Schneckige Planspiele

Im Winter sollen die Grundlagen für eine erfolgreiche Saison gelegt werden, so die einschlägige Lehrbuchmeinung und die Erfahrung langjähriger Laufexperten. Kilometer um Kilometer sammeln, langsam und entspannt, hier und dort mal ein kleines Fahrtspiel oder ein Tempoläufchen, damit die Beine nicht ganz vergessen, wie sich das schnellere Laufen anfühlt.

Also wird auch Frau Schnecke in den nächsten Wochen so fleißig sein, wie es ihre Zeit und ihr Körper zulassen. Drei bis fünf Einheiten pro Woche, beginnend mit knapp 40 Wochenkilometern, langsam rauf auf 55 bis 60 Kilometer, Geschwindigkeit je nach Lust und Laune zwischen ultra-schneckig und schneckig, gelegentlich ein flottes Läufchen. Und in der Ferne winkt der Halbmarathon in Freiburg am 28. März.

Am heutigen kalten Vormittag ist mir nach ultra-ultra-schneckig. 8:45 Uhr, auf der Loggia noch minus 4 Grad, das bedeutet angerauhte Wintertight, Buff und Handschuhe, Fleecemütze und dickes Laufshirt unter der dünnen Laufjacke. Während anderenorts Schneemassen das Land überziehen und die Pflanzen vor den eisigen Temperaturen schützen, herrscht hier Kahlfrost. Nur eine dünne weiße Flockenschicht, die den Boden nicht einmal vollständig bedeckt, dazu Reif auf dem Gras. Die Stille des Tals wirkt trist auf mich. Sehr langsam und konzentriert laufe ich, denn obwohl es weitestgehend trocken ist, finden sich gelegentlich kleine vereiste Stellen.

Ich mag einfach nur gaaanz lahm unterwegs sein, ein 7:35er Rekom-Schnitt passt. Da ich meinen Sauerstoff zum Nachdenken über Dies und Das brauche, bleibt für die Beine nicht viel übrig. Bei diesem Tempo und in dieser Stimmung in mir und um mich herum verstehe ich Menschen, die behaupten, Laufen sei langweilig. Nun gut, ich weiß, dass es sich meist ganz anders anfühlt. Mit diesem Wissen lässt sich das Geschlurfe aushalten. An der kleinen Treppe in der Gartenanlage treibe ich den Puls doch noch einmal hoch, um munter zu werden. 6.680 m in 50:41 Minuten, so viel für heute.

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5 Gedanken zu “Schneckige Planspiele

  1. 55 bis 60 Wochenkilometer – hoppla 😮 ! Ganz schön viel für einen Halbmarathon 😉 . Sind da etwa schon weitere Planspiele versteckt? Gut, eigentlich sollte ich hier schön den Mund halten, laufe ich schließ oftmals selber.
    So ein ganz regenerativer Lauf in tristem Tal ist doch hervorragend geeignet zu Ordnen der Gedanken, oder? Solche Läufe dürfen sein, ja manchmal brauchen wir sie sogar.
    lG
    Ralph

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  2. Also, ein Plan für das bevorstehende Jahr – Ziel Halbmarathon in Freiburg, ja, da muss Frau etwas dafür tun, wenn sie die Absicht hat, die Ziellinie früher und in eventuell besserer körperlicherVerfassung als beim letzten Mal zu überschreiten.

    Dass Laufen langweilig sein kann, halte ich persönlich für ein Gerücht, mir ist es nie langweilig, auch nicht beim ultra-, ultra- langsamsten Tempo, für mich gibt es immer etwas zu hören, sehen, riechen, denken, ach, ich könnte da vieles aufzählen.

    Vorsätze sind gefasst – ran an die Buletten, viel Spaß, liebe Anne ! 8)

    Ziele braucht der Mensch !

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  3. @Ralph: Pssssssst! Natürlich steckt eine vage Idee für die zweite Jahreshälfte dahinter. Aber bevor ich mich in solche Planspiele verstricke, will ich in Erfahrung bringen, was meine Schienbeine und Hüften sowie die Anzeige der Waage zu gesteigerten Trainingsumfängen sagen. 😉 Und da zählt jeder Lauf, auch der ultraschneckige von heute tat mir gut!

    @Margitta: Tja, du hast recht, für meine HM-Ziele muss ich tatsächlich was tun. Und ich tue es gern!!! Die beiden HMs im letzten Herbst waren pure Unvernunft, mir fehlten wegen des arbeitsamen Sommers die Grundlagen. Das werde ich in diesem Jahr besser hinbekommen! Schließlich möchte ich – wenn auch noch nicht in Freiburg – wieder einmal unter 2 Stunden bleiben.

    Und du hast auch mit etwas anderem recht: Wirklich langweilig ist das Laufen nie, auch für mich nicht! Sehen, Riechen, Hören, Fühlen, Schmecken, Denken, Träumen … man muss sich nur manchmal bewusst dazu aufmuntern!

    Dankeschön euch beiden und lG,
    Anne

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  4. da haste dir ja was vorgenommen – mein lieber Schwa… äh ich meine: meine liebe Schnecke!

    Wenn der Marathon erst für die zweite Jahreshälfte geplant ist 😀 wäre ich an deiner Stelle vorsichtig mit dem Höherschrauben der Umfänge. Das geht meist nicht so linear vonstatten ohne zwischenzeitliche Zipperlein – also immer auch wieder ein bissi rückschrauben, gell.

    Aber auf jeden Fall drück‘ ich die Daumen – für Freiburg natürlich erstmal und für das ganze Jahr und überhaupt. Auf dass du die Powerfrauen im Km-Spiel an die Spitze läufst 😉

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  5. Danke für die Warnungen, liebe Lizzy! Ja, ich werde vorsichtig steigern, artgerecht im Schneckentempo sozusagen! 😉 Wir drücken uns einfach gegenseitig die Daumen für ein gutes und gesundes Jahr … und wir halten die Powerfrauen locker in der 1. Liga! 8)
    lg, Anne

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