Sittsam

Mit liebem und hilfreichem Besuch ist das so eine Sache! Man freut sich sehr, dass er da ist, genießt seine Unterstützung beim Andübeln des Badezimmerschranks, backt für ihn gern einen frischen Zwetschgenkuchen, schlägt ein Sahnegebirge dazu und „verquatscht“ freudig mit ihm den Nachmittag. Und trotzdem sehnt man ihn irgendwann fort, wenn man müde wird oder wenn man noch andere Pläne hat. Und wenn er dann allzu „sittsam“ ist, dann grummelt man ein wenig, weil die Pläne ins Wasser fallen. Trotzdem macht man das Beste daraus.

20:15 Uhr ist es, als ich endlich zu einem Läufchen aufbreche, das eigentlich ein Lalala werden sollte. Aber dafür reichen Zeit und Motivation nicht, wie ich mir nach 1,5 Kilometern endlich eingestehe. Die kurze Tiergarten-Runde soll reichen am heutigen Abend, ganz entspannt, verträumt und mit dem Ziel, nach dem lebhaften Nachmittag zur Ruhe zu kommen. Ich genieße die hereinbrechende Dämmerung, das Zirpen der Grillen beim Abendkonzert, den Geruch des Spätsommers und die frische Luft an den nackten Beinen.

Es kühlt sich doch schon sehr ab gegen Abend, darum bin ich froh, dass ich eine dünne Jacke über das Shirt gezogen habe. Noch dazu wird es so unglaublich früh dunkel. Auf dem schmalen Waldweg habe ich bereits Mühe, mögliche Hindernisse zu erkennen, und sehe mich daher sehr vor. Aus dem Waldstück mit den Wochenendhäusern dringt laute Musik herüber, Stimmengewirr – ein Grillfest zum Ausklang des Sommers?

Langsam und gemütlich ziehe ich meine Bahn, hinaus aus dem Wald, an der Gärtnerei vorbei, in deren Treibhaus die Alpenveilchen-Saison begonnen hat, am Weingut, dessen voll belegter Parkplatz mit zwei Reisebussen und zahlreichen Autos auf lebhaften Besuch schließen lässt. Nur noch ein paar hundert Meter bis zum Stadtrand, leicht bergauf an Wiese und Weinberg entlang, zwischen den Häuserblocks hindurch, dann endet ein kleines, schneckiges Abendläufchen im Fast-Dunkel nach 6.070 m in 43:05 Minuten.

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3 Gedanken zu “Sittsam

  1. So ist das mit Besuch – doch mit seiner Hilfe hast Du wieder etwas zur Verschönerung des neuen Heims erledigen können. Es hat wenigstens noch zu einer kleinen Abendrunde gereicht. An die frühere Dunkelheit müssen wir uns leider wieder gewöhnen – schade.
    lG
    Ralph

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  2. Ach, liebe Anne, wie wahr, wie wahr, man freut sich auf liebe Gäste, Freunde etc. pp, aber es kommt der Zeitpunkt, da ist man froh, wieder alleine zu sein, ich glaube, das kennen wir alle.

    20.15 muss es werden (da wird es ja schon fast dunkel !), bis Anne zum Laufen kommt, und dann wird es ein schönes, entspannendes, schneckiges Läufchen, du machst deinem Namen alle Ehre.

    Schön, ich liebe solche Läufe in aller Ruhe zum Insichgehen ! 8)

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  3. @Ralph: Ja, die Stirnlampensaison rückt näher! Mein Aldi-Modell hat leider den Geist aufgegeben, da muss wohl eine neue her … ;(

    @Margitta: Ein richtiges Schneckenläufchen, genau passend zur Stimmung … du weißt, wie schön es ist, einfach mal so entspannt dahinzutraben, gell?

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