Voll auf Droge!

Ich bin ein norddeutsches Dorfkind. Mit Korn, Bier und hochprozentigen Cola-Mischgetränken durch meine Jugend geschwankt. Und nicht in jeder Zigarette, die ich zu dieser Zeit geraucht habe, war ausschließlich Tabak. Aber im gesetzten Alter von 42 Jahren ist man doch vernünftiger. Dachte ich. Bis ich mir heute auf ganz andere Art einen richtigen Vollrausch verpasst habe. Und ich hab’s erst gemerkt, als es zu spät war.

16:15 Uhr, eigentlich hätte ich schon seit 1 1/2 Stunden weg aus dem Büro sein sollen. Wie es halt so geht …! Nasskalt ist es, fast bereue ich, nur die dünne Laufkappe statt der Fleecemütze dabei zu haben, als ich mich aus dem Hinterausgang stehle. Einfach runter in die Stadt laufen, am Rande der Fußgängerzone eine Erledigung machen, dann nach Hause. Sollte reichen als letzte „richtige“ Trainingseinheit vor Langsur. Am Freitag steht nur noch Joggen mit ein paar Steigerungen auf dem Plan.

Heute ist eigentlich lockeres Laufen angesagt. Aber irgendwie … ! Es ist alles grau, die Arbeit drängt. Dann die Nachricht, dass sich ein Fußballprofi auf grausame Art und Weise das Leben genommen hat und niemand ihm helfen konnte, seine Depressionen zu überwinden. Weil ich selbst schon solche Phasen erlebt habe, nimmt mich das ziemlich mit. Depressionen sind eine so besch… Krankheit!

Ich stehe unter Druck. Und der macht die Beine schnell. Schneller als sie heute sein sollten. Zum Glück sind nur die ersten 2 Kilometer wellig, danach geht es bergab und kostet deshalb nicht so viel Kraft. Der Pulsgurt ist verrutscht, so dass ich nicht sehe, was mein Herz heute leistet – vielleicht auch gut so! Jedenfalls ist ein 5:40er Schnitt auf den gut 5 Kilometern bis zur Innenstadt nicht das, was für unsereins einen „lockeren Lauf“ bedeutet. Erst auf den letzten zwei Kilometern ist die Spannung so weit raus, dass ich mich mit einem „normalen“ Tempo um die 6:30 wohlfühle. 7.360 m in 43:22, so die Uhr am Ziel „Haustür“.

Treppe hoch, auf’s Sofa im Arbeitszimmer, Post öffnen … auf einmal (sorry für die Comicsprache!): Zoooom!!! Breites Grinsen über das ganze Gesicht, ein Energieschub, der durch den ganzen Körper strömt und mich hochspringen lässt wie einen Gummiball. Mich aktiviert, munter, geistig wieder klarer macht. Voll auf Droge eben! Was auch immer dieser ungeplante Tempolauf in meinem Körper an Hormonausschüttungen ausgelöst hat – ich bin völlig „breit“. Und das „Schlimme“ ist: Es fühlt sich auch noch gut an …
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5 Gedanken zu “Voll auf Droge!

  1. Wow – was für ein Lauf! Schön, daß der Lauf dir gegen den Streß geholfen hat.
    Da bleiben zwei Fragen offen
    Kam das Grinsen jetzt vom Brief oder Lauf?
    Wer ärgert dich am Samstag kurz vor dem Start in Langsur – so als kleine Starthilfe 😉 ?
    lG
    Ralph

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  2. Liebe, liebe Anne, ich finde mich in deinem Text wieder, bin mit dir gelaufen, und es erging mir ebenso wie dir, die seelischen Belastungen scheinen verflogen, und man fühlt sich wieder gut.

    Ich wünschte, noch viel mehr Menschen kämen hinter dieses Geheimnis, das längst keines mehr ist, gell ?

    “ ES FÜHLT SICH NOCH GUT AN
    für gut befunden
    und unterschrieben
    und unterstrichen
    und überhaupt ! 8)

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  3. @Laufsogern, Ralph: In dem Umschlag war ein Steuerbescheid – der war definitiv nicht der Grund für das Grinsen! 😉 Im Gegenteil … 😦

    @Ralph: Tja, da fällt mir schon was/wer ein … im Moment gibt es genug, was das Leben beschwerlich macht.

    @Margitta: Ja, ich durfte lesen, dass dir dein Lauf auch so gut getan hat – es ist EINFACH NUR TOLL!!!

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  4. Und hat keinerlei schädliche Nebenwirkungen!
    So ein Lauf mit Tempo fühlt sich ab und an wirklich gut an! Dass dann die Hormone nur so fließen ist doch klar 🙂
    Was schließen wir daraus ?Richtig -weitermachen!

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