Stockentenparade

Ein Entennest. Ein großes sogar. Zwischen der Staustufe und Schloss Monaise kommen mir immer neue Stockentenrudel entgegen. Je vier, fünf auf einmal, begleitet von einzelnen Spaziergängern. Mehrheitlich weit jenseits der Sechzig. Und mit deutlichen motorischen Handicaps. Aber sie gehen! Die Stöcke geben ihnen offensichtlich ein Stück Mobilität und damit Lebensqualität zurück. Ob es sich um eine Art Walking-Treff handelt? Ein organisiertes Volkswalken? Um das herauszufinden, müsste ich kehrt machen und einige der Eifrigen fragen. Aber ich mag nicht. Ich mag laufen. Und ich mag danach einfach daheim sein und kochen und etwas essen und mich auf das Sofa flegeln und den momentan so trüben Tag verdösen, bis der Kaffeebesuch eintrifft.

Gegen 9 Uhr, als ich das Haus in Kurz/Kurz (in der türkisfarbigen Weste mit rosa Paspeln!) verließ, war der Himmel noch blau-weiß gefleckt. Jetzt ist er grau. Auf der windstillen Wasseroberfläche der Mosel spiegeln sich die umliegenden Höhenzüge mit ihren noch immer dicht belaubten bunten Wäldern. Hier auf dem stadtseitigen Flussufer Richtung Konz ist jede Menge Betrieb. Radfahrer, aber auch andere Läufer. Meist in Lang/Lang gekleidet, sodass ich mich frage, ob ich mich zu dünn angezogen habe. Aber ich merke, dass angesichts der milden Temperaturen die kurze Hose genau die richtige Wahl war. Mit Longtight, Langarmshirt und Mütze wäre ich eingegangen. Selbst im T-Shirt schwitze ich unter der Weste noch kräftig, obwohl ich im Schongang durch die Gegend tapse. Puls 70 bis 75 Prozent, das soll ja angeblich gut sein, erfordert aber auf den ersten Kilometern immer wieder einen Blick auf die Uhr und ein Mich-Bremsen. Die Beine wollen schneller, sollen aber nicht. Denn 14, 15 Kilometer sollten es heute schon sein. Irgendwann muss ich ja mal was gegen mein Ausdauerdefizit tun, das mir in Remich „das Genick gebrochen hat“ und auch beim Zehner in Langsur einer schönen Endzeit im Weg stehen würde.

Bis zur Konzer Eisenbahnbrücke sind es etwa 7,5 Kilometer. Flüssig quere ich die Brücke. Am anderen Ufer läuft es sich erheblich ruhiger, keine Schnellstraße stört das Träumen. Dafür irgendwann die Stockentenparade. Allerdings lenkt sie auch in angenehmer Weise von der leichten Monotonie des LaLaLa ab. Das kommt mir zugute, denn etwa ab km 13.5 werden die Waden doch etwas missmutig. Ich laufe in gleichmäßigem Tempo, knapp unter einem 7er-Schnitt weiter, aber es fällt mir doch ein wenig schwer. Der Puls geht vier oder fünf Schläge hoch, trotzdem bleibt er noch im vernünftigen Rahmen. Und bald ist es eh geschafft!

Am Messepark kreuze ich wieder den Fluss, leicht fröstelnd im kühlen Wind auf der Adenauer-Brücke. Von der Abtei aus führt die Straße bergauf Richtung Weiher. Die kleine Steigung macht nicht mehr wirklich Spaß. Oben angekommen gönne ich mir einen kurzen Stopp von drei, vier Minuten, um die Oberschenkel zu dehnen und so den letzten Kilometer noch locker zurücklegen zu können. Blöde Idee, wie ich weitere fünf Minuten später feststelle: Die Uhr zeigt 11:02, der Bäcker schließt nicht um 12:00 Uhr wie gedacht, sondern bereits um 11:00! Keine Sonntagszeitung, schade! Und jetzt, wo ich am Ziel bin, kommt auch noch die Sonne zurück. Etwas enttäuscht trotte ich die letzten paar Meter Richtung Heimat. Immerhin: Ein schönes Läufchen von 16.070 m in 1:50:20 Stunden.

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6 Gedanken zu “Stockentenparade

  1. Feiner langer Lauf, schön entspannt klingt das.
    Ja, ich habe mich heute auch für kurz/kurz entschieden.Trotz Nieselregens war es bei dem 6km Wettkampf ausreichend warm 😉
    Bloß gut, uns sind auf den engen Waldwegen keine Stockenten ;o) begegnet.
    Ist dein Kratzen im Hals wieder richtig weg?

    LG Tati

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  2. Entspannt war es auch, tat unglaublich gut. Und das Halskratzen war tatsächlich weg, der Lauf von gestern hat Wunder gewirkt!
    Im WK auf so einer kurzen Distanz würde ich wohl fast immer in Kurz/Kurz laufen, wenn es nicht gerade unter 5 Grad kalt ist. Selbst wenn es regnet – wofür gibt es die heiße Dusche hinterher? 😉 Ich hoffe, der Wettkampf verlief nicht nur in punkto Kleiderwahl zu deiner Zufiredenheit?! 8)

    LG
    Anne

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  3. So eine Gruppe weißgefiederter Stockenten ist mir mal an der Saar begegnet. Gut möglich, daß das eine besondere Form der Förderung der Mobilität ist. Zu begrüßen wäre es.
    Das grausige stadtseitige Stück der Runde hast du ja gestern vorausschauend an den Anfang gelegt, so konntest du dich noch auf das deutlich schönere Stück freuen.
    Du hattest hoffentlich Frühstück im Haus?
    lG
    Ralph

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  4. Ja, Müsli und Brot waren noch da! Im äußersten Notfall hätte es auch noch einen anderen Bäcker gegeben. Aber nur für eine Zeitung wollte ich nicht durch die ganze Südstadt rennen.

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  5. “ Irgendwann muss ich ja mal was gegen mein Ausdauerdefizit tun, das mir in Remich „das Genick gebrochen hat“ und auch beim Zehner in Langsur einer schönen Endzeit im Weg stehen würde.“

    Nur zu, FrauWeinbergschnecke, Ausdauer hat noch nie geschadet. Besonders schön ist es erst, wenn Frau dann Gesätes ernten kann, gell ❓

    Es ist wie es ist – ohne F….k……….P 😉

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  6. Ja, auf die Ernte freue ich mich auch schon. Aber als Gärtnerin weiß ich natürlich, dass man den Pflänzchen genug Zeit zu Wachsen geben muss … wenn nur die verflixte Ungeduld nicht wäre! 8)

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