Wetterumschwung

Gestern vormittag: Ein Hauch von Frühlingsgefühlen. Gestern abend: Dichtes Schneegestöber. Heute früh: Regen, milde 5 bis 6 Grad plus, der Schnee weitgehend verschwunden. Auch wenn der Familienfunk aus der Lüneburger Heide 10 cm Neuschnee meldet – hier an der Mosel ist es (vorerst) aus mit dem Winter. Irgendwie schade!

Gegen 11 Uhr verlasse ich die kuschelige Behausung. Ein hellblaues Wichtelweibchen, ganz in wasserdichtes Funktions-Plastik verpackt, die Kapuze der Regenjacke tief ins Gesicht gezogen. Dank der im Herbst erworbenen Wetterkleidung zählen keine Ausreden mehr. Nein, ich maule nicht über das Geniesel, ich freue mich auf den Lauf. Aber ich würde mich vielleicht noch ein klein wenig mehr freuen, wenn es aufhören würde zu regnen.

Und das tut es tatsächlich nach etwa 2,5 Kilometern, als ich den Messepark auf der gegenüber liegenden Moselseite erreicht habe. Endlich die Kapuze abstreifen, endlich frische Luft auf der Haut. Einige Meter vor mir ein Läuferkollege in neongelber Regenjacke, etwas schneller als ich. Den Blick auf seinen Rücken geheftet trotte ich am Ufer entlang. Der einzige Farbtupfer weit und breit, ansonsten dominiert wieder einmal Schlammbraun. Langsam zieht der Kollege davon, wendet dann aber kurz vor der Kaiser-Wilhelm-Brücke und kommt mir entgegen.

Will ich auch umkehren? Nein, lieber noch ein Stück weiter Richtung Biewer! Diesen Abschnitt des Uferpfads bin ich schon lange nicht mehr gelaufen. Es ist ruhiger als am stadtseitigen Ufer. Auch wenn die Straße Richtung Ehrang parallel zum Weg verläuft, so herrscht doch weniger Verkehr. Und auch die Fußgänger- und Hundedichte ist längst nicht so hoch. Ganz allein und friedlich trabe ich am Fluss entlang, der nur leichtes Hochwasser führt – zum Glück!

Bei km 8 wende ich. Kein Gegenwind, aber doch ein erfrischender Luftzug, der mir entgegen pustet. Inzwischen merke ich, dass mir die Erkältungsreste noch in den Knochen stecken. Um den Puls unten zu halten, muss ich etwas langsamer machen. Noch einmal 8 Kilometer zurück wäre eindeutig zu viel für heute. So verlasse ich den Leinpfad an der Römerbrücke, lege auf der Brücke eine kurze Dehnpause ein, um dann die Abkürzung durch die Südallee zu nehmen. Nein, für heute reicht es wirklich. Das Schaufenster des Fahrradladens in der Saarstraße liefert den willkommenen Anlass für eine kurze Pause und zum Nase-Plattdrücken an der Scheibe: 4000 Euro für einen Renner? Na gut, wer’s sich leisten kann und will …

Der letzte Kilometer tut nun doch weh, die Beine mögen nicht mehr so recht und ich huste gelegentlich vor mich hin. Es war richtig, nicht mehr bis zur Adenauer-Brücke gelaufen zu sein. 14.020 m in 1:39:54 Stunden reichen für heute vollkommen aus. Und als ich daheim bin, kommt doch tatsächlich noch die Sonne zum Vorschein! Eine Ahnung von Frühling – bitteschön!

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15 Gedanken zu “Wetterumschwung

  1. Wenn ich die Bilder sehe, da könnte ich richtig neidisch werden. Hier liegt Schnee und es schneit, schneit, schneit. Wäre hier auch der Schnee weg ich hätte heute endlich mal eine Runde mit dem Rad unternehmen können und würde mich schon auf einen schönen Lauf morgen Vormittag freuen. Aber hier ist es weiß und glatt, kein Hauch vom Frühling.

    14.020 m in 1:39:54 Stunden reichen für heute vollkommen aus.

    Der Meinung bin ich auch. Schönen Sonntag noch. 🙂

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  2. Schön weit bist du gelaufen trotz des „z’widernen“ Wetters! Hier hielten sich Regen, Wind und Düsternis auch bis zum Nachmittag und jedenfalls viel länger als mein Lauf dauerte – aber was soll’s, Hauptsache, es läuft! Und der Winter kommt auch wieder, da bin ziemlich sicher 😉

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  3. Jetzt weiß ich nicht so recht, ob ich dich beneiden soll. Hier ist von Tauwetter keine Spur, die Landschaft sieht ja toll aus, aber im 30 cm Tiefschnee stapfen macht dann auch keinen Spaß.

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  4. Sieht ja wirklich wie ein Hauch von Frühling aus, alles weg, der schöne Schnee, der Winter ?

    Bist ja ein vernünftiges Mädchen, wie ich immer wieder hier lesen kann, passt gut auf dich und deinen wertvollen Körper auf, ach ja !

    Bei uns schneit es gerade, Neuschnee – schön – herrlich – frisch gefallen ist er am schönsten !

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  5. @Giegi: Bin mir auch sicher, dass das noch nicht das letzte Wort des Winters war! Aber es war schon gut, heute mal wieder eine eisfreie Strecke vorgefunden zu haben.

    @Anett: Nee, 30 cm Tiefschnee, das hat mit Laufen nicht mehr viel zu tun. Aber zum Anschauen war die weiße Landschaft doch netter! Darum weiß ich uch nicht recht, was mir eigentlich lieber wäre! 😉

    @Margitta: Doch, ich bin vorsichtig – sonst wüsste ich auch mindestens 2 Menschen, von denen ich „Schimpfe kriegen“ würde! 😉 Ich habe mich wirklich tapfer geschlagen – vor allem dafür, dass ich vom Krafttraining noch Muskelkater in den Armen und Schultern habe – bin halt nichts Gutes gewöhnt! 8)

    Liebe Grüe
    Anne

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  6. Muskelkater in den Armen und Schultern ?

    Aha, das lese ich gerne, denn Muskelkater ist immer ein Zeichen dafür, dass……. weißt Bescheid, gell ? Aber tröste dich, das ist nur beim ersten mal, und wenn Frau es konsequent durch zieht, dann kannst ist es Schnee von gestern ! 8)

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  7. @Bernd: Irgendwann ist der weiße Segen kein Segen mehr, gerade für Radfahrer mordsgefährlich und für Läufer superanstrengend. „Zur Not“ muss es eine Schneewanderung tun. Aber natürlich wünsch ich auch dir ein Wetter, mit dem du dich wohlfühlst! Ebenfalls einen schönen Sonntag und lG,
    Anne

    @Margitta: Übung macht die Meisterin, beim zweiten, dritten Mal wird es nicht mehr wehtun hinterher, darauf verlasse ich mich. Wir wissen ja, wie wichtig dieses Krafttraining ist: „No pain, no gain!“ oder wie heißt es so martialisch? 8)

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  8. Schöne, große Runde was das bei dir! Etwas zu früh warst du aber dann wohl doch unterwegs 😉 . Wenigstens hast du ganz zum Schluß dann doch noch die Sonne 8) gesehen.
    Wenn ich hier was von Muskelkater nach Krafttraining lese, bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Da wollte ich doch auch was machen …
    Erhole dich gut!
    lG
    Ralph

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  9. Tja, leider, die Sonne kam erst so richtig raus, als ich schon daheim war. Aber wozu habe ich extra neue Regensachen gekauft, wenn ich nicht die Gelegenheit suche, sie auch zu nutzen!? 8)

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  10. tja das mit dem Regen kenne ich- kaum waren wir gestern zu Hause -schon hörte er auf. Leider habe ich aber keine wirklich regendichte Klamotten. Aber es ist schon erstaunlich, dass es jetzt auf deinen Bildern so aussieht, als ob da nie Schnee gelegen hätte und der Frühling fast schon da ist. Und ich gebe Margitta Recht : Muskelkater ist was gutes.

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  11. Mir ist es ja noch besser gegangen als dir, v.a. war der Untergrund frei, ein großer Vorteil! Tja, und meine Sachen sind zwar regendicht, aber die Atmungsaktivität ist auch nur begrenzt gegeben, man wird also doch ganz schön nass, nur eben von innen. Ist zum Glück nicht ganz so kalt und unangenehm wie von außen!

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  12. Liebes Schneckchen,
    14 km mit einer halbausgeseuchten Erkältung in den Knochen ist wahrhaftig nicht schlecht, gratuliere.
    Ansonsten ist der Frühling aus Trier nun runter in die Schweiz gekommen. Wenn das Wetter so weitermacht, werde ich bald meinen Götterbaum auf dem Balkon retten müssen, denn der hat schon ganz viele Knospen, die nur drauf warten endlich wachsen zu dürfen. Und das im Januar.
    Armer, lebensmüder Götterbaum.

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  13. Dankeschön, liebste Marianne! Man sollte sich nicht zu früh freuen, hier hat sich der Frühling wieder von Wintertristesse vertreiben lassen. Insofern übertreibt dein Götterbaum es tatsächlich mit den Frühlingsregungen – kannst du die Knospen nicht irgendwie abdecken, um ihn vor dem Kältetod zu bewahren?

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  14. Soso, da hat also jemand sein Licht klammheimlich unter den Scheffel gestellt (und allen Ernstes geglaubt, der Fuchs würde es nicht merken… 😉 ). Von einem längeren Läufchen hörte ich beiläufig, ansonsten von Husterei, Müdigkeit und Schlappheit. Und erst hier erfahre ich von einer kleinen Schneckenheldentat, von Ausdauer- und Krafttraining, von erfrischenden Luftzügen und wunderschönen Fotos. Ich kenne jemanden, der hätte für ein wenig Tauwettermatschgrün nicht einmal die Kamera gezückt. 😉 Du aber wohl!

    Es kommt eben doch auf die Perspektive an. DANKE für die Deine, die so gut tat!

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