Ich will Schnee!

Die Schuhwahl fällt schwer an diesem Sonntagnachmittag. Rings um das Haus herum finden sich Wege mit einer geschlossenen Schneedecke. Aber die Straßen und Gehwege sind bei Temperaturen um 0 Grad frei von Eis und Schnee. Wie mag es an der Mosel aussehen? Auch überall das weiße Zeug? Oder alles wieder schwarz?

Ich nehme doch die Spikes, aus Sicherheitsgründen. Nach ein paar 100 Metern überlege ich noch, ob ich umdrehen und die Schuhe wechseln soll. Ich entscheide mich dagegen. Leider! Denn Spikes sind, wie sich zeigen wird, für weite Teile der Strecke die falsche Wahl. Innerorts sowieso, das war klar! Aber selbst der Moselradweg ist in weiten Teilen allenfalls noch von Matschresten bedeckt. Nur unter Bäumen findet sich noch eine feste weiße Schicht, ansonsten haben die milder werdenden Temperaturen ihr Werk getan. Auch die kontinuierlich von oben fallenden Flocken bleiben nicht mehr liegen, sondern verwandeln sich bei der Berührung mit dem Boden in Wasser.

So knirschen die Schuhe unangenehm auf dem Asphalt. Nicht schlimm, aber lästig! Und der Haltbarkeit der Spikes auch nicht gerade zuträglich. Ganz abgesehen davon, dass es meinen Beinen womöglich nicht gut tun wird, denn der Schuh fühlt sich auf hartem Untergrund wenig flexibel an und der Fuß rollt nach meinem Eindruck nicht besonders gut ab. Darum – auch wenn es für die leidgeprüften Nordlichter zynisch klingt: Ich will Schnee! Nicht gerade so viel wie an der Ostsee bei Margitta. Aber ich will wenigstens so viel Schnee, dass ich auf ihm laufen kann!

Ansonsten geht es mir blendend. Sehr ausgeruht und locker bin ich, der letzte Lauf vom Freitag liegt ungefähr 55 Stunden zurück und war nicht sonderlich anstrengend. So darf es heute gern ein wenig länger werden! Also die „Konzer Moselrunde“ + x! Ob „x“ an der Mosel liegt oder anderswo, entscheide ich spontan.

Bis zur Konzer Eisenbahnbrücke trotte ich frohgemut und einsam dahin, nur das gelegentliche Knirschen der Schuhe stört. Aus dem Ort dringt laute Musik herüber – ein Karnevalszug? Mir bleibt die Begegnung zum Glück erspart! Nein, als eingefleischter Fastnachtsmuffel muss ich mir derlei Gräuel nicht antun!

Von der Brücke aus erkenne ich, dass der Radweg auf dem anderen Ufer komplett schneefrei ist. Und nun? Mit einem Schlenker durch den Wald und die Zewener Streuobstwiesen vermeide ich wenigstens ein Stückchen Asphalt. An der Kirche muss ich allerdings zurück auf den Radweg. Und vorbei an den Kampfgänsen, die allerdings heute gans (!) müde und friedlich am Wegesrand herumlümmeln.

Etwa bei Kilometer 16 kreuze ich die Brücke. Zurück ans Ufer für eine Extra-Runde oder lieber Richtung Gärten? In den Gärten ist die Chance auf Schnee größer. Und tatsächlich, die letzten Kilometer kann ich noch auf einer geschlossenen festgetretenen Schneedecke zurücklegen. Kilometer 19 ist am Ortseingang von Olewig erreicht. Jetzt kann ich auch noch mit einem Zusatz-Schnee-Schlenkerchen die „20“ vollmachen. Gedacht, getan: 20.020 m in 2:22:51 Stunden!

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11 Gedanken zu “Ich will Schnee!

  1. Du willst Schnee, wenn ich es denn könnte dann würde ich gerne den ganzen Schnee der hier liegt zu Dir schicken. Dann wären hier die Wege endlich frei. Ich wäre froh wenn der Schnee hier endlich weg ist.
    Auch wenn der gewünschte Schnee diesmal nicht richtig da war, trotzdem hast Du wieder einen schönen Lauf geschafft. 🙂

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  2. Sehr gerne , du kannst sehr gerne Schnee haben, so viel du möchtest, weißt ja, wo !

    Claro, mit Spikes auf normalem Untergrund ist ätzend, und die Beine sind elend schwer, ich wünsche mir, im Gegensatz zu dir, einmal wieder, nur ein einziges Mal einen schnee-, matsch- und/oder eisfreien Untergrund – ist das wirklich zu viel verlangt , sag‘ Anne, was meinst du dazu ?

    20 Kilometer – super – und die letzten Kilometer sogar auf einer geschlossenen Schneedecke,du hast vielleicht ein Glück !

    Aber – ich gönne es dir von Herzen – ehrlich ! 😉

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  3. Schnee kannst du von mir auch gerne haben. Bei uns liegt noch genug rum, und ich habe keine Spikes…..
    Super! Wie lange und wie gut es heute bei dir lief.
    Freiburg kann getrost kommen!!
    Ich freu mich für dich und mit Dir!
    Liebe Grüße
    Marga

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  4. Und ich sach noch: „Nimm lieber die Trailschuhe…“ 😉

    Aber selbst mit suboptimaler Schuhwahl hast Du da einen exzellenten LaLaLa in die Landschaft rund um die Mosel gelegt. Einfach nur gut gemacht! Für eine Husteschnecke, die eine ziemlich anstrengende Woche hinter sich und einen Neuschneelauf in den Beinen hat, warst Du wirklich prima unterwegs. Ein glatter Zwanziger – Gratulation!

    Als erste Zwischenbilanz auf dem Weg nach Freiburg kannst Du getrost sagen: Dein kontinuierliches Training zahlt sich aus! Mach nur weiter so! Tschakka – givemefive!

    Und dass mein heiseres Bellen sowie die Drohung, mir vor Ort einen Braten auszusuchen, Deine Kampfgänse friedlich gestimmt hat, freut mich natürlich auch… 😉

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  5. Liebe Anne,

    den Schnee kann ich Dir nicht schicken, denn dann sehe ich bei uns im Garten wieder die Wühlmaushaufen einer ganzen Wühlmauskohorte, die sich den halben Garten zu eigen gemacht hat. 😉
    Ich hätte hier nur gerne eine Schneeraupe, die das ganze weiße Zeugs ein bisschen begradigt, damit frau vernünftig darauf laufen kann. So sind die Strecken sehr rar, die noch laufbar sind. Verwehtes und Vereistes abwechselnd kann ich nur bieten, das möchtest Du gar nicht wirklich.
    Ich wünsche Dir lieber eine angenehme Woche! Ohne Husten!!! (Du musstest den mir wirklich nicht schicken, das war nicht nötig!)

    LG Moni

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  6. @Bernd: Das glaub ich dir gern, dass es dir langsam reicht … ich würde gern einen Teil davon nehmen, so nach dem Prinzip „ausgleichende Gerechtigkeit“, aber ich weiß nicht, wie ich das Zeug hier her kriegen soll. 😦 Gib die Hoffnung nicht auf – der Frühling kommt bestimmt!

    @Margitta: Auch dir würde ich natürlich gern so 10-15 cm von der weißen Masse abnehmen, das wäre bestimmt eine Erleichterung, oder? Meine schweren, knirschenden Spikes sind ja ein reines Luxusproblem gegen dein Schneechaos! Ach, ich wünsch dir so sehr, dass du endlich mal wieder eine wenigstens halbwegs belaufbare Strecke findest! Das ist ganz bestimmt kein unbescheidener Wunsch von dir, liebe Margitta, sondern nur allzu verständlich! Dankeschön! 8)

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  7. @Marga: Ich würd‘ ja gern auch dir noch was abnehmen, aber langsam wird mir das doch unheimlich! 😉 Dankeschön für’s Mitfreuen! Ich werde auch immer zuversichtlicher, was Freiburg angeht. 8)

    @Foxi: Man sollte eben doch auf seinen Personal Trainer hören … jetzt habe ich eben die Quittung bekommen! 😉 Dankeschön für die Glückwünsche und die Anerkennung – ja, es wird, es wird … ich hoffe nur, dass mein Fahrgestell hält! Und ich gestehe, ich war doch ein wenig in Versuchung, dir einen leckeren Gänsebraten mitzubringen. Aber dann taten die Tiere mir doch leid! 8)

    @Moni: Nein, Vereistes, das mag ich nicht, da hab ich zu viel Schiss umzuknicken. Aber ich wünsch auch dir, dass das weiße Elend bald ein Ende nimmt. Vielleicht könnte nur in deinem Garten etwas Schnee liegen bleiben und die Zerstörungen gnädig überdecken … daheim hatten wir Maulwürfe, sehr „apart“, was die mit einem Rasen anstellen können! 😦
    Tut mir leid wegen des Hustens! Ich glaube, meiner ist es nicht, der ist nämlich noch da, wenn auch längst nicht so intensiv wie vorher. Ich rate dir eines – um Marga zu zitieren: SCHNECKENSIRUP! 😉

    Liebe Grüße
    Anne

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  8. Du warst aslo heute wieder mit Spikes unterwegs – und hast den Schnee vermißt. Den hatte ich, und vermißte zweischendrin spikes – die ich nicht habe 😉 . So unterschiedlich sind die Probleme, nur wenige Kilometer entfernt.
    Zu deiner wirklich großen Runde kann ich dir nur von Herzen gratulieren. klingt wirklich gut. Da sage auch ich: Freiburg kann kommen!
    lG
    Ralph

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  9. @Ralph: Bei diesem Lauf wäre wohl jeder Schuh falsch gewesen! Es gab auch Passagen, auf denen ich mit den Spikes zufrieden war. Dankeschön für die Glückwünsche – ja, solche Läufe stimmen auch mich wirklich optimistisch!

    LG,
    Anne

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  10. Ich finde es ja schon fast witzig, dass du genau die noch schneebedeckten Wege herausgesucht hast anstatt umgekehrt. Aber aufgrund der unglücklich gewählten Schuhe ist das natürlich verständlich.
    20 km – und das recht locker (so liest es sich für mich jedenfalls) – also, da ist Freiburg ja absolut kein Problem für dich!

    Schönen Tag noch, liebe Anne.

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  11. Die schneebedeckten Wege waren sogar die schönsten – den einen Schlenker werde ich sicher öfter mal machen, denn nur am Uferpfad zu laufen, das wird manchmal öde! Die 20 km waren gestern wirklich locker. Das wird sicher nicht bei jedem „Langen“ so sein, aber ich habe jetzt die Bestätigung, dass ich in ausgeruhtem Zustand diese Entfernung problemlos „drin“ habe. Das Ausdauertraining hat also schon recht gut angeschlagen. Und jetzt arbeiten wir weiter daran, optimieren aber auch das Tempo! 😉

    Auch dir einen schönen Tag, Helau und eine tolle Woche, liebe Sabine
    Anne

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