Gelb tut gut!

Dienstag gegen 17 Uhr. Der Regen gönnt sich eine Pause! Geradezu erstaunlich! Aber ich finde ja, ich habe einen Lauf verdient, auf dem ich von oben trocken bleibe. Um von unten trocken zu bleiben – sprich: keine nassen Füße zu bekommen – gibt es Schuhe mit GoreTex. Wer auch immer sie entwickelt hat, hätte ein gutes Werk getan, hätte er eines noch zusätzlich hinbekommen: Die Sache mit dem Gewicht und der Flexibilität!

Gut, vielleicht ist das nicht das Problem aller wasserdichten Laufschuhe. Aber zumindest das des Asics Gel Moriko. Im Vergleich zu den Mizunos, die ich in Langsur getragen habe, oder den Asics GT 1110 von gestern fühlt sich der Moriko einfach unangenehm an. Er passt eigentlich sehr gut, die Größe stimmt exakt. Aber er ist zugleich starr, schwer, irgendwie unbeweglich, wirkt vor allem zu Beginn des Laufs wie ein Fremdkörper am Fuß. Als würde ich in Knobelbechern meine Runden drehen, könnte nicht mehr richtig abrollen, müsste bei jedem Schritt ein kleines Bleigewicht heben.

Immerhin: Trockene Füße sind etwas Feines. Allerdings hilft der wasserdichteste Schuh nichts mehr, wenn man in eine Pfütze patscht und das Wasser von oben hineinläuft. Dann bewirkt er eher das Gegenteiligen des Erwünschten, weil die Brühe nicht mehr raus kann. Aufpassen, wo man hintritt, sollte man also trotzdem.

Nun gut, ich werde aufpassen! Und ich habe heute keine Lust auf kalte und nasse Haxen. Also Knobelbecher. Und MP3-Spieler, der aber schon auf dem zweiten Kilometer in der Tasche verschwindet, weil mich die Musik nervt. Stattdessen tauche ich in die Novemberdämmerung des Tiergartentals ein. Das Restlicht reicht aus, um auch ohne Lampe sicher meine Schritte zu setzen. Alte Bekannte unterwegs: Das ältere Ehepaar mit seinen zwei Mischlingshunden, der sympathische Mittfünfziger mit seinem eleganten Irish Setter. Von der Weide neben der Gärtnerei tönt lautes Rindergebrüll herüber. Was die Tiere wohl haben? Offensichtlich bessere Ohren als ich, denn ein paar Sekunden später registriere auch ich das Tuckern des kleinen Traktors, mit dem der Landwirt einen Großballen – dem Geruch nach eindeutig Grassilage – in Richtung Futterplatz transportiert.

Ein wenig zäh ist der Lauf heute! Die Beine sind natürlich doch noch ein bisschen müde vom Samstag. Und dann diese Klötze an den Füßen … Erst nach ungefähr 3 Kilometern, als ich das Tal schon fast wieder verlasse, fühlen sich die Schritte runder an. So ist der Weg durch die Kleingärten sehr schön und friedlich, abgesehen von der Begegnung mit einem Laufkollegen, dessen Stirnlampe mit ihrem bläulichen Licht so sehr blendet, dass ich den Blick weit abwenden muss. Es scheint sich um das diesjährige Aldi-Modell zu handeln, das ich mir ja auch zugelegt habe. Besonders breit und weit abstrahlend ist der Lichtkegel gar nicht. Aber die Färbung und Intensität des Lichts empfinde ich als unangenehm.

Mit solcherlei Gedanken über Läufers Ausrüstung lasse ich mich durch die Gartenanlagen treiben, um dann in einer einsamen Seitenstraße den Aufstieg zur Wohnung in Angriff zu nehmen. Etwas bräsig schlappe ich über das rutschige und buckelige Pflaster und bin froh, als ich am Gipfel wieder festen Asphalt unter die Füße bekomme. Über den Kirchplatz noch schnell zum Einkaufen. „Gelb tut gut!“, denke ich. Der Discounter hat nicht nur Zitronen, Orangensaft und Grapefruits im Angebot, sondern auch gelbe Rosen. Nach heftigem Hadern mit meinem ökologischen Gewissen landet ein Strauß in meinem Einkaufskorb, um später meinen Wohnzimmertisch zu schmücken. Zurück geht es mit der Beute an den heimischen Herd. Garminchen meldet: 6.440 m in 45:13 Minuten.

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5 Gedanken zu “Gelb tut gut!

  1. So ein steifes Asics-Klumpfuss-Dingens hab ich auch zuhause im Schrank rumliegen. Kommt aber wirklich nur raus bei absoluten Härtefällen (sprich, jetzt noch nicht). Auch wenn ich das Gefühl hasse, wenn ich versuche, eine Pfütze leichtfüssig zu umgehen oder gegebenenfalls nur am Rand reintrete, und dann zwei Sekunden später das unangenehme Gefühl im Schuh verspüre, wenn das kalte Wasser sich breit macht.
    Schmunzeln musste ich bei der Auflösung des neuen Titels. Ich hatte schon die Befürchtung, du hättest dir womöglich so ein knallgelbes Laufshirt oder Jacke zugelegt. Gelb find ich nämlich zum Fürchten, auch wenn es zugegebenerweise bei dieser unfreundlichen Jahreszeit wenigstens dazu beiträgt, dass man gesehen wird.
    Guten Appetit bei soviel gelb, und ich geniesse den Strauss Rosen ein bisschen mit, sollte ich auch mal wieder machen.
    Liebe Grüsse, Marianne

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  2. So einen Klumpfußschuh habe ich auch. Dabei ist der nicht einmal wasserdicht und auch kein Asics. Er kommt aus dem Hause Mizuno und hört auf den Namen Nirvana. Einen einzige positive Eigenschaft hat er: er gibt sehr guten Halt im Gelände.
    Genieße die gelbe Beute 🙂 !
    lG
    Ralph

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  3. Tröstet mich ja, dass ihr die Treter auch so fies findet! Meine bleiben erst einmal im Schrank …

    @Marianne: Auch wenn ich Gelb ebenso scheußlich finde wie du – ich werde mir vermutlich über Kurz oder Lang eine gelbe Regenjacke zulegen. Das Argument des besseren Gesehen-Werdens wiegt schwerer als die Eitelkeit … oder doch nicht? 😉 Und kauf dir ruhig auch mal Blümchen – das wirkt Wunder!!!

    @Ralph: Dankeschön, werd ich machen! Abends gibt es bei mir immer Obstsalat, heute mit Trauben, Grapefruit, Banane, Ananas, Apfel, einem Spritzer Zitronensaft und einem Schuss Orangensaft.

    lg,
    Anne

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  4. Liebe FrauWeinbergschnecke,

    es scheint, als erzähltest du soeben meine Geschichte.

    Es war einmal……………. da kaufte ich mir einen solchen Schuh, der zu meinem ständigen Begleiter bei Schmutz- und richtigem Dreckwetter werden sollte.

    Ich zog ihn an, schon beim ersten Mal spürte ich, wir werden nie Freunde werden, ein Klotz am linken, einer am rechten Fuß, ich trampelte wie ein Pferd durch unsere Straßen, dass Nachbarn die Fenster öffneten. Blasen gleich nach dem ersten Lauf.

    Nee, sagte ich mir, wir werden keine Freunde.

    Das Problem: ich hatte diese Quadratlatschen, die wirklich nur ein Gutes hatten, sie waren wasserdicht, anlässlich eines Aufenthaltes in USA gekauft. Umtauschen ? Geht das ?

    Es geht, ich ging zu einem hiesigen Sportladen mit der gleichen Marke, nämlich Asics, durfte mir einen anderen aussuchen und ließ das Ungetüm für immer in dem Laden. Tags drauf lief ich leichten Fußes mit einem leichten, nicht wasserdichten Schuh wieder quietsch fidel durch die Prärie, hatte und habe auch heute hin und wieder mal nasse Füße, aber nix gegen diese Tonnen an meinen zarten Füßchen.

    Schluss aus – basta
    so einfach ist das
    und die Moral von der Geschicht‘
    schwere Schuhe kauf ich nicht ! 😉

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  5. Liebe Margitta,
    ich sehe, wir verstehen uns! Leider war ich nicht so klug wie du und habe gar nicht erst versucht, die Dinger zurückzugeben. Und ich habe sie inzwischen (vor einem Jahr gekauft) mehrfach angehabt, was man ihnen leider auch ansieht – da ist wohl kein Weg zurück in den Laden möglich (und der Bon ist auch längst weg).

    Daher: Lehrgeld bezahlt – einmal und nie wieder! 😉

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