Wo es bergauf geht, …

… geht es irgendwann auch wieder bergab! Zum Glück! Und zum Glück dauert es in den Trierer Mittelgebirgsausläufern nicht endlos, bis es wieder bergab geht, sondern – in diesem Fall – nur so 3,5 Kilometer. Aber nach denen war ich auch bedient.

Sonntag, 9:30 Uhr. Eigentlich hätte das ein Morgenlauf werden sollen. Eigentlich … Aber dann waren da: Am Samstagabend ein Kleingärtner-Sommerfest an einem Lagerfeuer, das unschuldige, wohlriechende Menschen in miefende Grillwürstchen verwandelte und eine nächtliche Grundreinigung des Körpers erforderlich machte. Ein schönes Telefonat bis kurz vor Mitternacht. Und Berge von Umzugskisten, die riefen: „Pack mich aus, pack mich aus!“. Schließlich in irgendeiner Kiste gut versteckt die Laufsocken. Die antworteten leider nicht, als ich meinerseits nach ihnen rief.

Also statt 6:30 Uhr 9:30 Uhr, beginnende Tagesschwüle statt angenehmer Morgenfrische. Der erste Lauf seit Tagen, der Umzug forderte mich körperlich so sehr, dass schlicht die Kraft zum Laufen fehlte. Aber wenigstens die „Langen“ in der Halbmarathon-Vorbereitung will ich einigermaßen plangemäß absolvieren. Zwischen 15 und 17 Kilometer sollen es heute werden. Also zunächst auf verschlungenen Pfaden Richtung St. Matthias, an der Bahn entlang, hinunter zur Staustufe und moselaufwärts Richtung Konz. Trotz des teils auffrischenden Windes ist es unangenehm warm. Hmmmm? Ich könnte doch die Waldstrecke laufen, die ihr früher gelegentlich geradelt bin und an die ein freundlicher Mitblogger namens midlifecrisis mich neulich erinnert hat! Es geht zwar ein wenig bergauf, aber gut, dafür laufe ich im Wald, ergo: im Schatten!

Die Unterführung am Estricher Hof ist immer noch so eklig und siffig wie früher. Auf der anderen Seite führt ein Sträßchen hoch auf den Löllberg, ein „etwas“ gediegeneres Wohnviertel mit riesigen Häusern auf parkähnlichen Grundstücken, die von ziemlich widerwärtigen Hunden bewacht werden. Aber ich nehme ohnehin den links ins Tal abzweigenden Feldweg. Der grobe Schotterbelag macht das Laufen zu einer Koordinationsübung und ich muss dem Weg mehr Aufmerksamkeit schenken, als mir lieb ist. So kann ich den Blick über die Wiese und an den Rand des lichten Mischwaldes nicht so intensiv genießen, wie ich es gern tun würde. Nach ungefähr 500 Metern biege ich in den Wald ein. Wunderschön finde ich es hier, rechts der Mischwald, links ein relativ steil abfallender, buchenbestandener Hang, der in einem lichten Talgrund endet. Im Frühjahr ist alles mit weißen und gelben Blumen übersät, dazu das Lindgrün der jungen Buchenblätter, einfach ein Traum!

Allerdings wird der bislang schon ganz sanft ansteigende Weg etwas steiler. Nicht wirklich schlimm, aber nervtötend. In meiner Erinnerung habe ich die Steigung offenbar ein wenig verklärt. Langsam, sehr langsam schlappe ich vor mich hin, um den Puls nicht in astronomische Höhen zu jagen. Am liebsten würde ich umkehren. Aber Frau Weinbergschnecke kneift nicht, neinnein! Denn wo es bergauf geht, …! Und ich habe ja meinen Trinkgurt dabei und kann gelegentlich an einem der kleinen Fläschchen mit einem Apfelschorle-Leitungswasser-Gemisch nuckeln.

Noch ein kleines Stückchen Steigung, dann kommt Haus Kobenbach in Sicht, ein sehr einsam gelegenes Erholungsheim der AWO mit einem reichhaltigen Obstgarten. Der Feldweg geht in ein asphaltiertes Sträßchen über. Noch ein Stück durch die Felder, um den 7. Kilometer vollzumachen, vorbei an einen Pärchen mit zwei ziemlich missgestimmten, unfreundlichen großen Hunden, die sich nur mühsam bändigen lassen und mich wohl am liebsten als Kauknochen benutzen würden.

An der Bundesstraße überlege ich kurz, einen anderen Weg zurück zu nehmen. Aber im Mattheiser Wald habe ich mich schon einmal verlaufen und musste dann fast 3 Kilometer auf der Straße (ohne Radweg und Seitenstreifen wohlgemerkt) zurücklegen, um angesichts eines aufziehenden Gewitters wieder rechtzeitig in der Zivilisation zu sein. Außerdem will ich testen, wie sich der eben noch mühsam hinaufgeschneckte Weg bergab anfühlt. Also eine Wende um 180 Grad, zurück durch die Felder, an Haus und seinem Obstgarten vorbei, hinunter den Waldweg.

Die Beine laufen wie von selbst, ich muss eher noch ein wenig bremsen, um nicht bei einem unvorsichtigen Schritt auf dem groben Schotter umzuknicken. Wo bergauf kaum mehr als 8:00/km drin waren, geht es nun im 5:45er Schnitt dahin. Unangenehm nur die Steine auf dem Weg, die teils durch die Schuhe deutlich zu spüren sind. Die letzten 500 m laufe ich daher auf dem Grasstreifen zwischen den Fahrspuren. Lieber im hohen Gras die Füße heben als noch länger den Schotter unter den Schlappen.

Wieder durch die schmuddelige Unterführung, dann moselabwärts bis kurz hinter die Römerbrücke. Langsam werden die Beine schwer. Laufe hoch zur Brücke, die roten Ampeln an der Uferstraße erlauben einen sehnlich herbeigesehnten Gehstopp. Noch ein Zickzackkilometerchen durch Trier Süd mit seinen wunderschönen Straßenzügen aus der Gründerzeit, die die Bombardements des 2. Weltkriegs halbwegs unbeschadet überstanden haben. Zeitung und Brötchen beim Bäcker „einsammeln“, im zügigen Gehschritt den steilen Stich hinter dem Südbahnhof hinauf nach Heiligkreuz. Noch ein paar hundert Meter laufen – Tagesziel erreicht nach 16.120 m in 1:50:07.

Advertisements

6 Gedanken zu “Wo es bergauf geht, …

  1. Gestern flüchtete ich auch in den Wald – allerdings eine Stunde später als Du. Beim Blick auf das Thermometer sah es ja ganz harmlos aus – aber die stach erbarmungslos.
    Riesenrespekt, daß Du Dich trotz Umzugsstreß doch noch dieser großen Runde aufraffen konntest! So schneckig war die Zeit nun auch wieder nicht…
    lG
    Ralph

    Gefällt mir

  2. Hallo, liebe Anne,

    du wirst es nicht glauben, aber ich kann derzeit deinen Blog nicht abonnieren, weiß der Geier, woran das liegen mag, Jetzt habe ich es mal via deines Blogs versucht, mal sehen !

    Dass deine Socken sich nicht melden, wo sie sich gerade befinden, ist ja auch der Hammer, solltest mal ordentlich Bescheid geben, so geht das nicht !

    Dass du wegen deiner Umzugsgeschichte keine Zeit zum Laufen hattest, das ist selbstredend, und es sei dir verziehen ! 😉 Dafür konntest du es an diesem Tag mal so richtig wieder genießen, vergiss Zeiten, das Laufen alleine macht doch schon Spaß – oderrrrrrrr?

    Bald hast du sicherlich alles überstanden, und das vie normale wird wieder Einzug nehmen.

    Viel Glück von der sonnigen Ostsee

    Gefällt mir

  3. Du liebe schneckige Grillwurst! 😉

    Ich hoffe, dass die Metamorphose rückwärts inzwischen wieder stattgefunden hat, aber wenn ich Deinen gekonnt formulierten Bericht vom tapferen Trainingslauf so lese, dann bin ich unbesorgt. Die Halbmarathon-Vorbereitung scheint planmäßig zu laufen. Bin ja mal gespannt, wo der dann stattfinden soll. Danke für die wunderschöne Beschreibung Deiner Lauf- und Wohnumgebung. Es lies sich fast, als wäre man selbst schon dort gewesen, alles mit großer Detailtreue und vor allem sehr lebendig geschrieben!

    Da ich leider nicht so tapfer war wie Du, muss ich heute Abend meinen LaLaLa nachholen; wie’s aussieht, dann mit himmlischem Getöse und vorgezogener Dusche… 😦

    Gefällt mir

  4. @Ralph: Ja, es waren nicht die Temperaturen an sich, sondern die stechende Sonne und die hohe Luftfeuchtigkeit! Die langen Läufe müssen halt sein, sonst wird das nichts mit Merzig und der Route du Vin … aber trotz Laufspaß kosten sie Überwindung, weil ich so kaputt bin im Moment! Dankeschön, Ralph!

    @Margitta: Komisch, habe auch keine Erklärung für dieses technische Problem. Ich hoffe dich dadurch nicht als Leserin (und potenzielle Gemüse-Mitvertilgerin 😉 ) zu verlieren!
    Was meine Socken angeht: Ich frage mich, ob sie ungezogen oder einfach schwerhörig oder stumm sind! 8)
    Laufzeiten interessieren in der Tat wenig im Moment, ich bin froh, wenn die Kraft für ein Läufchen reicht. Lieber weit als schnell ist die Devise, die kurzen Trainingseinheiten werden im Moment durch andere Aktivitäten ersetzt. Das mit dem vie normale wird wohl noch etwas dauern, weil der Kleiderschrank frühestens nächste Woche kommt. Und so lange lebe ich in einem Kartongebirge 😦 Dankeschön, Margitta, und Grüße zurück an die schöne Ostsee!

    @Foxi: Nun ja, planmäßige Vorbereitung? Ich bin schon ein armes Würstchen, das gerade mal seine langen Läufe „irgendwie“ auf die Reihe bringt und die übrigen Einheiten in der vergangenen Woche wegen physischer Kraftlosigkeit gestrichen hat. Ich hoffe, das mit dem Lalala ist dir auch noch gelungen, trotz drohender Dusche?! Dankeschön, Peter!

    Gefällt mir

  5. So, so, Merzig und Route du Vin … Ich werde aufmerksam verfolgen, wie es Dir in der Vorbereitung und dann an den Tagen X und Y ergeht. Auf alle Fälle drücke ich schon jetzt ganz fest die Daumen, damit Du nicht nur die Läufe selbst erfolgreich gestaltest, sondern bereits in der Vorbereitung die Freude auf das Kommende und die Fitness mit den kleinen Schritten wächst.

    Und damit Du weißt, dass Deine Berichte nicht nur einen hohen Unterhaltungs- sondern einen ebenso hohen Motivationswert haben, kann ich auf meinen Lalala vom Dienstag verweisen. Etwas warm, aber schwül, leichter Sommerregen, 15,8 km im knappen 6er-Schnitt. 🙂

    Gefällt mir

  6. @Peter: Dankeschön für’s Daumendrücken! Die Vorfreude wächst schon, die Fitness muss noch deutlich wachsen! 8)

    Deiner Fitness tun meine Blogeinträge offensichtlich auch gut. Lalala im 6er Schnitt, alle Achtung! Du würdest mir damit locker davonrennen! 😉

    lg,
    Anne

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s