Zwiebel

„Hat sieben Häute, beißt alle Leute!“, so der bekannte Rätselvers. Nein, sieben Häute habe ich mir nicht zugelegt. Dennoch beherzige ich das, was man gemeinhin als Zwiebelprinzip bezeichnet. Das Thermometer auf der Loggia behauptet zwar, es sei kuschelige 0 Grad warm. Aber dieser Wert ist natürlich nur der direkten Sonneneinstrahlung zu verdanken. In Wirklichkeit dürften es so minus 8 bis minus 9 Grad sein. Also verwandle ich mich in eine Zwiebel: Dünnes Funktionsunterhemd, dünnes Langarmshirt, dickes Langarmshirt, dünne Laufjacke, lange Funktionsunterhose, Wintertight, Buff für den Hals, Fleecemütze, Fahrradhandschuhe. Dazu Trailschuhe. Würde ja gern meine neuen Asics Gel Artic ausprobieren, einen Winterschuh mit Spikes, den ich letztes Jahr sehr günstig bekommen habe. Dafür liegt allerdings zu wenig Schnee, nur eine dünne Puderzuckerschicht von 1 bis 2 Zentimetern. Liebe Artics, ihr müsst noch auf euren ersten Einsatz warten!

Uff, endlich fertig angezogen, „gerüstet“ kann ich in diesem Fall wirklich sagen, also nichts wie raus! Ein paar hundert Meter zurückgelegt, dann gönne ich mir einen kleinen Luxus, nämlich die Fahrt bergauf mit dem Bus. Möchte direkt ins Sonnenlicht auf der Höhe kommen und mich nicht erst bergauf quälen müssen. An der Uni steige ich aus, der Teich liegt im strahlenden Sonnenschein. Aber wo man erwartet, Menschen zu treffen, die wie ich diesen wundervollen Wintertag genießen wollen, ist kaum jemand unterwegs. Alle noch beim Weihnachtseinkauf? Oder alles „Frostköttel“? Zwei Menschen mit ihren Hunden kommen mir entgegen, einer anderen Läuferin begegne ich zweimal auf meinem Zickzackkurs zwischen Stadt und Uni, ein Kleinkind tobt mit seinen Eltern bergab und versucht vergebens, auf dem stumpfen Schnee zu glitschen. Ein paar verirrte Spaziergänger mit muffigen, verfrorenen Gesichtern.

Ich dagegen grinse wie ein Honigkuchenpferd. Von wegen „…beißt alle Leute“. Das war letzte Woche. Heute ist die Zwiebel-Weinbergschnecke ruhig, froh, entspannt, freut sich auf die freien Tage, auch wenn sie morgen und am Montag noch arbeiten muss. Und sie genießt die Kälte, die ihr dank der mehrlagigen Verpackung nichts anhaben kann. Hier ein kleiner Abstecher den Feldweg entlang, da den Weinlehrpfad hinauf, dort wieder steil bergab. Achtung Rutschgefahr! Besser langsam machen, Arme breit und Gewicht etwas nach hinten verlagern, um nicht ins Straucheln zu kommen.

Die Gartenanlage liegt verlassen. Hier kommt auch die Sonne nicht mehr hin, gleich wird es unfreundlich, ungemütlich. Direkt heim? Nein, ein paar Zutaten für den Kuchen sind zu besorgen, der morgen den Gästen serviert wird (und ja, ich esse auch ein Stück …). Also noch schnell bis zum Laden, dort die Uhr gestoppt nach 9.760 m in 1:06:21 Stunden.

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3 Gedanken zu “Zwiebel

  1. Ach Frau Zwiebel-Weinbergschnecke, da erweist es sich wieder als klug, wenn man sich nach dem Zwiebel-Verfahren bei eisigen Temperaturen kleidet, es war wieder ein schöner Lauf für FrauWeinbergschnecke, allerhand erlebt, gesehen, gut beobachtet, genossen, sogar noch geschlenkert für Zutaten eines heute zu verspeisenden Kuchens – die Welt ist in Ordnung – wundervoll.

    Zum Schluss eine Frage:

    Fressen Weinbergschnecken Zwiebeln ? 😉

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  2. Auch du hast also das Traumwetter also laufend genossen 🙂 . All die Leute, die sich am warmen Ofen versteckten, wissen nicht, was ihnen entgangenist! Und so zwiebelig gerüstet, da konnte einem die eisige Temperatur auch nichts anhaben.
    lG
    Ralph

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