Gespenstisch

7:30 Uhr, Berufsverkehr, radelnde Schulkinder, Lärm, Hektik, Gehupe. Erleichtert, diesem Trubel entronnen zu sein, biege ich auf die Runde um die Mattheiser Weiher ein. Große und tiefe Pfützen auf den Fußwegen zeugen davon, dass es nachts noch heftig geregnet hat. Dazu ein kräftiger Wind, der die verbliebenen Regenwolken auseinander reißt und vor sich hertreibt. Der Mond schwarzgrau verschleiert hinter schwärzlichen Wolken vor dem dunklen Frühmorgenhimmel, in den die alten Bäume ihre kahlen Äste ausstrecken. Düstere Gestalten vor mir auf dem Weg. Von ganz fern die Geräusche der Autos. Eine gespenstische Szenerie. Aber es ist schön, in den beginnenden Tag hineinzulaufen, mitzuerleben, wie sich der Vorhang der Nacht hebt, und gespannt darauf zu warten, wie der Himmel wohl im Hellen aussehen mag – wird es ein guter Tag, in jeder Hinsicht?

Irgendwo zwischen gesund und angekränkelt schlappe ich durch die Gegend. Gestern Nachmittag hatte ich den Eindruck, mich erwischt ein Infekt. Abends Wärmflasche, heiße Zitrone, viel Obst, relativ früh ins Bett. Beinahe wäre auch noch ungewollt eine Elektroschocktherapie hinzugekommen. Zum Glück isoliert der Griff des Bügeleisens so gut, dass der Kurzschluss mich nur fürchterlich erschreckt, aber außer einem defekten Haushaltsgerät keine Schäden hinterlassen hat. Heute früh geht es jedenfalls sehr viel besser, also sind ein paar Kilometerchen zum Frischlufttanken drin. Um kurzfristig abbrechen zu können, sollte ich meinen Zustand doch falsch eingeschätzt haben, fällt die Entscheidung pro Teichanlagen. Kreuz und quer wähle ich meinen Weg um die Weiher, an denen heute früh schon reger Läuferinnen- und Gassigängerbetrieb herrscht. Hier ein Abzweig an den Strauchhecken vorbei, da eine kleine Rampe hoch, dort die Enten begrüßen, die verschlafen und dicht zusammengedrängt am Ufer ruhen.

Langsam weicht das himmlische Schwarz einem tiefen Blau, das in ein Taubenblau mit hellblauen Flecken übergeht. Meinen Beinen geht es eher mittel- bis dunkelgrau. Nicht schlecht, aber locker ist anders, zumindest ab Kilometer 5. Es soll ja auch nur eine kurze, langsame Tour werden, kein Tempolauf, keine ausgedehnte LaLaLa-Runde. Also nehme ich den Weg zurück durch das verkehrsarme Wohnviertel, kreuze die Hauptstraße, hänge noch einen winzigen Schlenker durch das Tal an. Schluss – aus – vorbei nach 6.260 m in 43:04 Minuten.

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8 Gedanken zu “Gespenstisch

  1. Wie gut, dass er dich nicht getroffen hat,
    der Schlag !
    aber scheinbar wieder der Virus oder sonst ein unangenehmes Vieh, naja, Obst kurz davor ist vielleicht auch nicht gerade förderlich, besser wäre schon die regelmäßige Zufuhr, nein, ich will nicht klugsch………….., nein, aber ich will dir doch nur unter die Arme greifen.

    Vielleicht hast du dich auch nicht richtig zugedeckt in den vergangenen Nächten, warst du nicht erst vor kurzem mit einem Bazillus darnieder ?

    Trotzen wir ihnen ! 😉

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  2. Nur nicht richtig krank werden 😮 !
    Beim Lesen deines Berichtes könnte ich fast ein wenig neidisch werden. Schön, daß du diese Gelegenheit zu einem entspannten Lauf bei der kurzen Phase mit Wolkenlücken wahrgenommen hast.
    Paß auf dich auf!
    lG
    Ralph

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  3. Das mit dem regelmäßigen Obstessen praktiziere ich schon seit einigen Monaten – jeden Morgen und Mittag ein Stück Obst, jeden Abend eine Schüssel Obstsalat, … gestern gab es zusätzlich zur Normaldosis noch eine Extraportion.

    Irgendwie scheint mein Immunsystem den Erkältungserreger jetzt auch im Griff zu haben, dafür grummelt der Magen-Darm-Trakt. Aber ich bin eben Tag für Tag im Bus unterwegs und komme beruflich mit so vielen Leuten zusammen (von denen momentan viele krank sind), dass ich quasi unter Viren-Dauerbeschuss stehe. Langsam nervt es. Aber ich gebe nicht auf, und wenn ich einen ganzen Obststand leerfuttern muss! 😉

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  4. Liebe Schnecke, danke für den literarischen Hochgenuss, den Du uns mit Deinem Bericht vom gespenstischen Morgenlauf beschert hast. Wie eine unerwartete Überraschung hinter einem Adventskalendertürchen… 😉

    Ebenso unerwartet und auch ein wenig gespenstisch, ist das, was Dein Immunsystem derzeit im unergründlichen Dunkel Deines Körpers treibt. Gib ihm die Zeit, die es braucht, um mit dem „Dauerbeschuss“ an Viren, Bazillen, Bakterien und dem anderen „Kleinvieh“ zurecht zu kommen. Dein Vitaminverbrauch ist dabei absolut vorbildlich; wohlschmeckend auf alle Fälle auch!

    Gute Besserung !

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  5. Lieber Fuchs, gern geschehen! Wieso du wohl glaubst, meinen Vitaminverbrauch als „vorbildlich“ bewerten zu können? 😉 Dankeschön auf jeden Fall für die Besserungswünsche, ich werde brav und geduldig sein, schließlich will ich Silvester mit Haile um die Wette rennen.

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  6. Liebes Koboldchen,

    Endlich komm ich auch wieder mal dazu, einen Blick in deinen Blog zu lesen. Was ich da alles lese?!?! Von Stromschlägen ist da die Rede, und von fiesen Viren. Pass bloss auf dich auf, ich mach mir doch ernsthaft Sorgen, wenn du derartige Horrorgeschichten von Kurzschlüssen erzählst! Ob nie mehr Bügeln eine Lösung sein könnte?
    Aber auf jeden Fall ein klarer Wunsch für die Weihnachtswunschliste – ein neues Bügeleisen. Gut geerdet, bitteschön.
    Pass auf dich auf, und viel Erfolg beim Kampf gegen die Viren und Bazillen. Damit bist du nicht alleine, ich tu mich auch seit Wochen schon schwer. Muss wohl an der Jahreszeit liegen.
    Drück dich feste, Marianne

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  7. Willkommen unter den Lebenden, allerliebste Marianne, und dankeschön für die Aufmunterung und Umarmung, die ich gern erwidere – können wir sicher beide gut brauchen! Neues Bügeleisen ist beim Weihnachtsmann schon bestellt … endlich ein Dampfbügeleisen statt des prähistorischen Geräts!

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