Nieseliges Novemberpanorama

12:30 Uhr, das Wetter hält. Kaum noch Wind, trocken von oben, milde Temperaturen – nix wie raus für ein längeres Läufchen! Vor der Tür die Frage: „Flach = Mosel“ oder „hügelig = Runde Mariahof – Richtung Brubacher Hof – Mattheiser Wald – Richtung Kernscheid – Tiergarten“. Mosel ist doof heute, irgendwie langweilig. Also Hügel! Rein ins Tiergartental, am Weingut auf den matschigen Abzweig in den Wald.

Leicht bergauf, ein Schritt vor, ein halber zurück auf dem seifigen Boden. Der Fischteich liegt verlassen da, in der Mitte noch das Entenhaus, das sicher vor dem Frost noch geborgen wird.

Zum Stadtteil Mariahof geht es aufwärts, recht kräftig sogar.

Und weiter aufwärts – schnauf!

Aber der Panoramaweg, den ich dann erreiche, trägt seinen Namen zu Recht und entschädigt für die Mühen. Auch wenn das Panorama natürlich bei Sonnenschein freundlicher wirkt.

Im Sommer ist die Versuchung durchaus groß, sich zu einem kleinen Päuschen auf einer der zahlreichen Bänke niederzulassen.

Aber natürlich tue ich das nicht, wenn ich laufend unterwegs bin. Schon gar nicht jetzt, wo dichter Nieselregen eingesetzt hat. Stattdessen trabe ich unverzagt weiter, genieße den Blick auf die Streuobstwiesen und Viehweiden. Nach Meinung von Investoren ein wunderbares Baugebiet. Glücklicherweise hat sich sehr schnell eine Bürgerinitiative dagegen formiert. Es sind schon genug Naherholungsgebiete mit Neubauten zugekleistert worden!

Kurz vor dem Brubacher Hof zweige ich Richtung Hundetrainingsplatz ab, bergauf, immer nur bergauf, nicht steil, aber nervtötend. Und einsam. Der breite Forstweg führt zwischen kahlen Buchen hindurch, durchmischt mit etwas Nadelholz.

Ungefähr zwei Kilometer geht es auf dem leicht gewundenen Weg flach oder leicht ansteigend entlang, dann wirft die Kreuzung die Frage nach dem Wohin auf: Geradeaus und runter ins Konzer Tälchen? Zu weit heute! Nach rechts in den Wald? Da war ich noch nie und mag mich jetzt, wo der Regen dichter wird, nicht auch noch verlaufen! Also nach links und bergab – hurra!

Auch hier immer wieder tolle Ausblicke auf Hügel, Täler und Mischwälder, wenngleich nicht halb so schön wie im Sommer, wenn die Bäume belaubt sind.

Und nach den vorherigen Anstrengungen ist es ein Genuss, ganz entspannt und ohne Anstrengung abwärts zu joggen und die Muskeln zu entspannen.

Schnell ist das Tal zwischen Brubacher Hof und Kernscheid erreicht. Die Wiesen leer, die Pferde und Rinder sind längst im heimischen Stall oder in hofnahen Koppeln untergebracht.

Ein Stückchen bergauf führt das Sträßchen Richtung Kernscheid.

Am Waldausgang nehme ich den Abzweig Serpentinenweg bergab, ein kleines Bächlein überspringend, das der viele Regen seit vorgestern entstehen ließ.

Wieder geht es angenehm bergab, allerdings ist der Weg etwas rutschig, sodass ich konzentriert laufen muss. Bisher hatte ich keine nassen Füße, jetzt bekomme ich sie doch noch auf dem schlammigen Pfad. Das Kilometerchen im hinteren Teil des Tiergartentals sorgt endgültig dafür, dass die Schuhe gründlich durchweichen. So bin ich froh, die kleine Talstraße erreicht zu haben, wo die inzwischen kahlen Bäume den Blick auf die Teichanlagen des Weinguts freigeben.

Die dicken, bemoosten Äste der Eichen bringen die Novembertristesse noch einmal deutlich zum Ausdruck. Und inzwischen reicht es mir auch. Ich bin müde, der Hunger meldet sich, die Beine sind schwer.

Es ist ja nicht mehr weit. Ein knapper Kilometer, dann endet die Fototour. Eine warme Dusche zur Belohnung habe ich nach exakt 14.080 m in 1:34:03 Stunden verdient! SportTracks behauptet: Das waren +397,8 / -424,2 Höhenmeter.

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12 Gedanken zu “Nieseliges Novemberpanorama

  1. 14.080 m in 1:34:03 Stunden mit 397,8 Höhenmetern?
    Auf diesen seifigen, schmutzigen Wegen? Bei dem Wetter? Und überhaupt?
    Frau kobold, du bist verrückt 🙂
    Ich neige mein Haupt in Ehrfurcht – und reiche dir dann mit einem hämischen Grinsen Persil für die Kleidung und die Schuhbürste und Seife.
    Liebe Grüsse, Marianne

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  2. Na da ist doch jemand ganz so gelaufen wie wir es gerne mögen. 400Hm sind ein stolzes Stück ! Und das du überhaupt bei dem Wetter draußen warst verdient sowieso Respekt! Ist ja wirklich ziemlich grau in grau draußen. Brrrr!

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  3. …ach wie schön es doch bei dir ist.
    Selbst die Novembertristesse sieht doch schön aus…
    Und 400HM sind wirklich ein Marke!!
    Heute aber besonders die Achillessehne pflegen…das mag die, nach so einem Lauf!
    Liebe Grüße
    Marga

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  4. Alles sieht irgendwie ähnlich aus im Herbst, meine Laufrunde in Ellerdorf fast identisch, bis auf die Höhenmeter: Blätter, kahle Bäume, nasse Wege, eigentlich bonjour tristesse, wenn da nicht die Lauffreude dazu kommen würde.

    Gut gelaufen, Weinbergschnecke, trotzen wir dem düsteren November, indem wir uns nix anmerken lassen, aber auch gar nix, das müsste ihn eigentlich provozieren – oder ? 😉

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  5. @Marianne: Nur so’n kleines bisschen verrückt! Und der Lauf hat gut getan! Dankeschön für die Putzutensilien – die Schuhe haben es wirklich nötig!

    @Martin: Ja, das Grau ist schon trist, Nieselregen dazu – bääh! Dankeschön!

    @Marga: Meine Achillesferse ist das Schienbein, das wird noch besonders pfleglich behandelt. Ein wenig Massage wird ihm gut tun!

    @Margitta: Hat man Freude am Laufen, nimmt man die Tristesse nicht mehr als so schlimm wahr! Und wir haben den November ja fast schon überstanden … nur noch eine Woche! 😉

    lg,
    Anne

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  6. Nette Gegend in der du da läufst. Erinnert mich an meinen letzten Lauf in meiner Geburtsgegend. Nur bin ich in den Wald eingebogen und prompt einen Umweg gelaufen. Was die Strecke, HM und Zeit angeht, Respekt.
    Finde die Fotos auch sehr gelungen
    PS.: Die Reifenspuren am Straßenrand, waren die von dir?
    Liebe Grüße Hans Peter

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  7. Dankeschön, lieber Hans Peter! Keine Reifenspuren von mir, isch schwör! Isch ‚abe nämlisch gar kein Auto … und einen Trecker auch nicht! 😉

    LG,
    Anne

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  8. Ein Weg ins Konzer Tälchen – vielen Dank für die Inspiration, das werde ich mal recherchieren 🙂 !
    Und überhaupt: nur rund 18 Srunden nach dem gestrigen Lauf schon wieder auf der Strecke – Riesenrespekt! Dann gleich noch so lang und auch noch recht schnell trotz der zahlreichen Fotostops. Dankeschön für die wunderschönen herbstlichen Imressionen.
    lG
    Ralph

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  9. Lieber Ralph, danke, gern geschehen! Ich hab‘ dir mal eine Mail mit den GPS-Daten und ein paar Tipps für den Lückenschluss und für Abkürzungen geschickt … vielleicht entdeckst du demnächst ja den Mattheiser Wald als gelegentliche Alternative zu deinen Hausstrecken!

    lg,
    Anne

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  10. Sehr schöner Lauf und danke für diesen feinen Fotobericht. Jetzt kann ich mir die Gegend da bei dir viel besser vorstellen. Trotz Novembernieselwetter – sehr schön. Ich liebe solche Panoramaläufe und freue mich dann, wenn die Sonne das Ganze noch mit ihren Strahlen aufhübscht. Ich wünsche dir weiter so schöne Läufe.

    Viele Grüße
    Tati

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  11. @Hase: November in Reinkultur – genau! Dankeschön!

    @Tati: Ja, ich mag hier gar nicht mehr weg. Und natürlich ist es bei Sonnenschein noch VIIIIEL schöner! Lieben Dank auch dir!

    Anne

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