Erst mal gucken, …

…dann mal sehen, in welchem Zustand die Wege an der Mosel sind! Dann entscheide ich, ob ich schön locker vor mich hin laufe oder ein wenig auf die Tube drücke. Mit diesem Gedanken mache ich mich auf in den Sonnenschein. Heute morgen noch bittere Kälte, jetzt wärmen kräftige Strahlen mein Gesicht und lassen mich schon nach einigen hundert Metern die Handschuhe in die Jackentaschen stopfen. Auf der Brücke verschwindet dann auch die Fleecemütze in der Tasche. Zu warm. Viel zu warm! Warum habe ich keine Hose angezogen, die meine Waden nackisch lässt?

Gut, ich will nicht übertreiben! Schnee gibt es immer noch. Als geschlossene, stumpfe Decke auf dem asphaltierten Untergrund. Als leicht zusammengesackte, aber noch lockere Schicht zwischen den Geh- und Fahrspuren. Als matschigen Brei, der in den kleinen Senken mehrere Zentimeter hoch steht und in die Schuhe einzieht, wenn man unvorsichtig genug ist hineinzutapsen. Als glitzernde, mit einem dünnen Wasserfilm überzogene Eisschicht. Und als heimtückische, kaum noch sichtbare kümmerliche Reste, auf denen die unaufmerksame Läuferin sich ohne Weiteres auf die Nase legen könnte.

So hat sich das Thema „Tempo“ erledigt; ich mag übervorsichtig scheinen, aber ich möchte einfach nichts riskieren, da es momentan so gut läuft mit dem Laufen. Und um aufrichtig zu sein: Es ist nun wirklich nicht so, dass meinen Beinen die 20 Kilometer vom Sonntag völlig egal gewesen wären!

So bleibt es bei einem lockeren Sonnenläufchen flussabwärts durch Matsch und Eisreste und auf dem anderen Ufer wieder zurück auf festgetretenem Schnee. Auf dem Hinweg beansprucht der wechselnde Untergrund meine Aufmerksamkeit und ich bekomme – leider – kaum etwas von der schmelzenden Schneezauberwelt um mich herum mit. Das ändert sich auf dem Rückweg: Die Sonne scheint mir direkt ins Gesicht, das Wasser der Mosel glitzert und das helle Licht und die Wärme lassen mich aufblühen. Frühling, ja du bist’s! Zumindest eine Ahnung davon. Und wenn ich einen Moment träume, bin ich sogar schon weiter im Wechsel der Jahreszeiten und summe vor mich hin Sunshine, Sunshine Reggae, don’t worry, don’t hurry, take it easy! …“ Welch ein Luxus, welch ein Geschenk, unter diesen Bedingungen laufen zu dürfen! Der Schreibtisch kommt heute Abend zu seinem Recht. Aber nun kann ich ganz einfach die Sonne genießen. Genießen für 11.050 m in 1:13:54 Stunden.

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13 Gedanken zu “Erst mal gucken, …

  1. Ich neige mein Haupt in Ehrfurcht (und sehe mich in Freiburg ganz still und heimlich abka***n 😉 )
    Du bist wirklich sehr gut in Form gekommen. So leichtfüssig mal eben 11 km abgespult, sehr schöne Leistung.
    Ich hatte heute fast ähnliche Musikkläng im Ohr, es läuft mir jetzt noch hinterher:
    „Ain’t nothin‘ gonna break my break my stride,
    nobody’s gonna slow me down, oh no,
    I’ve got to keep on movin‘.
    Ain’t nothin‘ gonna break my stride,
    I’m never gonna walk such ground, oh no,
    I’ve got to keep on movin‘.“
    Sommerlaune mitten im Winter. Schööööön! 🙂

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  2. Wie schön, solch einen sonnigen Bericht zu lesen 8) . Ja, beim Blick aus dem Bürofenster spüre auch ich etwas vom Frühling. Nachher wird die Sonne leider untergegangen sein, aber ich will nicht meckern. Ja – der Frühling klopft laut an die Tür. Und bis er dann endgültig da ist passen wir gut auf, so wie du heute´.
    lG
    Ralph

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  3. @Marianne: Ach ja, auch so ein schöner Sommerhit … lalalalalaaala! 😉 Im Moment läuft’s wirklich gut bei mir. Allerdings wird mein Training höchstens reichen, um euch im Ziel den Teller mit den letzten Kuchenkrümeln vom Mund wegzureißen. Die Zeiten, die ich mir richtig hart erarbeiten muss, lauft ihr anderen mit viel weniger Vorbereitungsaufwand. Aber ehrlich – ich gönne es euch von Herzen! Und wir rocken Freiburg zusammen – egal, wer in welchem Tempo ins Ziel kommt! 8)

    @Ralph: Schön, dass du wenigstens beim Blick aus dem Fenster einen Frühlingshauch erhaschen konntest. Es wird die Zeit kommen, in der wir nicht mehr bei jedem Schritt acht geben müssen, um uns nicht auf den Hosenboden zu setzen (oder Schlimmeres zu erleben)!

    LG,
    Anne

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  4. VORSICHT ist ja bekanntlich die Mutter der…………….. , aber das wissen wir ja, von wegen nackische Waden und so, ich erinnere mich, dass FrauW gerade noch von Hustenanfällen geplagt wurde, und da ist Leichtsinn wirklich nicht angesagt. Sehr vernünftig, hätte ich auch nicht anders erwartet.

    Sehr vernünftig ebenso, sich der Umwelt anzupassen, könnte fast ich sein, reich mir die Hände, liebe Schwester !

    Gegen Sonnenblenden empfehle ich eine Sonnen-Sportbrille, ich laufe nur noch mit, ja, ich weiß, die bist Brillenträgerin, aber kann man da nicht auch……. oder ist das zu teuer ?

    Wie auch immer, wir haben die Sonne, den Hauch von Frühling genossen, leider ist davon – zumindest bei uns – heute nix mehr zu sehen.

    Was macht uns das ?
    Genau !
    Singen wir weiter: „Sunshine, Sunshine Reggae………………….. 8)

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  5. Hallo Anne, ich hatte gestern auch einen Sonnenlauf, allerdings auf einer festgetrampelten Schneedecke. Das war richtig schön, die Sonne wärmt und den Frühling kann man schon fast riechen.

    Vorgestern ist mir eingefallen beim Bestellen von Saatgut, das ich meine Dahlien im Garten zwar ausgebuddelt habe und die aber fein säuberlich im Gewächshaus vergessen habe. Die sind wohl erfroren. Es geht also bald wieder los mit dem gärtnern.

    LG Bärbel (die die Gartensaison herbeisehnt)

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  6. Sonne, das war auch bei mir gestern das Highlite. Auch ich hatte mich zu dick angezogen, man ist es ja wirklich nicht mehr gewohnt. Nur gibt es bei mir nur lang – oder kurz. Dazwischen nix. Und für kurz war es mir dann doch zu frisch.
    Aber sollte der Schnee nicht nächste Woche weg sein, bist eindeutig du dran schuld- du woltest ja Schnee :-).
    Aber ich fürchte das Tauwetter mehr, dann wird´s schlammig. Dazu noch Regen-näh, ich will gleich Sonne und 15° !

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  7. Genau so war mein Laufweg gestern auch: teils frei, teils schneeig, teils heimtückisch vereist. Aber mit genug Vorsicht lief es sich gut. Am schönsten war die Blaue Stunde gestern und die Luft war so klar…!

    Das sind solche Momente, die nur WIR LÄUFER(INNEN) verstehen, gelle?

    Take it weiterhin easy, liebe Anne!

    LG Sabine

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  8. So, musste erstmal die ganzen Wetter- und Hustenentwicklungen nachlesen! Aber wie es scheint, hat sich ja alles zum Guten entwickelt und du beschleunigst hier mächtig! Jetzt warte ich mal, ob das Tauwetter sich mal nach Osten bewegt und v.a. die Wärme – ich hab allmählich die Nase voll vom Dauerfrost! Ich pfeif dein Liedchen jedenfalls mal mit, vielleicht hilft das 🙂
    Liebe Grüße, Giegi

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  9. @Margitta: Doch, Schwester, Frau W. ist vorsichtig! Und darum läuft sie z.B. heute nicht, weil der Regen gerade alle Wege in Eispisten verwandelt! Kein Sonnenbrillenbedarf also. So eine Sportsonnenbrille wär natürlich schick. Aber meine Gläser sind Spezialanfertigungen und sehr teuer … da muss ich noch kräftig sparen. 😦

    @Bärbel: Auf festgetrampeltem Schnee in der Sonne, ja, das war bestimmt toll!
    Ich freue mich auch schon sehr auf die Gartensaison. Meine Dahlien haben vermutlich auch nicht überlebt; ich habe zwar ein gemauertes Gartenhaus, aber ich fürchte, das ist auch nicht frostsicher. Also wird neu ausgesät. Ich muss nur noch die Tüte mit dem Saatgut für die Vorkulturen (Tomate, Paprika, Peperoni, Aubergine …) wiederfinden, die ich beim Umzug verlegt habe – bald kann es losgehen!

    @Martin: Tja, leider, der Regen ist angekommen und es ist richtig pfuibähfies hier! Kein Gedanke an Laufen, die Wege sind zu Eisbahnen mutiert. Aber ich hoffe, dass dann bis zum Wochenende alles weg ist. Im Regen laufen ist ja ok, wenn der Untergrund stimmt.

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  10. @Sabine: Genau – wir verstehen uns! Gestern begegneten mir auch ganz viele Läuferinnen, die mich ebenso glücklich anstrahlten wie ich sie! Wir nehmen es wie es kommt, liebe Sabine, und wir freuen uns besonders, wenn es so schön ist wie gestern!

    @Giegi: Doch, es wird. Der Husten legt sich, läuferisch geht es aufwärts. Und die Temperaturen steigen, im Regen verschwindet das weiße Zeug recht flott!

    Immer schön weiterpfeifen: Sunshine, Sunshine Reggae … 😉

    LG,
    Anne

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  11. Hach, herrlich zu lesen, dass da jemand die Hoffnung auf den Frühling (noch) nicht aufgegeben hat! Ich werde dagegeb jetzt gleich bei – 5 Grad heimwärts schliddern und sogfältig darauf achten müssen, dass mir das tückische Neu-Eis nicht zu einer bösen Falle gerät. Aber es soll sich ja bald ändern … auch Schnee und Eis sind nicht von Dauer. Danke für die fröhliche Erinnerung – und natürlich einen Riesenglückwunsch zu Deinem lockeren Läufchen!

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  12. @Giegi: 🙂 Ich wünsch dir baldiges Tauwetter!

    @Foxi: Das ändert sich bald, ganz bestimmt …. Sunshine, Sunshine Reggae … dankeschön für die Glückwünsche, lieber Peter (und einen sicheren Heimweg gehabt zu haben)

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