Unter der Schneefallgrenze

Im Büro überlege ich: Nehme ich den Bus bergauf oder bergab? Auf dem Petrisberg zu bleiben würde bedeuten, sich nasse Füße zu holen. Denn der liegt etwa auf einer Höhe zwischen 250 und 280 Metern – exakt auf der Schneefallgrenze. Vor dem Bürofenster flöckelt es kräftig. Die Landschaft ist mit einer dicken weißen Schicht überzogen, aber auf Straßen und Wegen erzeugt der wässerige Schnee nur eine schmuddelige Pampe, die langsam, aber gründlich in die Schuhe einziehen würde. Die rettenden GoreTex-Klötze stehen leider daheim im Schrank.

Also mit dem Bus ein paar Dörfer bergauf fahren und eine Tour durch ein Winterparadies unternehmen? Verlockend! Aber wie mögen dort die Straßenverhältnisse sein? Und komme ich danach heil nach Hause? Die Antwort kennt der Busfahrer, den ich vor dem Einsteigen befrage: Auf den Höhen schneit es heftig! Noch fließt der Verkehr, aber das kann sich schnell ändern, wenn es so weiter geht. Die Aussicht, womöglich irgendwo in einem Hunsrückdorf zu stranden und vergebens auf eine Möglichkeit zur Heimfahrt warten, erscheint mir nicht besonders attraktiv. Also doch bergab in die Stadt!

Die Stadt liegt auf etwa 150 Metern über dem Meeresspiegel. Statt Flockengestöbers gibt es dichten Nieselregen. Er spült die Reste des Schnees weg, der über Nacht gefallen ist. Wieder einmal beglückwünsche ich mich zum Kauf von Regenhose und –jacke. Eingemummelt, die Kapuze über den Kopf gezogen, ist es in dieser Kluft eigentlich sehr gemütlich. Der Schirm der Baseballkappe hält den Regen von meinen Brillengläsern fern. Die Wege sind bis auf sehr wenige Passagen frei von Eis und Schnee.

Und frei von anderen Menschen – bei dem Wetter jagt man offenbar keinen Hund vor die Tür. Doch, einen sehr wohl! Einen freundlichen Golden Retriever, der mit ergebener Leidensmiene in Begleitung zweier dunkelblau gekleideter Wichtelmännchen oder –weibchen (wegen der Vermummung lässt sich ihr Geschlecht nicht bestimmen) an der Bahnlinie entlang trottet.

Nein, ich jammere nicht. Bloß … ähh … ein wenig fies ist es schon. Vielleicht wäre ich doch besser vom Büro aus meine Runde gelaufen, durch den Schnee und Schneematsch getappt statt durch Pfützen?

STOPP!!!

Nein, ich jammere nicht! Kein bisschen! Schluss, aus, Klappe halten, du innerer Schweineelch, du elender! Ich jammere nicht! Der Lauf tut mir einfach gut. Wirklich! Ich jammere nicht! Ich freue mich stattdessen darüber, dass ich laufen kann und darf! Und dass ich trotz wieder aufflackernder Erkältung ein paar Kilometerchen auf der Haben-Seite verbuchen kann: 7.060 m in 45:34 Minuten.

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8 Gedanken zu “Unter der Schneefallgrenze

  1. Und du hast den Morgenlauf nachgeholt 🙂 ! Es war die sicherere Variante. Mit dem Bus bergauf zu fahren hätte vielleicht bedeutet, viele Kilometer zurück zu laufen. Im Bitburger Raum ist der Busverkehr schon eingestellt worden. Dann doch lieber in der Stadt fröhlich bei Regen durch die Pfützen hüfen. Wer kann das schon von sich behaupten . Und flott warst du noch dazu 8)
    lG
    Ralph

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  2. Ach ja…so ist brav. Hier wird nicht mehr gejammert.
    Hoffentlich friert der Niesel nicht an…das wäre echt fies.
    Falls deine Erkältung wieder mit Husten einhergeht…du weißt ja….Sch………
    Ansonsten gleich rein in die heiße Wanne, 1-2 Gläser Roten und ab ins Bett!!!
    Liebe Grüße
    Marga
    P.S. Du wirst immer schneller!!!Ich registriere das!

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  3. @Ralph: Die Bustour bergauf Richtung Pluwig hätte vermutlich einen gepflegten 15er bei Schneesturm und Glätte bedeutet. Mindestens. Nein, da war die Entscheidung für das flotte Pfützenhüpfen genau richtig! 8) Inzwischen schneit es übrigens auch in der Stadt. Morgen ist Ruhetag bei mir, aber ich bin auf den Sonntag SEHR gespannt.

    @Marga: Im Moment rieselt eine feine Schneedecke auf den nassen Boden. Daher bin ich ganz optimistisch, dass es nicht so sehr glatt werden wird. Nach Badewanne ist mir gerade nicht, ich glaube, so schlimm wird es nicht. Aber der Sch***up steht schon parat und die Wärmflasche heizt das Bett vor! 😉
    Naja, schneller, geht so … ich geb mir wenigstens Mühe! 8)

    Liebe Grüße
    Anne

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  4. Eine sehr, sehr gute Idee, nicht zu jammern bei ein paar Tropfen Regens, auch noch gechützt von gutem Material und Bascap, die Brillengläser schützend, kein Grund, also zu jammern, gell ?

    Bei uns hätte man eher jammern können, aber das berichte ich später !

    Gutes Mädchen, braves Kind !

    Und schon wieder eine Erkältung, irgendwas geht da b ei dir nicht mit rechten Dingen zu, gell ?

    Pack dich unter die warme Decke, heißen Tee trinken, schwitzen, was das Zeug hält, und dann…………………………………..

    gute Besserung ! 8)

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  5. Ja, liebe Margitta, dankeschön für die Besserungswünsche! Langsam bin ich genervt, weil ich immer wieder rumkränkele, obwohl ich mich wirklich gesund ernähre und gesund lebe. Aber hier in der Gegend haben viele Menschen ein so hartnäckiges Virus wie ich, das uns über Wochen begleitet, mal zu stärkeren, mal zu schwächeren Symptomen führt, aber nie ganz verschwindet. Heute ist es wieder besser, Wärme, Tee und Schneckensirup haben mir gute Dienste erwiesen.

    Nein, über das bisschen Regen wird nicht gejammert. Erst recht nicht, wenn man deine Bilder gesehen und die Texte dazu gelesen hat. 😉

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  6. Laufen im Regen ist einfach herrlich, es wäre schade wenn darüber gejammert werden würde. Ich kann hier allerdings nur davon träumen und daher habe ich mich riesig gefreut als ich von Deinem Lauf im Regen lesen durfte, denn beim Lesen konnte ich wenigstens davon träumen das Schnee und Eis verschwunden sind und ich richtig schön im Dauerregen laufe.

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  7. Fleißig und schnell und das unter den Bedingungen – Respekt!
    Und dann noch ganz ohne Jammern… 😉

    Ich habe den Winter heute vormittag noch gut erwischt (ehe es mittags auch warm wurde), es hatte ordentlich geschneit und war aber so kalt, dass es NICHT getaut hat – ein Riesenvorteil! Macht allerdings schwere Haxn, das Füße-Hochheben. Mal sehen, was morgen noch geht…

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenend! Liebe Grüße, Giegi

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  8. @Bernd: Schön, dass ich dir wenigstens ein paar Träume von eisfreiem Laufen bescheren konnte. Richtig gekleidet machen Regenläufe tatsächlich Spaß!

    @Giegi: Das gilt natürlich auch für Läufe auf frischem, nicht angetautem, vereistem oder verharschtem Schnee. Ist zwar anstrengend, aber gibt viel Kraft für die Beine!

    Dir auch ein schönes Wochenende!

    Liebe Grüße
    Anne

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