Kleine Quasselrunde

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen! Neulich habe ich mich in einem Blogeintrag über Herrn und Frau Dampfmaschine beschwert, die mir durch lautstarkes Gequassel und Geschnaufe beinahe meinen Morgenlauf vergällt hätten, wäre ich ihnen nicht durch eine Beschleunigung meines Lauftempos entkommen. Heute quassele ich selbst, höre beim Quasseln zu, lache, kommentiere, frage, empöre mich, mache meine Späßchen. Und ich schnaufe auch, hin und wieder wenigstens. Und trotzdem: Das ist gut so!

Erstmals seit Monaten habe ich mich wieder mit meiner Laufpartnerin verabredet, mit der ich 2005 systematisch zu laufen begonnen habe. „Damals“ war es ein gemeinsamer Start mit guten Vorsätzen, „natürlich“ Anfang Januar. Allerdings weniger dem Jahresbeginn geschuldet als vielmehr der Tatsache, dass wir beide unabhängig voneinander beim Silvesterlauf die bittere Erfahrung machen mussten, zweimal (!) überrundet zu werden und mit den Letzten ins Ziel zu trudeln, nur wenige Sekunden voneinander getrennt. So ein Erlebnis wurmt eine halbwegs ehrgeizige Frau ganz schön. Zugleich stachelt es sie an, gezielt etwas zu unternehmen, damit sich dieses Fiasko nicht wiederholt.

Ergo hatte eine von uns (war ich das oder sie?) eine Kleinanzeige auf einer lokalen Website geschaltet, um eine Laufpartnerin zu finden. Und dann war die andere da und los ging’s! Unzählige Kilometer durch den Tiergarten und über die angrenzenden Höhenzüge oder entlang der Mosel, gemeinsame Teilnahmen am Trierer Stadtlauf und wieder beim Silvesterlauf. Nur die Halbmarathons habe ich allein bestritten, weil sie nebenbei noch eine weitere Sportart betreibt und nicht so viel Zeit investieren konnte.

Tja, irgendwie und irgendwann schlief das Ganze ein. Lag’s an meinen höheren Laufzielen, am Zeitmangel, an anderen Verpflichtungen? Weiß ich nicht mehr! Wie auch immer: Wir laufen wieder! Nicht nur jede für sich und mit anderen Laufpartnerinnen, sondern auch gemeinsam. Ab und an wenigstens, so der Plan! Gestern quasi zum Warmwerden meine alte und neue Hausrunde durch den Tiergarten. Knappe 6 Kilometerchen traben wir in der spätsommerlichen Abendwärme, zwischen Weinberg und Wiese, im Wald, am Stadtrand entlang. Langsam bis locker, genau passend heute. Nachdem ich bereits gestern und vorgestern eine Runde absolviert hatte, wäre mehr und schneller zu viel gewesen. Das Tempo lässt Luft zum Quatschen. Und zu quatschen gibt es genug. Zu unserer Verteidigung ist zu sagen, dass wir niemanden damit belästigen, bedrohen oder sonst wie beeinträchtigen. Zumindest sehen wir niemanden die Flucht ergreifen, die Haare raufen oder verzweifelt mit den Augen rollen! Und die Zeit vergeht wie im Flug, auch wenn wir – betrachtet man unser Tempo – definitiv nicht fliegen. So endet ein schöner, entspannter Feierabendlauf von der Haustür zurück zur Haustür nach 5.930 m in 41:16 Minuten.

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8 Gedanken zu “Kleine Quasselrunde

  1. Hi, du kleine Quasselstrippe, schön, dich in Begleitung auf der Piste zu sehen, ab und an macht das schon Spaß, wichtig ist auch, dass man sich auf den Partner verlassen kann, denn es soll Menschen geben, die spät, später oder nie zur Verabredung kommen, das macht man einmal mit, aber kein zweites Mal,auch das habe ich erlebt.

    Vorteil: Die Zeit geht schneller vorbei, weil man sich verquasselt.
    Nachteil: Keine Zeit zum Insichgehen, nachdenken, schöpferisch zu werden.

    Na ja, alles zu seiner Zeit, aber ab und an finde ich gemeinsames Laufen auch gut, immer vorausgesetzt, man versteht sich !

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  2. So eine gemeinsame Runde tut gut! Schön, daß es mit Deiner alten Laufpartnerin mal wieder geklappt hat und daß ihr offensichtlich immer noch gut miteinander zurecht kommt. Wäre doch schön, wenn ihr das hin und wieder wiederholen könntet.
    Und an anderen Tagen kannst Du alleine laufen, wie es Dir gerade passt!
    lG
    Ralph

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  3. @Margitta: Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sind zum Glück uns beiden unglaublich wichtig! Das klappt also super! Und da ich wie du die Vor- und Nachteile gemeinsamen Laufens sehe, wird es immer beides für mich geben: Gemeinsame Quassel-Läufe und einsame Denk- und Träum-Runden.

    @Ralph: Ja, ich hoffe auch, dass wir das ab und zu wiederholen werden. Wie gesagt, beides hat seinen Reiz: Das Alleinlaufen und das Training zu zweit oder zu mehreren. Wir nehmen einfach mit, was wir kriegen, du im Verein, ich mit Laufpartnerin, gell?!

    LG,
    Anne

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  4. bei einer 5km-Strecke, die in fünf 1km-Runden gelaufen wird, finde ich es ganz normal, zweimal überrundet zu werden. Eigentlich nur erstaunlich, dass ihr dabei keinen Drehwurm bekommen habt ;o)

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  5. Ach das Überrunden kenne ich auch. Denke da mit Schrecken an einen Läuferabend an dem ich im Stdion auch zweitletzter wurde- und ebenfalls zwei mal überrundet wurde. Aber ich habe daran gelernt- ich laufe da nicht mehr mit ! 🙂
    Meine Frau macht ähnliche Erfahrungen wie du sie gemacht hast. Ihre Laufpartnerin die sie immer Dienstags begleitet hat, hört wohl komplett mit dem Laufen auf. Einach Mist!
    Schön, dass ihr Euch wieder gefunden habt!

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  6. @Lizzy: Ja, inzwischen weiß ich, dass es normal ist … auch wenn ich vergangenes Silvester SOOOOO stolz war, dass es bei einer Überrundung geblieben ist! 😉 Der Drehwurm ist gar nicht so sehr das Problem, eher das Mitzählen. Man sollte ja eigentlich meinen, ein erwachsener Mensch beherrsche den Zahlenraum von 1 bis 5. Aber während eines 5 km-Laufs gilt das offensichtlich nur sehr begrenzt! 8)

    @Martin: Hallo Leidensgenosse! Nicht mehr mitlaufen ist eine Möglichkeit, schneller laufen die andere! Und so wie du bei deinem letzten M ins Ziel geflogen bist, würde ich sagen: Dich überrundet keiner mehr zweimal! 😉
    So ein Mist, dass Pias Laufpartnerin abspringt – ich hoffe sehr für sie, dass sie bald einen zuverlässigen Ersatz findet! Sie hat so viel erreicht in den letzten Monaten, das darf einfach nicht „den Bach runtergehen“. Vielleicht eignet sich ja auch für sie das Internet als Kontaktbörse?!

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  7. Ja, ja, das mit dem Glashaus ist so eine ganz besondere Sache! 😉
    Aber ich freue mich mit Dir, dass Du jemanden (wieder)gefunden hast, mit dem Du Dich verstehst und laufen kannst. So werden die Kilometerchen laufend verquatscht … und eine schöne Tempokontrolle ist das doch auch noch.

    Ich wünsche Dir beides, was Dir wichtig ist: Allein unterwegs zu sein UND einzelne Etappen in Gemeinschaft zurückzulegen. Alles zu seiner Zeit. 🙂

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