Wunderheilung

Trier, 14:15 Uhr, 14 Grad, Wolken und Wind – die Wade hält! Nach fünf lauflosen Tagen, von denen ich drei missmutig und humpelnd verbracht habe, hat die Zeit des begrenzten Aktionsradius ein Ende. Sonderbar: Am Mittwoch hatte ich noch solche Schmerzen in der Wade, dass ich mich – vor allem weil die Beschwerden eher zunahmen als verschwanden – zum Arzt geschleppt habe, der mich seinerseits prompt zum Gefäßspezialisten überwies, um eine Thrombose ausschließen zu lassen. Gründliche Sonographie, Ergebnis: Keine Thrombose, zum Glück! Abends noch mit schmerzendem Haxen ins Bett, kaum wissend, wie ich mich am besten hinlegen soll, damit es nicht so ziept! Selbst Voltaren aufzutragen tat weh.

Donnerstagmorgen, ich wache auf, schwinge mich aus dem Bett – irgendwas ist anders! Aber was? Genau, ich kann den Fuß wieder richtig aufsetzen. Es zwickt noch etwas, ja, aber kein Vergleich zum Vortag. Auch der Spannungsschmerz und die Berührungsempfindlichkeit der Wade sind deutlich geringer geworden. Am Freitag dann schon wieder der erste richtige Spaziergang, ohne jegliche Zipperlein.

Und heute Mittag will ich es wissen. Wenigstens ein winzigkleiner regenerativer und sehr vorsichtiger Lauf sollte doch drin sein. Kalt ist es geworden, 14 Grad zeigt das Thermometer auf dem Balkon. Dazu ein kräftiger Wind, der eine wunderbare Herbstatmosphäre zaubert, indem er das welke Birken- und Ahornlaub von den Zweigen pustet und durch die Luft treibt. Ein Wetter wie geschaffen zum Laufen! Hin und wieder lugt sogar die Sonne kurz zwischen den dichten Wolken hervor. Bewusst laufe ich extrem langsam, mache sehr kleine Schritte, die vielleicht etwas schneller sind als sonst. So hoffe ich die Wade möglichst wenig zu belasten.

Unten im Tal sind die ersten Trauben schon geerntet, offenbar mit der Maschine. In den Steillagen wird man aber weiterhin bei der Lese Hand anlegen müssen. Allerdings wird das sicher noch einige Tage dauern. Die Qualität der Trauben an den Hängen ist natürlich ohnehin höher. Und sie lässt sich durch ein paar Oktobersonnentage noch deutlich steigern. In den Treibhäusern der Gärtnerei das Potpourri von Herbstblumen, dazu Tomaten, Lauch, Gurken. Aber ich habe ja selbst noch den Garten voll Gemüse. Erst vorhin habe ich wieder zwei große Zucchini, eine Lauchstange, einige große Möhren und zwei Paprika mitgenommen. Und einen Blaubeerstrauch gepflanzt in der Hoffnung auf eine erste Ernte schon im nächsten Sommer.

Schneckig trabe ich dahin, nur an einem sehr steilen Stück gibt die Wade ein dezentes Protestjaulen von sich. Natürlich erlaube ich ihr sofort eine kleine Gehpause, um sie nicht zu sehr anzuspannen. Ein kurzer Stopp zum Walnüsse sammeln muss auch noch sein. Sehr entspannt und zufrieden lande ich schließlich wieder vor meiner Haustür nach ungefähr 30 Minuten und etwas mehr als 4 Kilometern.

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6 Gedanken zu “Wunderheilung

  1. Oh je, da hattest du ja das volle Programm, sogar mit Arztbesuch, gottlob, es ist alles gut ausgegangen. Du hast es gewagt, bist in den Herbst hinaus gegangen, und ich bin sicher, dass es deinen Beinen, insbesondere deiner Wade auch gut getan hat, dass sie moderat bewegt wieder in Aktion treten durften.

    P.S. Und gepflanzt wird auch schon wieder !

    Die Welt ist in Ordnung ! 😉

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  2. Na bitte, liebe Anne, Du bist wieder gut unterwegs! Es tut gut zu lesen, dass Körper und Seele im Einklang sind, dass Du beim ersten Laufversuch auch wieder den Blick für die Schönheiten um Dich herum hattest und Dich rundum wohlgefühlt hast. Und bei „Wunderheilungen“ sind meistens ja ganz besondere Kräfte mit im Spiel … 😉 Genieße es und lass Dir Zeit bei der weiteren Heilung!

    Eigenartig: Bei mir wird es heute Abend wieder mal den Sardinischen Zucchinikuchen geben; Paprika und Möhren sind für den Salat vorgesehen. Aber Deine Garten-Früchte schmecken aber sicherlich besser als meine.

    Vielen Dank für diesen fröhlichen Spontanbericht. So kann es weiter gehen! 🙂

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  3. @Margitta: Wade im Lot, Garten im Lot, viele andere Dinge im Lot 8) – die Welt ist in Ordnung. Dankeschön!

    @Foxi: Über die besonderen Kräfte habe ich mir auch schon den Kopf zerbrochen 😉 Genieß deinen Zucchinikuchen! Ich habe das Rezept neulich auch einmal probiert – sehr, sehr lecker! Danke, lieber Peter!

    @Martin: Genau, Hauptsache gesund! Dankeschön, Martin!

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  4. Da bin ich ja erleichtert, daß es dir wieder besser geht! Nachdem ich den Teil unseres gemeinsamen Laufabenteuers gelesen hatte, den ich nicht mehr miterlebt habe, machte ich mir richtig Sorgen um dich (und auch Foxi!). Da beruhigt es richtig, zu lesen, daß du ein kleines Läufchen gewagt hast. Und es hat dir gut getan – so soll es sein!
    Ich drücke die Daumen, daß es weiter aufwärts geht und bin schon gespannt auf die nächsten Heldentaten, die ich hier lesen darf 🙂
    lG
    Ralph

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    • Dankeschön, Ralph! Inzwischen sind alle Beteiligten wiederhergestellt und laufend unterwegs – ich war auch heute wieder auf der Piste, inzwischen völlig beschwerdefrei!

      lg,
      Anne

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