Early Bird

“The early bird catches the worm!”. Ergänze: “… but the late bird catches the sun.” Der Vogel sollte sich also gut überlegen, ob er eher Hunger auf Würmer oder auf Sonne hat. Hätte ich auch mal besser getan. Dann wär‘ ich heute wohl anderthalb Stunden später losgefahren und nicht schon morgens um 7. So gibt’s ’ne gute Stunde Nebelsuppe, Blindflug mit beschlagener Brille und saukalte Beine – die kurze Hose ist angesichts der feuchten Morgenkühle eine ganz schlechte Wahl!2016-05-21_Mosel2Die ursprüngliche Idee, ein Stück an der Sauer entlang zu rollen, lasse ich kurz vor Wasserbillig fallen. Ich friere einfach. OK, schneller zu fahren wäre eine Option. Mag ich aber nicht, mir ist nach entspanntem Grundlagen-Herumgeradel. Also 180-Grad-Wende kurz vor der Grenze und wieder Richtung Heimat.2016-05-21_Mosel3Kurz vor der Adenauerbrücke schafft sie es dann doch, die Sonne. Und wenigstens ein halbes Stündchen will ich von ihr noch was haben. Also schnell den Schlenker über Pfalzel angehängt und zurück durch die Stadt. Immerhin bleibt mir um die frühe Stunde der Verkehr erspart, genau wie auf dem sonst oft überfüllten Moselradweg. Hat also doch was Gutes, der „early bird“ zu sein. Nur muss der „early bird“ sich beim nächsten Mal eben wärmer anziehen.2016-05-21_Mosel

Grün

Ganz schön grün an der Riveris-Talsperre. Blöderweise versperrt das Grün meist den Blick auf das Wasser. Und wenn man die Umrundung verbotenerweise mit dem Rad macht, muss man auch noch ziemlich auf den Weg achten. Auf Schotter- und Kiespassagen ist Straßenbereifung nicht die beste Wahl. 2016-05-16_Radfahren 16.05.2016

Aber mich jagt ja keiner. Und an den schönsten Stellen, an denen sich ein Weitblick bietet, kann man ja einen Fotostopp einlegen.

Eigentlich hätte ich den kompletten Tag am Schreibtisch verbringen müssen. Aber die Konferenzorganisatoren haben den heutigen Abgabetermin für mein Manuskript kurzfristig (sprich: heute früh!😉 ) um 14 Tage nach hinten verschoben. Lucky me!2016-05-16_Riveris06Fazit: Die Runde war zum Kopf-Freikriegen bitter nötig. 40 km mit 320 Höhenmetern. Und das Knie hat gefälligst einfach mal die Klappe zu halten. So!😉

Aufwärts

Pfingsten. Vollgepackt durch Kleingartenfest und aufgeschobene bzw. liegen gebliebene Arbeit. Zieht mich ziemlich runter, genau so wie die Aussicht, wegen der Arthrose im Knie vielleicht noch längere Zeit, womöglich dauerhaft auf’s Laufen verzichten zu müssen. Mal schauen, ob die Spritzenserie, auf die ich mich jetzt eingelassen habe, was bringt. „Wellness“ geht auf jeden Fall anders – aber wenn’s denn was nützt (und daran glaube ich jetzt einfach mal ganz fest!), lass ich mir auch mehrmals `ne Nadel ins Knie stechen, trotz aller damit verbundenen Risiken und der Nachteile für den Geldbeutel.

Aufwärts geht’s dafür am Samstagmorgen. Kräftig aufwärts: Über die Hill nach Kernscheid und weiter nach Franzenheim. Von dort nicht Richtung Pluwig wie neulich, sondern über die Pellinger Höhe.

2016-05-14_StreckeRadfahren 14.05.2016Ufff! Ich hab den Anstieg zwar deutlich schlimmer in Erinnerung – dass ich ihn einigermaßen flüssig hochkurbeln kann, spricht dafür, dass meine Beinmuskulatur und meine Gesamtfitness nicht völlig im Eimer sind. Aber mitten in der letzten, ziemlich widerlichen Rampe kapituliere ich dann doch, weil mein Frühstück dezente Anstalten macht sich zu verabschieden – so ein Fotostopp ist eine blendende Ausrede, um ein kleines Päuschen zu rechtfertigen.😉

2016-05-14_PellingerHoehe02

2016-05-14_PellingerHoehe03Ein Stück in Schussfahrt auf der Bundesstraße, dann sicherheitshalber links runter ins Konzer Tälchen, weil mir das mit dem Autoverkehr zu heikel ist. Schade, auf dem glatten Asphalt rollt es sich so gut! Aber was soll’s, das Tälchen ist auch schön!2016-05-14_PellingerHoehe04In Konz mal wieder „verheddert“. Egal, irgendwann komm’ ich immer an einen Punkt, an dem ich mich wieder auskenne. Und wer erstmal unten an der Saar und dann der Mosel ist, kann sich eh nicht mehr verfahren.

Fazit: 30 km, 350 Höhenmeter, einen Beinahezusammenstoß mit einem Reh vermieden, kräftig Dampf abgelassen und wieder mal festgestellt, dass ich eine total überängstliche Abfahrerin bin … das versaut mir jedes Mal den km-Schnitt!😉 Aber sooo schlimm ist Radfahren gar nicht – zumindest wenn man dabei endlich wieder draußen sein kann!😎

2016-05-14_Radfahren 14.05.2016, Höhe

Trümmerhaufen

Brückenwochenende in der Hauptstadt. Eigentlich nicht zum Vergnügen. Sondern vor allem zum Arbeiten, genauer: zum Besuch einer sehr interessanten Tagung, zu der ich einen Vortrag beisteuern darf. Aber Zeit genug ist auch für das Vergnügen vor und nach der Arbeit. Zwei wunderschöne Nachmittage mit Kerstin, einer waschechten Berlinerin, die mir munter und bestens ortskundig einige Sehenswürdigkeiten Berlins präsentiert: Hackesche Höfe, Spreeufer, Angies Privatresidenz, „Unter den Linden“, Brandenburger Tor mit türkischer Hochzeitsgesellschaft als speziellem Unterhaltungsevent. Dazu kulinarische Exkursionen in hervorragende kroatische Grillstuben, internationale Eismanufakturen, italienische Ristorantes und amerikanische Cocktailbars … das mit dem Wiegen lassen wir an den nächsten Tagen wohl mal besser bleiben.😉

Um das gewichtstechnische Elend in Grenzen zu halten, mein durch fast 9 Stunden Bahnfahrt strapaziertes Knie wieder flott zu kriegen (merke: lange Sitzen geht gar nicht!) und meine Stimmung im Griff zu behalten, muss jede Menge Bewegung her. Wenn’s mit dem Laufen nicht läuft, geht Gehen. Und wenn das Hotel ganz in der Nähe des Volksparks Friedrichshain liegt, kann man dort morgens vor dem Frühstück eine wunderbare Runde im Grünen drehen – sofern das Grün vor lauter Müll noch zu erkennen ist!😦

Im besagten Volkspark gibt’s zudem zwei Berge, die natürlich prompt „bestiegen“ werden müssen: Den Großen Bunkerberg und den Kleinen Bunkerberg. Beides „im Kern“ kleine natürliche Anhöhen, heute aber vor allem eines: Riesengroße Trümmerhaufen! Gesprengte Flaktürme aus der Nazizeit. Darüber aufgetürmt Millionen Kubikmeter von Schutt. Die Überreste der im 2. Weltkrieg zerbombten umliegenden Stadtviertel – zusammengekarrt und mit Erde überdeckt. Kaum zu glauben: Was einstmals entsetzlich trist war, wirkt nun, etwa 70 Jahre später, wie ein ganz normaler dicht bewaldeter Hügel mit Wegen, Treppen, Picknickplätzen und Aussichtspunkten. Nur wer genauer hinschaut, erkennt an manchen Stellen noch die Überreste der alten Bunkeranlagen.

Beeindruckend, was aus einem Trümmerhaufen alles werden kann! Aber es gehören halt auch ein tragfähiges Konzept, helfende Hände und vor allem viel Zeit und Geduld dazu! Hätte all das gefehlt, hätte – wie anderenorts – jahrzehntelang ein hässlicher, von Unkraut überwucherter Schuttberg überdauert.

Ok, soweit hab ich das wohl verstanden. Jetzt brauch ich als Erstes mal’n Konzept. Die bisherige Behandlung hat jedenfalls noch nicht den durchschlagenden Erfolg gebracht. Mal sehen, ob der Arzt nächste Woche ein Konzept hat oder ob ich da wieder unter die Räder komme. So langsam vergeht mir das Lachen doch sehr gründlich, auch wenn ich mir das nicht immer anmerken lasse.

In vollen Zügen

Wenn man schon wieder zwei Tage auf sich zukommen sieht, die man in (hoffentlich nicht zu) vollen Zügen verbringen wird, ist man gut beraten, vorher noch zwei freie Abendstunden in vollen Zügen zu genießen.2016-05-03_Draußen07Ein paar Züge zu schwimmen wäre eine Option. Nach dem erfrischenden Sonntags-Bad bei 18,7 Grad mit Familie Midlaufcrisis wäre es spannend zu prüfen, ob die Wassertemperaturen im Nordbad heute die 20 Grad-Schallmauer gerissen haben. Aber da der Bademeister beim Anblick meiner Kraulversuche immer noch panisch ins Wasser hechtet, weil er mich ertrinkend wähnt, möchte ich ihm und mir das Elend ersparen.😉

Also Spaziergang vom Büro nach Hause und anschließende Radrunde über die Tarforster Höhe und ins Ruwertal. Zum Grün des frischen Laubes und dem Weiß der Blüten gesellt sich inzwischen auch das Knallgelb der Rapsfelder und des Ginsters. Farben, die die Seele berühren (egal, wie kitschig das klingt).

Noch einmal aufgetankt vor der Dienstreise. Diese Reiserei ist ein weiterer Grund dafür, mich vom Laufen nicht auf Dauer verabschieden zu wollen: Ein Rad habe ich meist nicht zur Verfügung und die Hotels, die man mir zugesteht, haben im Regelfall keinen Fitnessbereich. Aber Laufsachen passen immer ins Gepäck. Und Laufen kann ich (fast) überall!2016-05-03_Draußen08

Ungestört

“Give me odorous at sunrise a garden of beautiful flowers where I can walk undisturbed.”

(Walt Whitman, 1819-1892)

OK, den Sonnenaufgang konnte ich mir hinter dichten Wolken nur mühsam vorstellen. Und bei Regen und gerade mal 7 Grad duftet ein Frühlingsgarten auch nicht besonders intensiv. Aber man kann halt nicht alles haben …😉 Immerhin: Weil sich kein anderer Kleingärtner vor die Tür traute, konnte ich wenigstens ungestört Blümchen knipsen.😎

Schockgefrostet

*** Achtung – dieser Post ist eine Standortbestimmung und daher erstens sehr lang und zweitens streckenweise etwas „nölig“ und ein wenig selbstmitleidig. Wer so was nicht lesen mag, klickt besser weg. ***

Das war frisch heute auf der „Kaffeefahrt“ an der Mosel. Mehrere Klamottenschichten, Buff um den Hals und unterm Helm, dicke Handschuhe sowieso. Wie im Winter – und das nach den milden Tagen Mitte, Ende der Woche, an denen es auf dem Spazier-Heimweg von der Uni schon für ein kurzes T-Shirt reichte. Komischer Frühling! Einerseits ein schöner, weil man sich wegen der niedrigen Temperaturen länger an der Blütenfülle freuen kann. Andererseits ein frustrierender, da er sich kaum wie Frühling anfühlt.

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Und sonst so? Ebenso wie sich der Frühling Zeit lässt und nur zäh voranschreitet, geht’s auch mit meinem Knie nur extrem langsam voran. Der Laufversuch Anfang April hat mich mindestens 2 bis 3 Monate zurückgeworfen. Welche Rolle zusätzlich die Magnetfeldtherapie spielt, auf die ich mich eingelassen hatte, weiß ich nicht. Gefühlt war es danach schlechter als vorher. Kann aber auch ganz oder teilweise Kopfsache sein, weil ich mittlerweile von dem Auf und Ab doch einigermaßen zermürbt bin. Zudem hat mich die Atmosphäre beim letzten Arzttermin ziemlich schockgefrostet. Ich hoffe, dass sich die Wogen glätten (lassen) und es beim nächsten Mal wieder etwas wärmer und entspannter abläuft.

Dazu „kneift“ gerade noch dies und das im beruflichen und privaten Bereich … tja, Anspannung und Verunsicherung lassen eben (schmerz-)empfindlich werden! Und die unklaren ärztlichen Aussagen über zeitliche und sonstige Perspektiven („Geduld haben“, „wir können heilungsunterstützende Therapien probieren“) machen auch nicht gerade Hoffnung, dass das in absehbarer Zeit (wenn überhaupt) noch mal was wird mit dem Laufen. Inzwischen wäre ich ja sogar schon froh, wenn ich wieder sportliche Aktivitäten aufnehmen könnte, die das Niveau dessen überschreiten, was man einer halbwegs rüstigen 70-Jährigen empfehlen würde.😉2016-04-17_Blumen03

Aber was hilft alles selbstmitleidige Kopf-Hängen-Lassen und was bringen mir die sehnsuchtsvoll-neidischen Blicke auf Läufer/innen, die mir beim Spazierengehen und Radfahren begegnen? Richtig, nicht das Geringste! Also reiß ich mich jetzt zusammen und richte das Augenmerk auf die minimalen Verbesserungen in den letzten Tagen. Und die gibt’s ja durchaus, nachdem ich drei Wochen nur spazieren war oder kurze Strecken im Alltag geradelt bin:

Gestern hab ich mich zu ´ner guten Stunde Aquajoggen überwunden. Ich erlaube mir, meinen Facebook-Post dazu zu zitieren: „Auf der Damentoilette den Geruch vollgesch###er Kleinkinderwindeln getankt, im Schwimmbecken mehrfach von der Bugwelle einer 200 kg Fregatte überflutet und gut eine Stunde erfolgreich gegen den Tod durch Langeweile beim Aquajoggen angekämpft … so geht Samstagvormittag im Hallenbad. Ich finde mich gerade unglaublich tapfer! ;-)“. Ok, wenn’s hilft, gebe ich mir diese Nummer regelmäßig. Aber sie kostet schon Überwindung!😉

Heute knapp 30 km auf dem Rad, wie oben beschrieben warm eingepackt an der Mosel entlang bis zum ersten Luxemburger Supermarkt mit Kaffeeabteilung. Eingeklickt fahren mag das Knie momentan gar nicht. Aber zum Glück hat das Trekkingrad Kombipedale und ich kann bequem deren flache Seite nutzen. Damit kommt man auch vom Fleck, vor allem, wenn der Wind auf dem Rückweg schräg von hinten schiebt.

Jegliche Rennrad-Anschaffungspläne liegen nach einer Probefahrt vorletzte Woche erstmal auf Eis. Kniegezicke und ein ausgesprochen unsicheres, unbequemes Fahrgefühl (trotz „Komfort-Geometrie“ des Rahmens) sind nichts, das zu einer Geldausgabe im vierstelligen Bereich motiviert. Vielleicht probier ich’s in ein paar Wochen oder Monaten mal mit einem anderen Modell. Aber vorerst begnüge ich mich mit meinen „alten“ Rädern, die so unsportlich nun auch nicht sind. Tja, und wenigstens ab und an bekomme ich auch meinen immer noch relativ fetten A### hoch, mache ein bisschen was für die Rumpfmuskulatur und schwinge bzw. wuchte Kurzhanteln.

Immerhin hab ich inzwischen den Kleiderschrank ausgemistet und all die dort befindlichen Zirkuszelte und Kartoffelsäcke wahlweise in den Altkleidercontainer oder auf den Dachboden gebracht. Seit Januar / Februar 2015 sind’s 13-14 kg, entsprechend 2 bis 3 Kleidergrößen weniger – und das trotz eingeschränkter Sporttauglichkeit!😎 Sich weitgehend neu einzukleiden ist teuer. Aber es macht auch Spaß!:-)

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Ist ja nicht so, dass ich gar nichts mehr esse! Hier: Grüner Spargel mit Lachs und Kirschtomaten.

Mal sehen, wie sich alles bis zum nächsten Arzttermin Mitte Mai entwickelt. Ich würde dann ja zumindest gern hören, dass ich wieder gezielte Kräftigungsübungen für’s Knie machen darf, sei es zuhause auf dem Stabipad oder an Geräten im Studio.

Alles Weitere? Keine Ahnung! Ich weiß nicht, ob es ein Kriterium gibt, anhand dessen man entscheiden kann, ob ein Laufversuch gefahrlos möglich ist. Mein Körpergefühl scheint kein brauchbares Kriterium zu sein. Vielleicht bleibt einfach auch immer ein Restrisiko für eine Fehleinschätzung. Aber wenn deren Folgen so gravierend sind wie momentan, werde ich mir nicht nur dreimal, sondern mindestens zehnmal überlegen, ob ich das mit dem Laufen probiere und dann wieder einen kompletten Reset machen muss. Kann also dauern, bis hier mal wieder was über’s Laufen steht …