Heimweg im Bummeltempo

Wie gestaltet man sein Training nach einem Halbmarathon-Rennen, das eigentlich kein Rennen war, sondern ein lockerer bis zügiger langer Trainingslauf, der aber angesichts bescheidener läuferischer Grundlagen eigentlich viel zu lang für einen lockeren bis zügigen Trainingslauf war? Rekom-Tempo ist immer gut, in dem einen wie dem anderen Fall. Und wenn große Teile der Strecke auch noch über flache oder gar leicht abschüssige Wege führen, dann kann das so verkehrt nicht sein, um sich weiter zu erholen.

Gegen 18:45 Uhr starte ich vom Büro aus, blöderweise viel zu warm angezogen. Gestern fror ich im T-Shirt ganz erbärmlich, als ich um etwa die gleiche Zeit zu Fuß heimging. Das dünne Langarmshirt ist dagegen heute eindeutig die falsche Wahl, zumal ich auch noch eine Weste dabei habe, um Schlüssel, Geldbörse und Handy zu transportieren. Merke: Verschiedene Shirts im Büro deponieren, am besten welche mit Rückentasche! Ich weiß schon, warum ich ansonsten gern Radtrikots zum Laufen anziehe.

Das Läufchen führt mich über bekannte Pfade: Mein alter Heimweg durch den Uni-Park, an der Wiese unterhalb des alten Militärhospitals entlang und in die Weinberge, auf dem Feldweg zurück bis zum Gartenschaugelände, ein Stück bergab, am nächsten Abzweig wieder den Feldweg parallel zum Hang entlang usw.usw. im Zickzack Richtung Tal. Locker fühlt es sich an! Da zwickt mal kurz der Oberschenkel, dort murrt das Schienbein leise. Aber trotzdem und obwohl ich die Weste ausziehen und mir wie ein Handtuch um den Nacken hängen muss (SEHR störend, aber sie in der Hand zu halten, macht den Laufstil auch nicht besser), läuft es rund.

An der Brettenbach-Kreuzung mit dem weißen Obelisken (man beachte: Trierer Gymnasiasten ließen ihn einst zum Gedenken an ihren geschätzten Mathematiklehrer errichten!) überquere ich die Hauptstraße und trudele auf dem Weg entlang des Bachs und durch die Kleingärten aus. 5.500 m in 37:29 Sekunden, das langt.

Noch schnell vor Einbruch der Dämmerung die Auberginen und den frisch gesäten Spinat, Feldsalat und Rucola gießen, ein wenig Unkraut zupfen, von Nachbars Baum (pssssssst!) einen der unzähligen intensiv duftenden, rotwangigen reifen Pfirsiche stibitzen, die sich im Magen so gut mit den (vom eigenen Strauch!) genaschten Brombeeren verstehen, dann kann ich entspannt und befriedigt die nur knapp 500 Meter nach Hause schlappen. Einfach genial, wie leicht und mit wie wenig Zeitverlust durch Umwege sich Arbeit, Laufen und Gartenbesuch dank des Umzugs verbinden lassen!

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3 Gedanken zu “Heimweg im Bummeltempo

  1. Da könnte ich glatt neidisch werden, wenn ich hier lese, daß Du von der Arbeit heimlaufen kannst. Nur an dem Vorrat an Laufklamotten mußt Du noch arbeiten.
    Ein schöner, regenerativer Lauf – genau richtig nach Merzig.
    lG
    Ralph

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  2. Liest sich sehr entspannt, ein Lauf nach Feierabend , zugegebenermaßen ein wenig falsch angezogen (zu warm ist fast schlimmer als zu kalt ).

    Ein Obelisk im Gedenken an den Mathematik-Lehrer, o weia, das hätte unserer nicht verdient, muss ja ein toller Hirsch gewesen sein !

    Nun gut,das Stibitzen in Nachbars Garten (tut Frau so etwas ? Tz, tz !) haben wir mal überlesen, eines steht fest, du hast alles richtig gemacht hinsichtlich deines Umzugs, so wie man von einer zufriedenen Läuferin lesen kann.

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  3. @Ralph: Den Büro-Vorrat habe ich heute sofort aufgestockt, um für alle Fälle gerüstet zu sein.

    @Margitta: Ja, bei „zu kalt“ kann man wenigstens versuchen schneller zu laufen, aber bei zu warm ist nichts mehr zu retten. Und das mit dem Stibitzen kann ich rechtfertigen: Die Zweige hängen über die Grundstücksgrenze und erdrücken meine Johannisbeersträucher unter ihrem Gewicht, also handelt es sich sozusagen um Mundraub als Notwehrmaßnahme. 8)

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