Distanz geht vor Tempo

Sie hat schon etwas Ödes und Monotones, die Geschwindigkeit, auf die ich meinen Tempomat heute eingestellt habe. Aber ich kann es nicht ändern. Wenn ich Ausdauer aufbauen will, gilt: Distanz geht vor Tempo. Und wenn ich längere Distanzen laufen und dabei meinen Puls deutlich unter 75 Prozent halten will, muss ich sehr langsam machen. Heute Vormittag möchte ich – für meine Verhältnisse – wieder etwas länger laufen, weil ich am Wochenende voraussichtlich keine Gelegenheit zu einem LaLaLa haben werde.

Aber erst einmal kreisele ich noch unschlüssig um den kleineren der beiden Mattheiser Weiher. Einmal, zweimal, dreimal. Denn kaum habe ich mich von daheim aufgemacht, nach einem Kilometer etwa, hat es zu regnen begonnen. Eisregen. Einige verirrte Schneeflocken sind auch dazwischen. Und ich habe weder Regenzeug an noch ein Basecap auf, dessen Schirm die Nässe von den Brillengläsern fernhalten könnte. Also im Kreis laufen und abwarten, wie das Wetter sich entwickelt. Schlimmstenfalls noch einmal kurz heim und die Jacke wechseln.

Nach der dritten Runde hat der Himmel ein Einsehen und beendet das nasskalte Getröpfel. Also doch Mosel: Entlang der Bahn zur Staustufe, flussabwärts bis zum ersten alten Kran hinter die Römerbrücke, die Rampe hinauf zur Straße und zurück über die Brücke. Am anderen Ufer wieder runter an den Fluss, wo die Enten und Gänse in Scharen auf Brot lauern, das ihnen Anwohner und Passanten hinwerfen.

Einer gewissen Überredungskunst bedarf es schon, mich heute am Laufen zu halten. Irgendwie mag ich nicht, bin unlustig, die Stimmung insgesamt passt zum Wetter. Trotzdem: Jetzt bin ich extra so langsam losgelaufen, um einen langen Lauf zu machen, jetzt wird das gefälligst auch ein „Langer“. Jawohl! Und insgesamt fühlt er sich besser an als der vom Sonntag. Langsamer ist er natürlich, aber die Beine sind viel lockerer. Und der Puls bleibt, wo er soll: Unten.

Erst auf dem Weg über die Adenauerbrücke wird es etwas anstrengender, km 11 ist rum. Direkt bergauf und heim? Nö! Es soll sich schließlich gelohnt haben, das Rumgeschnecke, das elende. Dann kann ich auch noch das Schlenkerchen bis zur Staustufe laufen, über die Bahnlinie, den leicht welligen Weg an der Bahn entlang (hier verabschiedet sich mein Puls dann doch aus dem 70 -75 %-Bereich) und durch den winzigen Schönstattpark. Noch den unangenehmen Anstieg die Heiligkreuzer Straße hinauf, danach ist es wieder angenehm flach und lädt zum Austrudeln ein. Alles in allem: 15.660 m in 1:53:48 Stunden.

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7 Gedanken zu “Distanz geht vor Tempo

  1. SUPER!!!!
    Das ruf ich aber ganz laut, ich freu mich für dich! So ein niedriger Puls auf dieser Streckelänge! Bedarf einer großen Willensanstrengung ist aber auch ein Zeichen, dass deine Ausdauer schon sehr gut ist. Das hast du prima gemacht….Spätestens nach 5 Minuten im Nieselregen, wär ich ja nach Hause und hätte eine Cap geholt. Nasse Brille—->schlechte Sicht—->noch schlechtere Laune!!
    Der Husten hat sich wohl auch verabschiedet?? Aber beim nächsten Mal! Schneckensirup!!
    Liebe Grüße
    Marga

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  2. Respekt, daß du dich bei dem Wetter überhaupt zu einem LaLaLa aufgerafft hast! Und auch noch einen Schlenker angehängt!
    Wenn ich hier aus dem Fenster schaue sehe ich nur eins: dunklen Nebel *schüttel*. Andererseits: was kann man bei so einem Wetter außer laufen überhaupt machen 😉 ?
    Hast du schon mal an Kontaktlinsen für lange Läufe bei Regenwetter gedacht? Ich bin dann immer froh, daß ich die habe.
    lG
    Ralph

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  3. @Marga: 8) – der Lauf stimmt auch mich sehr zuversichtlich. Der Regen war zum Glück nicht so sehr intensiv und ich hatte eine dünne Fleecemütze dabei. Ohne Kopfbedeckung wäre ich auch schnurstracks heim! 😉 Husten habe ich nach wie vor – aber während des Laufens hat er nicht gestört! Vielleicht muss ich doch noch Schneckensirup …

    @Ralph: Der Nebel hielt sich glücklicherweise in Grenzen. Trotzdem: „Gemütlich“ ist anders. Linsen vertrage ich leider nicht gut. Für einen „Blindfisch“ wie mich gibt es außerdem noch nicht einmal Einweglinsen, weil Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmung zu stark sind. Aber eigentlich komme ich mit Brille ganz gut zurecht.

    lg,
    Anne

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  4. Ach, liebe FrauWeinbergschnecke, ich kann es immer nur wieder betonen, wir Frauen sind doch das starke Geschlecht, welcher Mann hätte hier so eisern durchgehalten wie wir ?

    Klopfe dir liebevoll auf deine (hoffentlich !) jetzt trainierten Schultern, hast du gut gemacht, Ausdauer muss sein, aber wenn es gar keinen Spaß macht, dann…….

    “ das Rumgeschnecke, das elende…“ Tz, tz, das kann ich gar nicht verstehen, vielleicht solltest du dich doch auf die Kurzen spezialisieren und eifrig Tempo-Training üben, wenn dir das mehr Freude bereitet ! ???????????

    Oder was ? 😉

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  5. @Margitta: Eifrig Tempo-Training – och nöööö, im Moment nicht so gern! „Elend“ war’s nur deshalb, weil es einfach so grau und fies draußen war und weil ich gefühltes Spaziergehtempo geschneckt bin und mich bremsen musste. Ich bin zuversichtlich, dass diese langen Läufe mir um so mehr Spaß machen, je fitter ich werde. 😉

    Dankeschön für’s Klopfen auf die Schultern (an deren Trainingszustand wird auch fleißig gearbeitet! 8) )

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  6. Also liebe Margitta hau doch nicht immer so auf uns Männer rum…wir sind doch auch sensibel. Pfft !
    Aber jetzt zu dir Anne : Das hast du toll gemacht, erstens die Distanz und zweitens so ruhig zu laufen. Ich schaff das nur wenn Hans oder Pia dabei ist, da sie beide ein bisschen langsamer sind. Sobald ich wieder alleine laufe werde ich wieder schneller. Aber beim Marathon im Hunsrück bin ich genau nach Puls gelaufen und das war klasse !

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  7. Dankeschön, lieber Martin! Ja, meist werde ich auch schneller beim „Langen“ , es kostet enorme Selbstbeherrschung, sich immer wieder zu bremsen. Gleichzeitig will man ja auch noch halbwegs sauber laufen und nicht ins Schlurfen geraten. Kommt mir zeitweise anstrengender vor (wenigstens für den Kopf!) als das übliche Wohlfühltempo.

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