Blaue Stunde

Kam später als erhofft aus dem Büro weg. Aus dem geplanten Nachmittagsläufchen ist so ein Lauf zur berühmten „blauen Stunde“ geworden. Unzufrieden mit mir, weil ich heute nicht so effizient gearbeitet habe, wie ich mir das vorgenommen hatte, schlüpfe ich gegen 17:45 Uhr in die Laufsachen und mache mich auf den Weg. Auf die Lampe verzichte ich, weil ich keine Lust habe, sie erst aus der Wühlkiste mit dem Laufzubehör kramen zu müssen – es wird auch so gehen!

Meine Schienbeine zwicken ein bischen und ich frage mich, ob sie Zeichen berechtigter Entrüstung angesichts von Überforderung von sich geben oder ob sie einfach nicht wahrhaben wollen, was gut für sie ist. Versuch macht kluch – wenn ich merke, dass das Zwicken nicht besser wird oder sich verstärkt, muss ich mein Laufpensum etwas einschränken. Mit diesen Gedanken laufe ich ins Tiergartental hinein. Streulicht von den entfernten Straßenlaternen und ein paar Sternchen am Himmel helfen mir den Weg vor mir zu erkennen. Kein Mensch unterwegs, dem Plätschern des Baches lauschend komme ich locker voran und genieße die Ruhe zur blauen Stunde. So ganz kann ich den Ärger über das Organisationschaos auf der Arbeit und über einige Kollegen, die sich vor jeglicher Verantwortung drücken, nicht beiseite schieben. Aber ich kann den Ärger kommen und auch wieder gehen lassen, dabei flüssig und zugleich achtsam meine Schritte über die bewährte Strecke lenken.

An einer sehr dunklen Stelle überhole ich einen Spaziergänger, der einen Hund – ungefähr in Kälbergröße – Gassi führt. Als er mich von hinten kommen hört, knipst er seine Taschenlampe an und nimmt den Hund an die Leine. Rufe ihm im Vorbeilaufen ein „Dankeschön“ zu. Er reagiert sehr nett, indem er die Lampe noch ein wenig angeschaltet lässt und mir den Weg ausleuchtet, sodass ich heil den Lichtkegel der nächsten Straßenlaterne erreiche. Begegnung zwischen Läuferin und Hundebesitzer – so kann’s auch gehen und ist angenehm für die beiden Beteiligten (bei dem Hund, der meinetwegen an die Leine musste, bin ich mir allerdings nicht sicher!). Wieder durch die Kleingärten geht es entspannt und mit inzwischen nicht mehr herummaulenden Schienbeinen zurück bis ins Dorf, wo ich noch in die Steigung hinein laufe, um den sechsten Kilometer abzuschließen. Insgesamt ergibt das heute exakt 6.000 m in 41:12.

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