Dich jagt doch keiner!

„Dich jagt doch keiner!“ hieß es bei uns daheim, um auszudrücken, dass man sich bei einer Sache Zeit lassen könne, die Dinge ruhig angehen solle, entspannt und gelöst bleiben dürfe. Eigentlich jagt mich wirklich keiner. In dieser Woche könnte ich meine Hausaufgaben für die Route du Vin in Remich machen, indem ich mich vom Merziger Halbmarathon erhole, langsam bis locker laufe, am Wochenende einen richtig schönen LaLaLa mache.

Warum um alles in der Welt renne ich dann an der Mosel entlang, als hätte ich nicht mehr alle Latten am Zaun? Gut, kein 5er-Wettkampftempo. Aber mit 5:45 bis 5:50 bin ich zu schnell. Zu schnell für einen Tempolauf. Zu schnell für Intervalle im Halbmarathon-Tempo. Zu schnell gemessen daran, dass die Nachwehen des Sonntags gerade erst verklingen. Aber es ist mein Tempo heute, zumindest auf den ersten Kilometern. Das Tempo, das vom Verlassen der Wohnung an in meinen Beinen steckt und auf die Straße will. Gut, dann darf es das eben, ein Stückchen wenigstens, ein paar Kilometerchen. Auch wenn es unvernünftig ist. Wenn es sehr unvernünftig wird, sprich: wehtut oder zu weit in den roten Bereich geht oder wenn ich schlicht keine Lust mehr habe, wird gebremst.

Und schneller zu laufen als gewohnt fühlt sich gut und richtig an. Und es kann Spaß machen! Und es lenkt noch dazu vom unangenehmen Drumherum ab: Feierabendverkehr, zahllose Autos, drängelnde Menschen, Radfahrer an Radfahrer, Hund an Hund, Spaziergänger an Spaziergänger. Nie wieder zwischen 18 und 19 Uhr laufen, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt! Dann doch lieber die beim Discounter erbeutete Stirnlampe zum Einsatz bringen und später auf die Piste gehen. Oder morgens laufen. Oder Richtung Wald laufen. Aber da wird es um diese Zeit kaum besser sein. Nicht dass man mich falsch versteht: Ich gönne den Radfahrern und Spaziergängern ihre Wege und auch den Hunden ihren Auslauf (solange sie ihr Geschäft nicht mitten auf dem Weg hinterlassen). Nur manchmal ist ihr rudelweises Auftreten einfach lästig!

Dann ist heute also mal eher Rennen statt Sammeln von Eindrücken angesagt! Auch gut! Aber 4 Kilometer Austoben reichen mir dann doch, ich spüre die Müdigkeit in den Beinen und mag nicht mehr schnell durch die Gegend wetzen. So stoppe ich kurz hinter der Adenauer-Brücke, überquere die Uferstraße und laufe in den Seitenstraßen Richtung Heimat noch gut 2 1/2 Kilometer aus. Immerhin: Der Regen, auf den ich heute wirklich keine Lust gehabt hätte, ist mir erspart geblieben. So bleibt trotz der Übervölkerung unterwegs ein positives Fazit, verbunden mit der freudigen Erkenntnis: Ich bin doch noch (oder wieder) in der Lage, mehrere Kilometer am Stück unter 6:00 zu laufen, ohne dabei oder hinterher übermäßig angestrengt zu sein. Na bitte, es wird doch!

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3 Gedanken zu “Dich jagt doch keiner!

  1. Ach, Du warst auch shoppen 😉 !
    Wenn die Lust auf richtig Tempo machen mal da ist, soll man sie nutzen. So herum ist es doch viel besser, als wenn im Plan Tempo steht und man absolut keine Lust dazu hat. Gut, daß Du dem Drang nachgegeben hast.
    lG
    Ralph

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  2. Klaro, es wird, hast du auch nur eine einzige Minute daran gezweifelt ?

    Gut Ding braucht Zeit, ist zwar abgedroschen, aber……………

    Auch mal schneller laufen, das macht Spaß, solange es die Beine und auch die Luft erlauben, dann darf es wieder langsamer werden und macht in meinen Augen genauso viel Spaß.

    Du bist auf dem richtigen Weg, wir werden noch viel von dir hören, lesen, staunen, ja, ja ! 😉

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  3. @Ralph: Ja, aber ich war tapfer: Nur Stirnlampe und eine Tight. Und recht hast du: Tempoläufe klappen eigentlich nur dann wirklich gut, wenn die Beine wollen. Sich dazu zu zwingen, das ist irgendwie nichts Wahres – bei mir kommt dann auch meist nicht das raus, was eigentlich sollte!

    @Margitta: Mal schnell, mal langsam, alles zu seiner Zeit, genau, und alles kann gleichermaßen viel Spaß machen!

    Eine herausragende Läuferin werde ich in diesem Leben sicher nicht mehr, dazu fehlt mir eindeutig das Talent. Aber ich bin völlig zufrieden damit, meine individuellen Möglichkeiten auszutesten und meine Leistungsgrenzen auszuloten, vielleicht peu á peu weiter hinauszuschieben. Wenn das Ergebnis dieser Bemühungen mich in den Ranglisten als „mittelmäßig“ ausweist, dann ist das eben so und trübt die Lauffreude nicht im Geringsten! 🙂

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