Gesengte Sau

Mitte Dezember, 15 Uhr, in dreiviertellanger Tight, dünnem Kurzarmshirt und ultraleichter Windstopperjacke hechele ich durch mein zweites 1000 m-Intervall und stelle fest: Ich bin zu warm angezogen! Der Winter, der noch keiner war, beschert uns heute wieder einmal einen Frühlingstag. Die ganze Landschaft ist ein intensiv goldenes Licht getaucht, das allen Farben – selbst dem Matschgrau der Wege und dem Schwarz der kahlen Bäume – einen sonnig-warmen Schimmer verleiht. Zauberhaft leuchten die grün bemoosten Baumstämme, und das Gras ist fast noch grüner als im Sommer. Einem Fotografen würde man vorwerfen, er hätte zu viel Weichzeichner eingesetzt. Aber die Natur ist nun einmal so mild und golden im Schein der tief stehenden Sonne, die sich tapfer durch die drohenden schwarzblauen Wolken gekämpft hat.

Tapferkeit ist ein gutes Stichwort. Allen inneren Schweine-Elchen zum Trotz, aller Müdigkeit, allen kleinen Missempfindungen der vergangenen Tage – ich wollte heute eine schnelle Einheit laufen und ich laufe tapfer eine schnelle Einheit, auch wenn mir nicht danach ist: 3-4 x 1000 m mit 400 m Trabpause dazwischen. Das „nicht danach sein“ macht sich durch ein mehr als bescheidenes Tempogefühl bemerkbar. 5:10 bis 5:15 pro Kilometer heißt auch 5:10 bis 5:15 pro Kilometer! Und nicht: Losrennen wie von der Tarantel gestochen, sich wundern, warum man nach 600 m seine Beine nicht mehr hochkriegt und dann trotzdem wie eine gesengte Sau die Steigung zur Eisenbahnbrücke hinauf wetzen! Wer den ersten Kilometer so vergurkt, braucht sich über nichts mehr zu wundern.

Das „nicht danach sein“ macht sich außerdem dadurch bemerkbar, dass der Puls heute nicht dazu zu bewegen ist, gen Hf max zu klettern. 94, 95 Prozent, dann ist Schluss. Immerhin: Drei flotte Kilometer in 5:03, 5:20 (grrr!), 5:09. Ein vierter geht heute nicht, das merke ich bereits beim Anlaufen und lasse nach 200 gequält schnellen Meter einfach austrudeln in ein friedliches Schneckentempo.

Weitertraben bis zur Adenauer-Brücke, vorbei an der Abtei, hinein in die Welt der Kleingärten und durch den Schönstattpark. Die Wolken werden dichter, finsterer – steht mir eine vorzeitige Dusche bevor? Nein, die Dezemberfrühlingssonne behält die Oberhand und erlaubt noch einen schneckigen Schlenker durch „meine“ Gartenanlage. Die Treppe hinauf ins Wohnviertel fällt dann doch schwer. Jetzt ganz langsam „eine Runde um den Block“, um den 10. Kilometer abzuschließen – voilá: 10.020 m in 1:04:12 Stunden.

Fehlt nur noch das Rätsel zum 10. Dezember: Wo ist der Fehler auf diesem Bild?

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11 Gedanken zu “Gesengte Sau

  1. Ich würde sagen, da hat der Kobold der Schnecke gezeigt, wo der Hammer hängt! Ganz schön flott, die Intervalle! Hast du dir für die Trabpausen genau so viel Zeit genommen, wie für die schnellen Teile? Wenn nicht, solltest du es mal probieren, dann klappt das auch mit dem vierten Intervall. Wobei: beim nächsten Mal klappt das sowieso:-)
    .
    Auf dem Bild kann auch ich keinen Fehler entdecken. Das gehört so 8) !
    lG
    Ralph

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  2. „Schwein unter Elchen“ – des g’hört so, also gut! 😉

    @Martin: Sieht nicht nur herrlich aus, schmeckt auch gut … leider!

    @Ralph: Nee, rückblickend waren die TP mit im Schnitt knapp 3:10 Minuten wohl etwas zu kurz (und die erste auch viel zu schnell, weil ich da möglichst zügig von der Hauptstraße weg wollte). Danke für den Tipp! Beim nächsten Mal mach ich die Pausen länger … auch Daniels erlaubt ja, wie ich inzwischen nachgelesen habe, Pausen, die nur wenig kürzer sind als die Intervalle. 8)

    lg,
    Anne

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  3. Also, erst einmal zu dem Rätsel, beim besten Willen, ich kann es nicht lösen, es ist mir definitiv zu schwer, wie gut dass du auch noch eines hast, damit die Serie nicht unterbrochen wird ! Abgesehen davon sind die Krokodile wirklich sehr wohl geraten, da würde ich glatt auch mal rein beißen, obwohl ich keine Süße bin. Nur dieser dunkle Punkt auf dem Brett, der stört mich, kannst du den mal entfernen, bitte.

    Und dann deine Tempo-Lauf-Versuche , na ja, im Winter ist es auch nicht gerade sehr motivierend, Tempo-Läufe durch zu ziehen, jedenfalls für mich wäre das eher nichts, aber – wie man liest, war dein Körper auch nicht gerade begeistert.

    Wie auch immer, du kannst es abhaken, zum nächsten Punkt übergehen ! 😉

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  4. Ich habe den Fehler gefunden. Da sind 41 Elche zuviel auf dem Blech. Ich könnte wetten, du hast ihn auch schon entdeckt und arbeitest am Bereinigen des Fehlers…
    Ach ja die Intervalle…ich persönlich bin ja eigentlich dagegen! Immer der gleiche Fehler…kenn ich…ach ich bin so schnell…is ja super! Dieses Gefühl, hält ungefähr 500 m an und dann wirds bitter…und immer aufs neue…meine Vermutung ist, dass Intervalle die Lernfähigkeit negativ beeinflussen. Ansonsten wüssten wirs doch beim nächsten Mal, oder?
    Wir hatten im Remstal auch dieses sonderbare Licht….zu schön um wahr zu sein. Damit ist ja jetzt auch Schluß…grau in grau…da müssen wir eben von innen her leuchten. Stimmts?

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  5. @Margitta: Krokodile? 😉 Wie auch immer, sie würden dir bestimmt schmecken, sie sind aus Vollkornmehl und gar nicht so süß! – Der dunkle Punkt wurde übrigens ca. 1 Sekunde nach Entstehung des Bildes „umweltfreundlich entsorgt“ … 🙂

    @Marga: Genau … pruuust 😉 ich wollte sie ja erst an Hans Peter schicken, aber es sind Zimt und Mandeln drin – hat der Arme eben Pech gehabt! 8)
    Bei den Intervallen habe ich normalerweise nicht so extreme Schwierigkeiten … zur Not hilft ja auch der Forerunner beim Einbremsen oder Beschleunigen. Keine Ahnung, was da gestern los war. Wie Margitta schon schrieb: Abhaken, weitermachen! 😉
    Von innen leuchten, hmmm, probieren wir’s mal. Sollte es am Wochenende wirklich schneien, kriege ich das wohl hin!

    lg,
    Anne

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  6. Ach ja, die Intervalle und das dazu passende Training, ich bin ja immer so im Zweifel, ob das für uns so wirklich Sinn macht.

    Mal abgesehen von der Motivationsfrage. Ich laufe immer mal ganz gerne einen Wettkampf, aber Vollgas im Training ist irgendwie nicht mehr so ganz meine Sache.

    Umso größer mein Respekt vor Deiner schnellen Einheit 😉

    Und der Fehler auf dem Backblech ist doch klar: Viel zu wenig Kekse drauf 🙂

    Schöne Grüße
    Lars

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  7. Tja, die Motivationsfrage stelle ich mir auch immer wieder … keine Ahnung, ob ich es durchhalte, solche Aktionen regelmäßig ins Training zu einbauen … ist halt sau-anstrengend 😉 Und keine Ahnung, ob es sich auszahlt!

    Dankeschön, Lars!

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