(Fahrt-)Spielen

Die Amsel in dem kahlen Strauch müht sich mit verzweifelter Lautstärke ab, um den Frühling herbeizusingen. Keine Chance! Selbst wenn kaum noch ein Krümelchen Schnee herumliegt: Es hat sich im Vergleich zu gestern deutlich abgekühlt, ein eisiger Wind lässt die unbehandschuhten Finger frieren und rot anlaufen. Egal, die werden schon noch warm! Ich gehe – oder besser laufe – nämlich jetzt spielen! Eine Runde Fahrtspiel in einer ausgedehnten Spätnachmittagspause, das ist meine Belohnung für die mit dem heutigen Tage erfolgreich überstandene Vorlesungszeit.

Und was kann mehr Spaß machen als ein Fahrtspiel in abwechslungsreichem Gelände? Zwischen Uni und Stadt bieten die Weinberge und vor allem die Anlagen der ehemaligen Landesgartenschau alles, was Fahrtspieler zum glücklichen Leben brauchen: Sanftere und steilere Anstiege und Gefällstrecken. Treppen mit gleichmäßigen oder ungleichmäßigen, hohen oder flachen Stufen aus Zement, Holz oder rasenbewachsener Erde. Asphaltierte Wege, Feldwege, groben Schotter, Rindenmulch, Split. Baumstämme zum Balancieren. Kippelhölzer und –kreisel laden zu einem kurzen Zwischenstopp mit ein paar Gleichgewichtsübungen ein. Um die kahlen Pfeiler des „Weidendoms“ lässt sich prima ein Slalom mit schnellen Wendungen laufen, bei dem ich aufpassen muss, mir nicht die Beine zu verknoten – sehr zur Freude der ihre Kinderwagen schiebenden Passanten, die mich vermutlich in diesem Moment für völlig ballaballa erklären. Und wenn ich gerade eine Steigung hinuntergetrabt bin, kann ich sie auch flott wieder hinaufhecheln und die paar Treppenstufen am Ende auch noch schwungvoll „mitnehmen“.

Eine Abschiedsrunde um das alte Militärhospital, dann mit Riesenschritten den Feldweg Richtung Campus hinab. An dessen Einmündung auf die schmale Straße blockiert noch ein großes Eisfeld den Weg – fast das einzige Überbleibsel der schneereichen Zeit. Nur ein paar Meterchen aufwärts, den Pfad durch den Unipark, noch einmal 15, 20 Treppenstufen erklimmen, dann endet eine spielerische Runde nach 7.630 m in 53:29 Minuten.

Advertisements

10 Gedanken zu “(Fahrt-)Spielen

  1. Auf ein bisschen Spielen bekomme ich auch schon wieder Lust! Na warte, Schnee, wenn Du fort bist…

    Ein bisschen ballaballa… na und, steht Dir bestimmt gut!

    Weitermachen!

    Wünsche Dir ein schönes Wochenende und laufe nicht so viel, das hole ich nie im Leben im Kilometerspiel auf! 😉

    LG Moni

    Gefällt mir

  2. Deine Laufberichte sind wirklich klasse! So langsam bekomme ich fast das Gefühl, ich würde Trier wirklich kennen, zumindest auf den Laufstrecken. Dabei habe ich trotz mehrmaliger Besuche da wirklich nichts von der Stadt und der Umgebung gesehen. Aber es ist schön da, ich bin ganz sicher 🙂

    Klimatechnisch nehmen sich West und Ost gerade nichts, obwohl ich auf der Schneewetterkarte gerade gesehen habe, dass es nur ganz im Westen tatsächlich schneefrei ist. Und hier kommt heute Nacht angeblich Nachschub von dem weißen Zeug, dabei hatte ich mich so auf schneefreie Wege am Wochenende gefreut. Von Fahrtspielen wird da wohl kein blasser Dunst sein.. 😉

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende, liebe Grüße, Giegi

    Gefällt mir

  3. Schön gespielt 8) ! Muß ich doch mal auf dem Petrisberg laufen gehen? Klingt nach einem sehr abwechslungsreichen Gelände. Da machen Fahrtspielereien doppelt Spaß. Liest sich auch so in deinem Bericht. Was macht es da, daß es pünktlich zum Wochenende wieder kälter wird 😉 ?
    lG
    Ralph

    Gefällt mir

  4. @Moni: Bald ist der Schnee bei euch auch weg – dann darfst auch du spielen und holst alles wieder auf! Du meinst, ballabala steht mir gut? – Find ich auch, zumindest wenn es so viel Spaß macht, ballaballa zu sein! 😉

    @Giegi: Wie hast du es denn geschafft, nach Trier zu kommen und nichts davon zu sehen – Nachtreisende? 8) Ich freue mich auf jeden Fall, dass meine Berichte dir offenbar ein paar Bilder vermittelt haben. Schön ist es wirklich hier. – Und auch bei dir wird das weiße Zeugs bald wegtauen, ganz sicher! Auch dir ein schönes Wochenende.

    @Ralph: Wenn man den Lauf nicht auf das LGS-Gelände beschränkt, sondern die angrenzenden Weinberge „mitnimmt“, ist das eine wirklich schöne, abwechslungsreiche Geschichte. Wechselnde Untergründe, ein ständiges Auf- und Ab, zum Teil leider (am Rand) sehr viel Zivilisation, aber dennoch einsame Wege zwischen den Weinbergen. Und ein nettes Restaurant („Jahreszeiten“), von dessen Räumlichkeiten und Terrasse aus man einen tollen Blick über das Tal hat und in dem man übrigens auch recht lecker essen kann.

    lg,
    Anne

    Gefällt mir

  5. Hallo, FrauWeinbergschnecke, während des Lesens schloss ich in Gedanken meine Augen und sah dich – dank deiner guten Beschreibung – auf dem LGS-Gelände in abwechselndem Rhythmus eifrig dein Programm durchziehen.

    Wenn das keine Erfolge bringen wird, dann weiß ich auch nicht, und Spaß macht es auch noch, FrauWeinbergschnecke, ich sagte es schon:

    Zeit, über den Wechsel eines neuen Namens nachzudenken !

    Oder was ? 😉

    Gefällt mir

  6. Mit der „Nachtreisenden“ hast du den Nagel in jeder Hinsicht auf den Kopf getroffen… 😉 Nächstes Mal werde ich mich da aber mal genauer umsehen, jetzt wo ich weiß, was es da alles zu sehen gibt.

    Achja, und du hattest Recht: Schnee fiel aus heute Nacht, zumindest hier unten – an den bergen kann ich deutlich sehen, dass die Schneefallgrenze gerade ein paar Meter über meiner „Wohnhöhe“ liegt. Das hieß für den Morgenlauf: Endlich mal wieder leichte Schuhe und ein bisschen herumschweben 🙂 Aber heute Nachmittag geht es wieder in den Schnee, ein Stück hinauf zum Langlaufen. Ich habe mir gerade so gedacht, dass das fast die beste Jahreszeit ist, wenn das Wetter so ist: Man kann ALLES machen. Theoretisch sogar mountainbiken – aber das wird sich zeitlich nicht mehr ausgehen 😉

    Gefällt mir

  7. @Margitta: Ach ja, mal sehen, vielleicht werde ich auch in der Bloggosphere zur Koboldin, wenn der Trainingsfleiß durch größere Schnelligkeit belohnt wird und ich meine alten Laufzeiten unterbieten kann. Aber ich kenne da jemanden, der lieber die Schnecke behalten würde … darum sollte jede Namensänderung wohlüberlegt sein! 😉

    @Giegi: Na guck mal, alles nicht so schlimm wie befürchtet! Das klingt ja nach einem tollen Sportprogramm – ich wünsch dir ein schönes Wochenende, damit du das alles umsetzen kannst!

    Liebe Grüße
    Anne

    Gefällt mir

  8. Liebste Spielschnecke, bei so einem tollen Gelände und einem derart originell verpackten Einsatz KANNST Du gar nicht verlieren – vielmehr gilt ein satter Gewinn als ausgemacht! Nach dem recht anspruchsvollen Sonntagsprogramm war das gleich wieder eine intensive und – wie mir scheinen will – durchaus genussvolle Einheit, die sich ganz bestimmt auszahlen wird.
    Danke für den lebendigen Bericht, der zum Nachahmen bzw. Mitspielen nur so einlädt!

    Wegen des Namenswechsels müssen wir nochmal diskutieren. 😉 Ich favorisiere ja einen Doppelnamen, wie Du weißt: „Schneckobold“. Das hat doch was oder?

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s