Ohne Netz und doppelten Boden

Nicht dass ich prinzipiell nicht bei hoher Luftfeuchtigkeit laufen würde. Aber ehrlich gesagt bin ich doch froh, dass der kräftige Landregen aufgehört hat und nur noch ein Rest Schwüle geblieben ist, als ich mich gegen 15 Uhr vom Büro aus auf eine kleine Runde mache. Durchnässt zurückzukehren wäre meiner ohnehin miesen Laune nicht eben zuträglich.

Die miese Laune hat einen Namen: freenet. Eindeutig ein Fehler, vor einem halben Jahr dort einen DSL-Vertrag abgeschlossen zu haben. Anfang August eine schriftliche Umzugsmeldung geschickt. Anruf von freenet: Den alten Vertrag mitnehmen geht nicht, Kündigen geht auch nicht bzw. nur „aus Kulanz“ gegen Zahlung von 50 Prozent des verbleibenden Vertragswerts. Es geht nur Neubestellung, wieder mit 24 Monaten Laufzeit.

Grummel! Also zähneknirschend Neubestellung verschickt. Nichts passiert! Doch, ein Schreiben, wonach ich angeblich nicht bestellt habe. Zweimal die Daten telefonisch bestätigt, einmal alle Daten komplett neu aufnehmen lassen, mir das Gejammer über technische Probleme angehört, die angeblich mit der Kombination Telekom-Festnetzanschluss + DSL-Resale verbunden sind. Mindestens fünf verschiedene Hotline-Mitarbeiter kennengelernt und dabei mindestens fünf unterschiedliche Informationen über die Ursachen des Problems und Möglichkeiten seiner Behebung bekommen. Gestern dann beim erneuten Hotline-Anruf die Info, dass die Bestellung im System gar nicht registriert sei. Man müsse nun veranlassen, dass mir ein Brief geschickt würde, der eine Telefonnummer enthalte. Die müsse ich dann anrufen, damit man mich zurückrufen und meine Daten aufnehmen könne. Neuaufnahme der Daten und Freischaltung würden insgesamt mindestens 5-6 Wochen dauern. Wenn das überhaupt noch klappen würde, weil freenet ja sein DSL-Geschäft an 1+1 verkauft habe und eigentlich seit dem 1.10. keine Verträge mehr abschließe.

Grummel! Das einzige, was in den letzten Wochen bei freenet geklappt hat, ist ganz offensichtlich der Geldeinzug von meinem Konto! Bodenlos dreist! Und die Zahlungen kann ich ohne schriftliche Fristsetzung nicht einfach sperren. Also nach Rechtsberatung bei der Verbraucherzentrale ein Schreiben mit außerordentlicher Kündigung – inklusive Fristsetzung – und Begründung formuliert und eben vor dem Lauf per Einschreiben mit Rückschein verschickt. Egal ob ich dadurch aus dem Vertrag rauskomme oder nicht: Einen funktionierenden DSL-Anschluss werde ich daheim wohl frühestens Mitte November haben. Und mit Modem macht noch nicht mal das E-Mail-Verschicken Spaß! Meine Güte, fühle ich mich inzwischen abhängig von der virtuellen Welt und dem weltweiten (Daten-)Netz. Neben allem Ärger gibt mir diese Abhängigkeit natürlich auch zu denken!

Genug geärgert, nun laufe ich! Erst einmal, wo ich schon in der Nähe bin, auf dem 1 km langen Uni-Laufpfad. Ist das öde!!! Der Weg ist zwar eigentlich ganz hübsch angelegt, aber unangenehm wellig. Und im Kreis laufen ist sowieso nicht das Wahre. Nach zwei Runden wird das innere Gemurre so laut, dass ich nur die Wahl habe zwischen Aufhören oder in die Botanik laufen. Klar – Botanik! Über das Uni-Gelände, den schmalen Stich am Teich hinunter, mit kurzem Verlaufen in einer Sackgasse und einer kleinen Wanderung eine steile Streuobstwiese hinunter geht’s noch ein Stückchen durch den Wald und die Weinberge unterhalb des alten Hospitals. Langsam fällt die Spannung ab, die feuchte, nun doch etwas frischere Luft macht den Kopf klarer, die verkrampft hochgezogenen Schultern fallen herunter. Mache bewusst kleine, schnelle Schritte, lasse es ein wenig rollen. Entlang die schmale Straße vom Campus II zum Campus I, noch ein paar Meter über den Parkplatz – genug für heute, denn morgen früh ist schon der nächste Lauf – dann in Begleitung – vorgesehen. Der von heute Nachmittag: 5890 m in 39:32 Minuten.

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4 Gedanken zu “Ohne Netz und doppelten Boden

  1. Ojeh, da bin ich ja mit ALice wirklich noch gut dran im Moment. Obwohl ab und zu schlechte Telefonqualität seit über einem Jahr keine Probleme. Den Wechsel zu einem anderen Anbieter werde ich wohl nicht wagen, nach deinem Bericht. Sind doch wirklich alles Schweine! ;-(

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  2. Martin: der Umzug ist der casus knacksus in dem Fall – ich glaube, da ist auch Alice nicht besser. Das kriegen die nicht so schnell hin und irgendwie hat da wohl wirklich die Telekom die Finger im Spiel … das fällt unter „normal“, leider.

    Aber immerhin kannste offensichtlich beruflich surfen, mailen etc. Ist bei uns strikt verboten und fast alle Seiten gesperrt, die nicht dienstlich sind. Nix Blogs, nix Foren, nix Privatmail vom Büro aus. Da sind Ausfallzeiten zu Hause dann richtig bitter – und 1&1 hatte die um den Jahreswechsel rum auch ohne Umzug permanent *roll*

    Wie lebt sichs denn ansonsten im neuen Heim und was machen die Schrebernachbarn?

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  3. Bin ich froh, daß ich bei der alten „Mutter T“ bin. Zwangsweise. Auf dem platten Land muß man froh sein, überhaupt DSL zu haben. Erst seit einigen Monaten wirklich schnell – und das auch noch mit 2 Jahren Vertragsbindung. Die Umstellung auf die „schnelle“ Leitung dauerte insgesamt rund 6 Monate, verbunden mit einigen Abschnitten Totalausfall des Internetzugangs.
    Irgendwie passte dein heutiger Lauf zu deiner virtuellen Situation – zumindest die Beschreibung der Strecke hat was von Notrunde. Morgen aber in schönerer Umgebung bitte! Viel Spaß beim Lauf mit Begleitung.
    lG
    Ralph

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  4. @Martin: Nachdem ich von Arcor, Kabel Deutschland und 1+1 ähnliche Gruselgeschichten gehört habe, bin ich auch geneigt, das so zu formulieren! 😉

    @Lizzy: Ja, Umzug mit DSL ist bei Resale-Verträgen wohl immer schwierig … aber dass freenet offenbar nicht einmal eine Bestellung aufnehmen kann, das sollte eigentlich nicht passieren! 8)
    Internet im Büro geht zum Glück, aber natürlich würde ich private und berufliche Aktivitäten gern besser trennen. Außerdem erledige ich am liebsten auch einen Teil der beruflichen Arbeit daheim (weil es dort ruhiger ist als im Büro) – das fällt nun leider auch flach!
    Ansonsten lebt sich’s sehr nett im neuen Heim, das tröstet über vieles hinweg. Der Schrebergarten ist immer noch ein wenig verwildert, aber nicht so sehr, dass Nachbarn oder Vorstand sich beschwert hätten. Und die Zucchinischwemme nimmt kein Ende! 😉

    @Ralph: „Mutter T“ ist jetzt wohl auch wieder meine erste Option – aber ich hab ja noch ein bisschen Zeit, um mich zu informieren! In die schönere Umgebung geht’s gleich, heute bei strahlendem Sonnenschein!

    lg,
    Anne

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