ich sagen, der Wasserstand ist hoch, der Fluss wild aufgewühlt – und Schweineelche sind GANZ schlechte Schwimmer …

Sechs Kilometer flott, drei Richtung Konz, drei zurück. Leider habe ich mir wirklich die drei ätzendsten Moselkilometer weit und breit für diese Einheit ausgesucht. Ein Test für die sprichwörtliche „mentale Härte“: Sowohl Bahnlinie als auch Schnellstraße nebendran. Es ist schwer, die durchdringenden Geräusche der vorbeisausenden Autos und Züge auszublenden. Auch der Fluss bietet heute nicht viel Interessantes – nur das Grau-Braun-Schwarz der Hügel am anderen Ufer und ein paar verirrte Enten, zwei Radfahrer, ein Prachtexemplar von Schäferhundmischling nebst Herrchen.

So bin ich allein mit mir und den Schwierigkeiten, ein gleichmäßiges Tempo zu finden. Zu schnell – zu langsam – nein, ich gucke nicht mehr ständig auf die Uhr, ich will das nach Körpergefühl hinkriegen – Mist, verbummelt! – etwas flotter – ah, so muss sich das anfühlen, angenehm angestrengt! Kilometer 3, 4 und 5 bekomme ich ziemlich gleichmäßig hin, den sechsten laufe ich bewusst 10,11 Sekunden zügiger. Insgesamt 5:48er-Schnitt, na bitte.

Kurz durchschnaufen, der letzte Kilometer war nicht mehr ganz so angenehm. Das gründliche Auslaufen über knapp 4 Kilometer lasse ich mir trotzdem nicht nehmen. Dass ich inzwischen sehr gern und recht weit (wenn auch sehr langsam) auslaufen und den Puls dabei auf vertretbaren Werten halten kann, zeigt mir besonders deutlich, wie viele Fortschritte ich in den vergangenen Wochen gemacht habe. Ich bin gar nicht so viel schneller geworden – wenn überhaupt. Aber ich bin ausdauernder und erhole mich schneller nach den zügigen Abschnitten eines Laufs. Na bitte, es wird doch! Und das mit dem Tempo kommt dann irgendwann von selbst. Da freut sich die Schnecke nach 13.050 m in 1:25:19 Stunden.

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7 Gedanken zu “Angenehm angestrengt

  1. Die kleinen Fortschritte sind das Beste am Laufen. Freut mich für dich, dass es so gut klappt mit dem Tempo.
    Ich werde es heute Nachmittag auch mal wieder mit 1km Tempowechselläufen versuchen. Der Rennsteigmarathon ist nur noch 10 Wochen oder so entfernt 😮

    Viele Grüße
    Tati

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  2. “ Aber ich bin ausdauernder und erhole mich schneller nach den zügigen Abschnitten eines Laufs.“

    Ja, ja, das ist Musik in meinen Läufer-Ohren, das gefällt mir, und es gefällt mir ebenso, dass ich immer wieder von sehr für dich erfolgreichen Trainingseinheiten lesen kann, ein typisches Beispiel: von nix, kommt nix, aber da du ja jetzt kontinuierlich und sehr fleißig und vor allem gesund am Ball bist, geht es steil aufwärts, die Stimmung ist gut, ist es nicht das, was wir uns alle wünschen !

    Hast du gut gemacht, Schwester ! 8)

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  3. Hey, das liest sich ja wirklich richtig gut! Und die treffendste Bewertung dieses Läufchens hast Du selbst formuliert:
    „Na bitte, es wird doch!!
    Da kann sich der PT nur vorbehaltlos anschließen und herzlich gratulieren. Haste gut gemacht!

    Obwohl Du Dir nun wahrlich nicht die angenehmste aller Laufstrecken gewählt hast, hast Du den Lauf doch tapfer durchgezogen und so dem „Projekt Freiburg“ einen weiteren Baustein hinzugefügt. Jetzt gibt es kein Halten mehr …

    … befanden einst auch schon Starship, deren Ohrwurm Du Dir beim nächsten öden Lauf auf die Ohren geben solltest:
    “ … And we can build this thing together, standing strong forever, nothing’s gonna stop us now…“

    In diesem Sinne: Mach nur weiter so! 🙂

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  4. Was lese ich da – 5:48er-Schnitt!? Meine Hochachtung! Da hast du aber wieder den Kobold rausgelassen 😉 !
    Wald oder Fluß, das war heute die Frage. Auch wenn die stadtseitige Moselstrecke nicht so prickelnd ist, für ein Tempotraining war sie heute eindeutig die bessere Wahl.
    Und ich stimme dir zu: wenn die Ausdauer stimmt, kommt das Tempo wie von selbst dazu 🙂 .
    lG
    Ralph

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  5. @Tati: Und – wie hat’s geklappt? Rennsteig, alle Achtung, da hast du ja wirklich was vor! 8) Dankeschön für’s Mitfreuen, liebe Tati!

    @Margitta: Woher wusste ich nur, dass dir dieser Satz gefallen würde, liebe Margitta? Ist ja schließlich auch von dir inspiriert, ebenso wie „das mit dem Tempo kommt dann irgendwann von selbst“. 8) Über deine Anerkennung freue ich mich natürlich besonders! Danke!

    @Foxi: Hach, wenn sogar der PT einverstanden ist, dann ist ja alles gut! Ich hatte befürchtet, er würde etwas von „zu langsam“ brummeln (insgeheim hatte ich nämlich auch gedacht/gehofft, es ginge noch einen Tick flotter). Aber so – dankeschön, lieber Peter!

    @Ralph: Dankeschön auch dir, lieber Ralph! Tja, der Kobold wird fast schon aufdringlich im Moment 😉 Im nahe liegenden Wald hätte ich das Tempotraining echt vergessen können – zu viel Matsch. Dann eben Mosel. Es kommen bessere Zeiten!

    LG,
    Anne

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  6. So, hier wird also gerannt, was das Zeug hält! Wo ich auch hinlese, überall bricht der Übermut aus – muss wohl vom Frühling kommen 😉 Aber das wird schon seine Richtigkeit haben, wenn selbst der Coach zufrieden singt 🙂

    Ich beschränke mich mal noch 1,2 Tage aufs Daumendrücken – dann socke ich (schneckig!) auch wieder los!

    Bleib g’sund! LG Giegi

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  7. Ach, liebe Giegi, ob schneckig oder koboldig – Hauptsache, es macht uns Spaß und tut uns gut! Wünsch dir auch heile Haxn und ansonsten Gesundheit und alles Liebe!
    Anne

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