Hey, was geht?

„Hey, was geht?“ – das ist die Frage an meine Beine heute Nachmittag. Sie durften zwar 48 Stunden nicht mehr laufen, aber gegangen – oder besser marschiert – sind sie trotzdem. Am Freitag die 4 km vom Büro nach Hause, weil mir der Bus vor der Nase weggefahren war. Und gestern ungefähr 8 oder 9 Kilometer vom Büro durch die Stadt wieder heim. Ein wenig müde und unlustig scheinen sie mir daher, ebenso wie der Rest der Weinbergschnecke, die gegen 4 Uhr nachmittags ihre Schuhe schnürt.

Mal sehen, was geht. Um erst einmal in die Gänge zu kommen, ziehe ich mir Billy Idol auf die Ohren. Manchmal hilft Musik gegen Anlaufschwierigkeiten. So auch heute. Nach drei, vier Kilometern rollt es endlich – ein simpler Druck auf’s Knöpfchen reicht, Billy muss für den Rest der Strecke den Schnabel halten, die Kabelage wandert in die Jackentasche und ich habe wieder Augen und Ohren für meine Umgebung.

Für das rustikal gekleidete Herren-Trio zum Beispiel, das sich mit ein paar Flaschen Bier, munterem Geplauder und dem Anquatschen von Passanten die Zeit um die Ohren schlägt. „Nach 5 Kilometern Pause machen!“, schallt es mir entgegen. „Nix 5 und Pause machen, 20 durchlaufen ist der Plan!“, gebe ich zurück – und habe ein paar lautstarke Bewunderer hinzugewonnen!

An der Mosel sind ansonsten nur rasende junge Mädels unterwegs. Mit modischen selbstgehäkelten Wollmützchen, schlabberbeinigen schwarzen „Wellness-Hosen“ von Tchibo, einem noch dickeren A*** als ich … und trotzdem deutlich schneller! Grrrrrr! Nun gut, sie sind halb so alt wie ich. Und wer weiß schon, ob sie nicht nach zwei Kilometern am Ende mit ihren Kräften sind?! Bei mir sollen es dagegen wirklich (fast) 20 werden. Wenn’s geht, wenigstens.

Eigentlich geht es schon. Aber uneigentlich fängt meine rechte Hüfte bei Kilometer 7 an, eine gewisse Unzufriedenheit zu signalisieren. Kurz nach Kilometer 8, fast schon am Ortsrand von Pfalzel, beschließe ich, dass ich diese Zeichen nicht mehr überhören sollte. Dehnpause. Und zwar gründlich. Und dann sicherheitshalber umkehren. Für den Fall, dass das Dehnen nicht gewirkt haben sollte, gibt es den Bus, der halbstündlich an der Straße oberhalb des Moselpfades entlangkommt.

Aber das Dehnen hat gewirkt. Da geht noch was! Erste Brücke, zweite Brücke, dritte Brücke. Hier laufe ich zurück über den Fluss. Direkt heim? Nicht nötig. Der Schlenker bis zur Staustufe geht noch. Um aus dem Schlappschritt zu kommen, der sich wieder einmal einschleicht, baue ich ein paar Steigerungen ein, beschleunige kräftig an den kurzen Anstiegen zur Staumauer, über die Eisenbahnbrücke und hoch zur Straße Richtung Sankt Matthias.

Auch den kleinen Schlenker durch die Gärten hänge ich noch an. Ein bisschen Anfersen zum Schluss, noch mal kurz vom langsamen Trab in einen lockeren, dann schnelleren Dauerlauf übergehen – an der gepflasterten Treppe in der Gartenanlage reicht es dann für heute. Da wäre auch noch mehr gegangen. Musste aber nicht. Was relativ problemlos ging, waren 19.120 m in 2:12:26 Stunden.

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10 Gedanken zu “Hey, was geht?

  1. Da ging aber wirklich viel – Riesenrespekt! Was nicht hätte sein sollen – die Hüfte. Aber die hat ja zum Glück nach deiner Therapie den Mund gehalten.
    Ja, der Winterschlappschritt, mit dem werden wir dieses Frühjahr noch so unseren Spaß haben. Aber du hast ja die richtige Therapie und dazu die nötige Disziplin, um die ABC-Übungen in die Läufe einzubauen! Den Blogtitel brauchst du nicht zu ändern – aber so ein Koboldbild wäre langsam hier angebracht 😉
    lG
    Ralph

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  2. Oh fein, das klingt richtig gut und locker.
    Ich habe versucht meinen längeren Lauf zum Nachtzeche-6-Stundenlauf durchzuzziehen ;-). Mit 27,5 km und 3h07 ist mir das trotz teilweise eisigem Untergrund recht gut gelungen. Bei dir war es die Musik am Anfang als Motivation, ich hatte 19 Mitläufer auf der 950 m langen Runde ;-))).

    Liebe Grüße
    Tati

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  3. @Ralph: Dankeschön, lieber Ralph! Nein, der Blogtitel wird allenfalls dann geändert, wenn ich jemals einen Marathon unter 4:00 laufen sollte. Bis dahin bleibe ich im Blog die Frau Weinbergschnecke … aber vielleicht hast du recht und ich sollte die laufende (sic!) Metamorphose zum Kobold durch ein entsprechendes Bild im Header verdeutlichen 😉

    @Tati: Das war eine wirklich tolle Aktion, die Chris da initiiert hat – ich wäre gern dabei gewesen, aber die Anfahrt war einfach zu weit! Ungefähr 30 Runden im Dunkeln auf vereister Piste im Kreis rennen – Respekt! Das stelle ich mir auch bei der nettesten Unterhaltung nicht einfach vor. Super gemacht!

    LG,
    Anne

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  4. Na,meine liebe WS, da haben wir gestern fast das gleiche Pensum hinter uns gebracht, bei mir waren es ein paar Kilometer mehr, aber darüber sprechen wir erst gar nicht. Deine Beobachtungen sind mitten aus dem Leben gegriffen, und wo du aber auch überall hinschaust !

    Pass auf dich auf – Signale gab es ja mal wieder –
    gut gemeinte, schwesterliche Grüße 8)

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  5. @Margitta: „Ein paar Kilometer mehr“ – das werden schon ein paar ganz schön viele gewesen sein **** garnichtneugierigbin ***! 😉

    Danke dir lieb für den schwesterlichen Hinweis! Ich passe ganz bestimmt auf mich auf! Lieber ein oder zwei Einheiten ausfallen lassen oder langsamer / kürzer machen als mir eine ernsthafte Verletzung einzuhandeln. 🙂

    LG,
    Anne

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  6. An eine Dehnpause mitten im Lauf habe ich überhaupt noch nicht gedacht. Aber genialer Einfall – vor allem, wenn es hilft. 🙂
    Knapp 20 km – super! Habe ich für den kommenden Sonntag geplant. Mich „dürstet“ mal wieder nach einem längeren Lauf. Schön gemütlich und mit allen Sinnen genießend.

    Lieben Gruß, Sabine

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  7. @Giegi: Ein wenig schwer sind die Beine noch (siehe „Dumbo“). Aber sonst alles prima! 😉

    @Sabine: Das mit dem Dehnen hab ich schon öfter mal gemacht. Wenn es nicht hilft, den Schritt zu wechseln, um wieder mehr Schwung zu kriegen, kann ich mit einer Dehnpause noch was „retten“. Und bei Wehwehchen ist sowieso Dehnen die beste Erste Hilfe! Wünsch dir viel Spaß bei deinem 20er – auf freien Wegen lässt sich das so richtig genießen!

    Liebe Grüße
    Anne

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  8. Du bist einfach gut unterwegs!

    In diesem einem Satz steckt soviel:
    – die Bewunderung für Deine Disziplin und Ausdauer,
    – das Staunen über die unglaubliche Beobachtungsgabe unterwegs,
    – die Freude über die passenden Kommentare an Deine „Fans“ an der Strecke,
    – das Vergnügen über den brillianten Bericht,
    – und nicht zuletzt das wohlwollende Kopfnicken Deines PTs über Deine Fortschritte.

    Tschakka! Gut gemacht! 🙂

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