Madame 100.000 Volt

Gilbert Bécaud, der französische Chansonnier, wurde wegen seines Temperaments und seiner energiegeladenen Auftritte auch „Monsieur 100.000 Volt“ genannt. Ständig unter Strom, der Mann! Zum Glück trifft das auf mich nicht andauernd zu. Aber heute bin ich doch ziemlich geladen. Ursache: Unter anderem zu langer Laufentzug – „fünf Tage ohne“, das fühlt sich an wie eine halbe Ewigkeit!

Wenigstens dieser Ursache kann abgeholfen werden. Die Erkältung hat sich so weit verzogen, dass endlich wieder ein Nach-der-Arbeit-Läufchen möglich ist. Gegen 15:45 daheim ankommen, rein in die Laufsachen und raus auf die Talrunde. Vernünftig wäre wohl eine ganz langsame Tour zum Wiedereingewöhnen. Nur ist dafür zu viel angestauter Ärger, zu viel Anspannung da! Das muss raus! Also Fahrtspiel! Ein wenig powern. Ein paar hundert Meter locker lassen. Wieder etwas flotter. Vorsicht, seifiger und schlammiger Untergrund, Tempo rausnehmen! Wie wär’s mit einem schnellen Kilometer?

Vor mir ein schlanker männlicher Läufer in eher gemütlichem Tempo – den schnappe ich mir! Beim Überholen stelle ich fest: Es ist einer meiner früheren Dozenten und späteren Arbeitskollegen, inzwischen Ende 60, aber fit wie der buchstäbliche Turnschuh. Auch heute noch ist er jederzeit in der Lage, mir lässig-leicht davonzurennen! Wir wechseln im Vorbeilaufen ein paar freundliche Worte; er läuft sich gerade erst ein und wird dann auch noch ein paar flotte Kilometerchen anhängen. Ich ziehe vorbei, beschleunige – mir ist nach Toben auf dem leicht abschüssigen Waldweg. Und es ist noch hell genug, um mögliche Hindernisse rechtzeitig zu bemerken.

Am Waldausgang lasse ich locker, trabe einige hundert Meter so vor mich hin. Doch noch einmal Tempo? Ein schnelles Kilometerchen zum Laune machen! Durch die Gärten, ein paar Vereinskollegen quasi im Vorbeifliegen grüßend erreiche ich das verschlossene Törchen. Aufsperren für einen kurzen Kontrollblick in den eigenen Garten. Da muss ich wohl mal Laub harken gehen! Obwohl immer noch genug von dem Zeug an den Bäumen hängt …

Zurück auf den Weg, ein paar hundert Meter durch die Gärten und an der Straße entlang bergauf, noch mal ein wenig flotter zum Schluss. Der 7. Kilometer endet lustigerweise exakt vor der Haustür, 44:19 Minuten hat die Entladung der inneren Gewitters gedauert. Naja, die Spannung liegt immer noch ein paar Volt über dem normalen Haushaltsstrom, aber im Bereich des Erträglichen. Und sie wird dadurch noch weiter gesenkt, dass ich seit heute nach 2 1/2 Monaten Hin und Her endlich wieder einen funktionierenden DSL-Anschluss habe! Scheint wirklich so, als sei ich die unzuverlässige hellgrüne Bagage endgültig los. Ob ich mit der pinkfarbigen glücklich werde, wird sich zeigen!

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5 Gedanken zu “Madame 100.000 Volt

  1. Oui, Madame, so ist das Leben, was die Frau braucht, das braucht sie, und das nimmt sie sich auch, was so ein Sprint innerlich alles bewirken kann, das ist so wie der Ur-Schrei für den Nicht-Läufer, das wirkt sofort und hilft ungemein.

    Dann darfst du sogar noch eine Runde harken, damit ist der obere Teil deines wertvollen Körpers auch noch gefordert, wenn das kein vernünftiges Sport-Programm ist, dann weiß ich auch nicht.

    Entladen, entlastet zu Hause angekommen dank einer sehr wirksamen Medizin – dem Laufen ! Wäre ich noch keine, würde ich jetzt zur Läuferin werden.

    Genieße das Wocheneende ! 8)

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  2. Toll, daß du wieder soweit gesund bist, daß du dir ein Läufchen nach der Arbeit gönnen kannst. Weniger schön, daß du so geladen loslaufen mußt. Doch gegen diese Ladung ist Laufen natürlich das beste Gegenmittel! Und der angestaute Ärger hat dich auch ziemlich flott gemacht. Gebraucht hast du es, dann hat die kleine Tempoverschärfung bestimmt nicht geschadet.

    Viel Spaß mit dem neuen DSL und ein schönes Wochenende!

    lG
    Ralph

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  3. @Margitta: Dankeschön, werd’s versuchen! Das Ganzkörper-Workout, wie man so neudeutsch sagt, tat auf jeden Fall gut. Wenn wir das Laufen nicht hätten …! 8)

    @Ralph: Du hast ja solche Nach-der-Arbeit-Läufe auch schon beschrieben. Da braucht unsereins manchmal die etwas flottere Gangart – und das Gegenmittel wirkt, das ist ja das Tolle! Danach durfte ich dann genießen, dass meine Internetseiten sich wieder zügig aufbauen … meine Güte, dieses Modem mit seinem Schneckentempo ( 😉 ) hat mich ja sowas von genervt! Vielen Dank, Ralph!

    lg,
    Anne

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  4. Ganz herzliche Glückwünsche zu Deiner raschen Genesung, die ja nun doch mit flotten (Lauf-) Schritten vorwärts schreitet! Da kann ich es gut verstehen, dass frau sich mal so richtig austoben will und muss … es kann und muss nicht immer nur im Garten sein!

    Wie es scheint, war das die richtige Medizin für Dich, die mit körperlichem und seelischen Wohlbehagen belohnt wurde. Ich freu mich mit Dir!

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