Umbra

Wohin des Wegs? Durch die Stadt runter ans Moselufer? Unentschlossen trotte ich erst einmal bergab. Schon bin ich im Begriff, die Hauptstraße zu kreuzen, als ich einer Eingebung folgend doch nach rechts in die Gartenanlage abbiege. Auch wenn die Strecke durch die Stadt flacher wäre: Keine Lust auf Verkehrslärm und Ampelpausen!

Gute Entscheidung! Das merke ich schon auf den ersten Metern durch die Gärten. Die Ruhe entspannt, der Anblick des Grüns und der braunen Scholle links und rechts des Weges weckt die Vorfreude auf die kommende Gartensaison.

Vom Winter ist hier nichts mehr zu sehen. Fast nichts. Ein wenig Eis auf dem Fischteich an der Gärtnerei und auf den Wiesen, wo der Bach über die Ufer getreten war. Außerdem noch Frost im Boden, den die Sonne in dem engen Tal nicht erreichen konnte. Aber keine Rutschgefahr mehr. Nur Schlamm eben. Viel Schlamm. Die ehemals silber-türkis-weißen Asics haben nach wenigen hundert Metern eine unaufdringliche Schlammfarbe angenommen. Und wie Modedesigner sagen würden: Die schwarze Lauftight imponiert durch einen aparten Moddertüpfel-Look im Wadenbereich. Im Tuschkasten hieß die Farbe „Umbra“. Ich nenne sie Schlammbraun und freue mich, dass es Waschmaschinen gibt. Auch für die Socken, denn die schmuddelige Brühe zieht gemächlich durch das Mesh-Gewebe in die Schlappen.

Die klare, milde Luft tut meinen Bronchien gut. Draußen fühle ich mich viel besser als drinnen. Fast die halbe Nacht hat mich ein trockener Reizhusten vom Schlafen abgehalten. Auch heute früh habe ich gehustet wie ein Pferd, obwohl die Lunge sich frei anfühlte. Und jetzt? Gelegentlich ein leises Hüsterchen, sonst nichts. Alles prima. Die Beine wollen darum auch gern schneller als der Kopf es ihnen erlaubt. Aber vorsichtig will ich schon noch sein, wenn ich mich auch nicht mehr so sehr bremse wie Ende vergangener Woche. Langsam bis locker absolviere ich die Runde durch den Wald, zurück durch die Gärten, gönne mir noch das Schlenkerchen durch die zweite Gartenanlage und den Schönstattpark.

Zum Schluss der Kiewelsberg – gehen oder laufen? Ein Radfahrer schiebt seinen Drahtesel in eiligen Schritten hinauf. Schneller als der will ich schon sein! Also muss ich wohl laufen. Zügig laufen. Überraschend flott und ohne Luftnot bringe ich die Steigung hinter mich. Nur noch über den Kirchplatz, kleiner Zwischenstopp an der Apotheke, wo man mir nach sehr netter Beratung ein paar pflanzliche Hustentropfen empfiehlt. So bin ich guter Dinge, dass ich heute mal wieder eine Nacht durchschlafen werde. Mit diesem tröstlichen Gedanken jogge ich weiter zum Einkaufen – Schluss für heute nach 9.430 m in 1:04:41.

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8 Gedanken zu “Umbra

  1. Moddertüpfel-Look im Wadenbereich hört sich nach guter Beinarbeit an.
    Das Tempo ist für hügeliges Gelände auch ok. Also gehts bergauf.
    Vielleicht ist die Luft in der Wohnung zu trocken. Also rasch die Wäsche gewaschen, wenig geschleudert und in der Wohnung aufgehängt. Schuhe kannste lassen, die werden wohl noch ein paar Mal vermatscht.
    Liebe Grüße
    P.S. Und Schneckensirup!!!

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  2. Liebe FrauWeinbergschnecke,

    Umbra

    las ich, was fällt dir dazu ein, frage ich mich
    Äh, ja Farbe
    Was wird FrauSchnecke uns zu sagen haben ?
    Schnell ward das Rätsel gelöst
    Tja, nimm es leicht
    watschle durch braune Tunken,
    aber watschle
    genieße die frische Luft,
    die deine Lungen befreit
    den Husten vorübergehend vergessen lässt

    oder

    pack die Koffer
    komme in den Norden
    dort liegt er noch der weiße Schnee
    neuer hat sich dazu gesellt
    und
    eisig kalt soll es auch wieder werden.

    Was ist dir nun lieber ?
    Tiefer Schnee
    ruhige See
    gesunde Luft
    Saubere Hosen

    Du hast die Wahl – zumindest theoretisch, das kannst du nicht verneinen, gell ?

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  3. @Marga: Statt nasser Wäsche kommt in jedem Raum eine Schale Wasser auf die Heizung, hoffe, das hilft auch. Und Thymian-Efeu-Tropfen in den Magen – wenn die nicht helfen, gibt es morgen Schneckensirup! 😉 Dankeschön für die Tipps!

    @Margitta: Hach ja, frisch gefallener Schnee statt Modder …! Wie gern würde ich dort watscheln, herumschnecken oder gar laufen, wo du deine Runden drehst. Wäre da nur nicht die weite Reise in Verbindung mit der Urlaubssperre … Erst in 5 Wochen könnte ich los, aber ich fürchte, da hat die weiße Pracht längst ihr Ende gefunden 😦

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  4. Fein, Frau Weinbergschnecke läuft und es scheint ihr gut zu gehen. Ich hoffe dein Husten lässt dich weiter in Ruhe und die Tropfen haben auch geholfen!?
    Bei mir hier schneit es auch ab und an. Doch noch ist es zu warm. Deshalb taut alles und der Restschnee ist grau und braun und schwarz vom Schmutz der Straßen. Laufen macht in dem Schneematsch keinen richtigen Spaß. Und immer auf asphaltierten Straßen laufen finde ich nicht so toll. Ab morgen soll es wieder kälter werden. Die Gefahr des verarschen Schnees mit vielen Eispassagen ist dann leider im Wald sehr groß.
    Egal wie es ist, es ist im Winter nie alles so wie man (Läuferin) es sich wünscht.

    Viele Grüße
    Tati

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  5. Ein schöner Lauf in der Natur, gute Wahl! Wie gut tut es doch, endlich die vermeintlich sicheren flachen und asphaltierten Strecken wieder gegen die hügeligen Läufe auf naturbelassenen Wegen tauschen zu können. Da werden einige umbrafarbene Tupfer doch gerne mitgenommen 🙂 .
    Und die frische Luft hat offensichtlich gut gegen deinen Husten geholfen. Ich drücke die Daumen, daß du den bald endgültig los bist.
    lG
    Ralph

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  6. @Tati: Im Winter meckert wohl tatsächlich jeder Läufer mal über das Wetter … Schneematsch ist wirklich ekelhaft und überfrorener Schnee und Eis können gefährlich werden. Bleibt wirklich nur Asphalt oder der Kauf von Spikes. Letztere haben sich bei mir in diesem Winter sehr gut bewährt! Im Gegensatz zu den Hustentropfen – die haben nur bedingt geholfen. Aber immerhin habe ich deutlich mehr Schlaf bekommen als in den Nächten zuvor.

    @Ralph: Eigentlich sollte ich mich nur noch draußen aufhalten, da geht es am besten mit dem Husten. Und es ist wirklich ein Genuss, sich wieder gefahrlos auf Feld- und Waldwegen tummeln zu können. Obwohl ich nichts gegen einen erneuten Wintereinbruch hätte, ein wenig Schnee macht die Welt gleich viel freundlicher!

    LG,
    Anne

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