Nase voll

Normalerweise nimmt man seine Erkältung ja im Winter oder in der Übergangszeit. Nicht im Sommer. Aber wer will schon normal sein? Ich hatte jedenfalls buchstäblich „die Nase voll“ und alle Systeme haben auf “Stopp” geschaltet. Mist!

So allmählich bin ich endlich wieder fit. Vorgestern fit genug für einen kurzen Blick zum Stadtlauf, gestern und heute für zunehmend längere Spaziergänge. Morgen dann für ein paar Stunden im Büro. Und hoffentlich auch wieder für sportliche Aktivitäten. Vom Nichtstun hab ich nämlich auch die Nase voll.

Ästhetik

Was  für eine Woche! Immerhin: Alles Wichtige gut über die Bühne gebracht. Und es geschafft, trotz dreier beruflich bedingter Restaurantbesuche und nahezu nicht existenter sportlicher Aktivität mein Gewicht zu halten. Das Gehirn verbraucht eben auch Kalorien – es hatte reichlich Gelegenheit dazu.

Heute waren endlich wieder genug Energie und Zeit für ein flottes Tiergarten-Läufchen vorhanden. Ich hätte ja gern ein überzeugendes Beweisfoto präsentiert. Aber tiefe Ringe unter den Augen in Kombination mit einem speckig glänzenden Schweißfilm auf dem tomatenrot angelaufenen Gesicht – da verbietet sich die Anfertigung eines „echten“ Selfies aus ästhetischen Gründen.2015-06-21_Aesthetik03Die Nach-dem-Lauf-Belohnung präsentiere ich dagegen nur zu gern in ihrer vollen Schönheit. Natürlich: Auch Wasser tut nach dem Austoben gut und hat noh dazu keine Kalorien. Aber in punkto Ästhetik wird es von einem bleifreien Weißbier eben doch um Längen geschlagen. 8-) 2015-06-21_Aesthetik01

Hasenfüßlertrail

Echte Trails sind nix für Pussies: Blutrünstige Brombeerranken lauern in Bodennähe, um sich um unschuldige Läuferfüße zu schlingen. Rabiate Rosensträucher ragen über den Pfad und versehen Läufergesichter mit blutigen Schmissen. Bombastische Brennesselwälder lassen zarte Läuferwaden jucken.

Nee, das ist so manchem Fan dieses Weges dann doch zu viel der urwüchsigen Natur, nicht nur Herrn Midlaufcrisis, sondern auch mir. Also Handschuhe und Gartenschere eingepackt, ein paar Rodungsarbeiten hier, ein paar gezielte Schnitte dort. Fertig ist der Hasenfüßlertrail – extra für alle, die Angst um ihre makellose Schönheit haben. ;-)

Bedauerlich, dass sich die Natur den befreiten Trampelpfad schnell zurückholt, wenn er nicht oft genug genutzt wird. Also, lieber Rainer, tu dein Bestes! Ich trau mich da im Moment noch nicht laufenderweise ran. Asphalt ja. Feldweg auch. Aber laufen mit angedetschtem Knie in unebenem Gelände – vermutlich keine gute Idee. Auch in dieser Hinsicht bin ich ein ziemlicher Hasenfuß.

Wahnsinn

Soll man angesichts des ganz normalen Wahnsinns in der Arbeitswelt schreien oder speien? Manchmal weiß ich das nicht mehr. Was ich weiß:

  • Ich kann noch / wieder 5 Kilometer unter 30 Minuten laufen (ok, die Strecke muss teilweise bergab führen und ansonsten flach sein). ;-)
  • Mir tut unterwegs und unmittelbar hinterher nichts weh. :-)
  • So ein zügiger Morgenlauf lässt mich von Jacqueline the Ripper wieder zu einem halbwegs sozialverträglichen Menschen werden, der sich gegen den Wahnsinn des anbrechenden Tages gewappnet fühlt – das ist doch schon mal eine ganze Menge! 8-)

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Abschalten

„Abschalten können Sie woanders!“ wirbt ein großer deutscher TV-Sender. „Abschalten können Sie woanders!“ – das gilt leider auch für’s Radfahren. Wenn man mit Geschwindigkeiten deutlich jenseits der 20 km/h unterwegs sein will, geht das nicht ohne sehr viel Aufmerksamkeit.

Die richtet sich natürlich einerseits auf Schlaglöcher, Glasscherben, Wurzelaufbrüche im Asphalt und sonstige unbelebte Hindernisse. Andererseits und vor allem aber auf belebte Hindernisse. Radfahrer unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlicher Sicherheit beim Fahren zum Beispiel. Oder Passanten mit und ohne Hund an der Leine. Mit denen teilt man seine Stecken zwar auch nicht gerade gern. Aber man nimmt sie in Kauf, weil die Welt – einschließlich der Radwege – einem bedauerlicherweise nicht allein gehört. ;-)

Leider gibt’s unter diesen belebten Hindernissen aber auch außergewöhnlich dämliche und ignorante. Und die sind die gefährlichsten:

  • Verhinderte Tour de France-Sieger, die im Kampf um Zehntelsekunden nicht einsehbare Kurven schneiden oder vor lauter Hantieren mit Trinkflasche, Gel und Energy-Bars keinen Blick mehr für den Verkehr haben.
  • Desorientierte Touristengruppen, die aus ihren Zweirädern eine Straßensperre formieren und über einer Landkarte die Köpfe zusammenstecken – wohlgemerkt weit entfernt von jeglicher Abzweigung, an der man sich verfahren könnte! :lol:
  • Kampfbereite Fußgänger, die mit stur geradeaus gerichtetem Revierverteidiger-Blick (der mit der tiefen Stirnfalte und den zusammengezogenen Augenbrauen) auf der Wegmitte entlang marschieren, allzeit bereit, jegliche Radrüpel durch ihren geübten Eishockeyverteidiger-Bodycheck zur Räson zu bringen und eine frische Kerbe als Trophäe in ihren Spazierstock zu ritzen.
  • Quarzende Gassigänger, die ihre Lassoleinen mit angehängter Trethupe – die natürlich im hohen Gras unsichtbar bleibt – quer über die Strecke spannen.
  • Ach ja, die fröhlichen jungen Frauen Typ „Grundschullehrerin“ nicht zu vergessen, die selbstvergessen und der Welt entrückt mitten auf dem Moselradweg ihre Rucksäcke abstellen, um in ihnen Ausgrabungen nach den leckeren selbstgebackenen Müsliriegeln  zu veranstalten.
  • etc. etc. etc. (euch fallen bestimmt auch noch Beispiele ein!)

2015-06-06_Longen02All das ist eher etwas für Freunde des gepflegten Adrenalinschubs. Wer auf so was steht, ballert auch im Porsche mit 190 Sachen über die Autobahn und geht für ausscherende LKW voll in die Eisen, ohne dass ihn das Erlebnis irgendwie schockieren würde.

Für mich ist das nix. Gar nix. Regt mich nur auf. Dabei soll Sport mich eigentlich beruhigen und entspannen. Bleibt also nur, mich zu unchristlichen Zeiten auf meinen schwarzblauen Flitzer zu klemmen, wenn die größten Schlafmützen sich noch oder schon wieder in häuslichen Gefilden aufhalten. Zusätzlich ein wenig mehr Gelassenheit im Umgang mit solchen Kalamitäten zu entwickeln. Ach ja, und von langen Läufen im Wald zu träumen. Bei denen kann ich nämlich wirklich abschalten!

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Grünzeug

Notizen an mich:

Zwei Gläser Wein an einem Abend sind zu viel.

Fünf Kilometer Laufen an einem Morgen nicht.

Das Wochenende wird zu kurz sein für all das, was ich gern tun würde und tun muss.

Ich fürchte, mir wird das eine oder andere über den Kopf wachsen – zum Glück erst einmal nur im Garten … ;-)

Allein

Leises Surren der Gangschaltung und der Reifen auf dem Asphalt. Fröhliches Vogelgezwitscher. Ein paar Pferde auf der Koppel. Über allem der Duft von frisch gemähtem Gras. Frühsommermorgen im Konzer Tälchen. Kann das Leben eigentlich schöner sein?

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