Schneckig-schlapp

Gewitterschwüle liegt über der Stadt. In einigen Teilen des Stadtgebiets hat es offenbar kräftige Schauer gegeben, denn der Moselradweg ist nass, als ich ihn an diesem Sonntagmittag gegen 12 Uhr entlang schleiche. Will sagen: Krieche, mich also nach Schneckenart fortbewege. Mir ist so schneckig heute. Die Wärme. Die hohe Luftfeuchtigkeit. Die müden Beine nach einem anstrengenden Vortag ohne Trainingseinheit, dafür mit viel Lauferei durch die Stadt. Ein Anflug von Erkältung. Ein Hauch von Post-Stress-Depression nach den Anstrengungen der letzten Monate und einem ärgerlichen Missgeschick, dass mich möglicherweise noch ziemlich viel Geld kosten wird. Und überhaupt.

Aber gut. Das schlappe Gefühl bringt mich dazu, mal ganz konsequent auf meinen Puls zu achten und ihn sehr niedrig zu halten. Mit einem Durchschnitt von 72 % habe ich seit Ewigkeiten keine Laufeinheit mehr absolviert. Aber es ist möglich, wie der heutige Lauf mal wieder zeigt.

Genug der technischen Details. Viel mehr ist allerdings auch kaum zu berichten: Zu viel Verkehr an der Mosel, denn wegen einiger Großbaustellen in der Innenstadt wird der Verkehr umgeleitet. Zusätzlich spült wohl die Sperrung einer Grenzbrücke zu Luxemburg weitere Autos auf die Uferstraße. Angenehm ist es erst wieder am anderen Moselufer. Hier blühen fast 3 Meter hohen gelbe Blumen, deren Blüten ähnlich wie die von Margeritten aussehen. Ein paar Schwäne gleiten über das Wasser, ein Ausflugsboot dicht gedrängt voller Touristen kommt mir entgegen. Die Ruderer vom „Treviris“ tragen nach dem Vormittagstraining gerade ihren Vierer zurück ins Bootshaus. Rudern muss auch ein toller (aber anstrengender!) Sport sein! Meine Laufpartnerin schwärmt immer wieder davon. Andererseits: Wasser ist so nass! Und das wackelt so im Boot! Und ich werde doch so leicht seekrank!

An der Adenauer-Brücke endet der friedliche Part kurzzeitig; ich passiere die Filiale des Klopsbraters und kreuze die Brücke, um noch bis zur Staustufe flussaufwärts zu laufen. Nur etwa ein Kilometer, dann darf ich wieder die Straße überqueren, den kleinen Anstieg über die Eisenbahnbrücke nehmen und an der Bahn entlang ganz friedlich und ungestört zu den Mattheiser Weihern traben. 1 1/2 Runden um die idyllische Teich- und Parklandschaft, vorbei am belebten Kinderspielplatz und „Milliunen Leut“, wie der Trierer jegliche Menschenansammlung von mehr als drei Personen bezeichnet. Ganz entspannt trotte ich dahin, bemüht, nicht zu schlurfen und brav die Füße zu heben. Nach dem Wettkampf und den anstrengenden letzten Trainingseinheiten (und überhaupt!) brauche ich so einen Lauf zum „Auftanken“. Randvoll mit Herbstsonnenstrahlen und sehr entspannt lande ich wieder vor meiner Haustür nach 11.100 m in 1:11:25.

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7 Gedanken zu “Schneckig-schlapp

  1. Liebe Anne,

    die Gewitterluft macht einfach schneckig. Mein Herr Fuchs hat mich heute trailmäßig über Wiesenwege und Waldtrampelpfade hetzen wollen. Wie gut, dass ich wieder auf Fotos (werden nachgeliefert) aus war, so habe ich mich nicht stressen lassen. Die Luftfeuchtigkeit war echt gemein. Schön, dass Du trotzdem auftanken konntest. Scheinst ja ähnlich gestrickt zu sein wie ich! 😉
    Wünsche Dir eine schöne Woche

    LG Moni

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  2. Hallo,

    ja rudern ist toll, gestern, nach ein-jähriger Ruderpause saß ich mal wieder im Boot, im Frauenachter… angst hat ich, das ich es nicht mehr kann… aber es war alsob ich nie aufgehört hatte. Wen man einmal Rudern kann, dann verlernt man es nicht mehr, (nach ein paar anfänglichen Trainingseinheiten ist für jeden das Wasser nicht mehr nass und das Boot kippelt nicht mehr 😉
    Es ist nie zu spät was neues auszurobieren 😉 Es lohnt sich 🙂 Laufen ist aber auch schön zu erleben, zumindest so wie du es beschreibst, ich komm vor Lauf Faulheit (und Radel-Sucht) nur zu den ekeligen Intervallen auf der Bahn, zum Glück ist bald Winter da schnür ich hoffentlich öfters die Schuhe 😉 und genieß mal nen Lauf.

    Gruß Josi

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  3. “ Randvoll mit Herbstsonnenstrahlen und sehr entspannt lande ich wieder vor meiner Haustür“.

    Ist es nicht das, was beim Laufen am erstrebenswertesten ist ?

    Also , ich finde ja !

    Und ich kann immer wieder feststellen – auch bei dir – dass langsame Schlapp-Schritte der Seele und dem Körper meist nur Positives bringen und dass harte Trainingsläufe oft mit negativen Erscheinungen verbunden sind.

    Warum laufen wir ?
    Genau !
    Um uns fit zu halten,
    um uns abzulenken
    von den Sorgen des Alltags
    um uns richtig gut zu fühlen
    und das gelingt uns
    meist mit langen, langsamen Läufen
    jedenfalls bei mir

    Wünsche dir eine schöne Woche ohne Ärger und viele schöne, entspannende Läufe für Körper und Seele !

    Amen hätte ich jetzt fast gesagt ! 😉

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  4. @Moni: Trotzdem aufgetankt – oder gerade deshalb? Wie auch immer, wir sind offenbar wirklich sehr ähnlich gestrickt! Und für ein schönes Fotos bin ich eigentlich immer bereit, auf Tempo zu verzichten oder einen Lauf zu unterbrechen, wenn die Kamera dabei ist. 8) Dir auch eine gute Woche, dankeschön!

    @Josi: Irgendwann bin ich vielleicht auch im Boot … es beruhigt mich, was du schreibst, dankeschön! Was deine Aktivitäten angeht: Ich würde jetzt auch das Radeln genießen, wenn es dir so viel Spaß macht! Laufen kann man auch dann, wenn die Bedingungen für’s Radfahren zu schlecht werden (Dunkelheit, glatte Straßen …). Dann wünsch‘ ich dir auch viele Genussläufe!

    @Margitta: Genau, wir verstehen uns – wie immer! 😉 Ich laufe vor allem, damit es mir gut/besser geht, nicht um irgendwelche Bestzeiten zu toppen. Manchmal geht’s mir beim Austoben gut, aber meist sind eben die langsamen Läufe dafür viel geeigneter! Dankeschön für die guten Wünsche, liebe Margitta!

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  5. “ Randvoll mit Herbstsonnenstrahlen und sehr entspannt lande ich wieder vor meiner Haustür“.

    Dankeschön, liebe Anne, für Deinen Bericht von einem schönen, schneckigen Herbstlauf, bei dem eben mal „nichts Großes gerissen“ wurde. Na und? Manchmal ist anderes wichtiger. Und Du hast auch sehr präzise (wie immer) die Hintergründe und Ursachen beschrieben.

    „Hier blühen fast 3 Meter hohen gelbe Blumen…“
    Hier auch. Sie sind nicht ganz so hoch, aber strahlen mit der Sonne um die Wette. Als Belohnung für den Lauf und den Bericht lege ich Dir ein paar vor die Tür. 😉

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  6. Auftanken- Streß abschütteln: das ist es doch, was durch unser Hobby erleichtert wird 🙂 .Dabei etwas zu schnecken, gerade bei Gewitterluft, ist immer erlaubt. Dann noch die ganze Umgebung aufnehmen – und erfüllt von den Herbstsonnenstrahlen zurückkehren. So soll es sein!
    lG
    Ralph

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  7. @Foxi: Dankeschön für die wunderbaren Blumen – sie sind vor meiner virtuellen Tür angekommen und gleich in der Vase gelandet! 😉

    @Ralph: Dein letzter Laufbericht liest sich ein wenig ähnlich wie meiner – Laufen als Anti-Stress-Therapie. Haben wir es nicht gut, jetzt, wo wir das Hobby „Laufen“ entdeckt haben und pflegen? 8)

    lG,
    Anne

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