Lockruf

Sonntag Frühling, gestern ein 3-Stunden-Wintereinbruch mit Schneesturm, anschließendem Schnell-Abtauen und einem heftigen Gewitter am Abend – das Wetter fährt Achterbahn mit uns. Irgendwie scheint der Körper nicht nachzukommen. Statt Winterschlaf zu halten, wie sich das  gehört, reißt er mich vor Tau und Tag aus dem Bett. Blöd, dass der Kopf noch so gar nicht wach sein mag und sich gegen die Vorstellung sträubt, mich unter die Dusche und an den Schreibtisch – oder sonst irgendwohin – zu bewegen. :roll:

Das ändert sich mit dem Öffnen der Balkontür: Der Lockruf der Amsel ist unüberhörbar. Geradezu aufdringlich gut gelaunt. Und nur zu einladend. Warum soll ich mit meinem Läufchen bis heute Abend warten, wenn ich es auch in der Morgendämmerung genießen kann? Ergo: RAUS! Etwas schwerfällig, etwas gemütlich, etwas verpennt los, etwas beschwingter, etwas frischer, etwas energetisierter zurück. So soll das sein! :-)

 Bildquelle: M.E.  / pixelio.de

Bildquelle: M.E. / pixelio.de

Sunshine

Yepp, es gibt ihn noch, den gelben Ball, der das himmlische Blau-Weiß-Grau so richtig zum Leuchten bringt, die Illusion frühlingsgrüner Wiesen erzeugt und selbst die mattgrau-braunen Wälder einladend wirken lässt. Passenderweise am Wochenende, nachdem die Woche uns mit Nieselgrau so richtig runtergezogen hat.2015-02-22_Mosel2 Ein sonniges Gemüt macht auch das heutige Läufchen, wie geplant das dritte in dieser Woche. Zweimal etwa 30 Minuten, heute gut 45. Und von diesen 45 Minuten waren 35 komplett beschwerdefrei, nur auf den letzten anderthalb Kilometern machte sich wieder ein leichtes Ziehen an der Sehne bemerkbar. Sollten die homöopathischen Spritzen tatsächlich so schnell ihre Wirkung – die sie ja aus streng naturwissenschaftlicher Sicht eigentlich gar nicht haben dürften! ;-) – tun? Oder hatte ich einfach nur einen guten Tag? Wir werden sehen! 8-)2015-02-22_Mosel1

Wird was!

Wettertechnisch gilt: Bonjour tristesse! Da macht’s auch nicht viel aus, wenn das kurze Läufchen vom Büro nach Hause (Schlenker inbegriffen) im Dunkeln und ohne Kamera stattfindet. Aaaaber: Am Samstag und Sonntag strahlte die Sonne aus allen Löchern. Ergo sind Bilder vom Samstag eh zeigenswerter als die vom heutigen Grau-in-Grau es gewesen wären.

Den letzten Rest schlechter Laune beseitigt ein Ringelnatz-Gedicht.

 

Frühling

Die Bäume im Ofen lodern.

Die Vögel locken am Grill.

Die Sonnenschirme vermodern.

Im übrigen ist es still.

Es stecken die Spargel aus Dosen

die zarten Köpfchen hervor.

Bunt ranken sich künstliche Rosen

in Faschingsgirlanden empor.

Ein Etwas, wie Glockenklingen,

den Oberkellner bewegt,

mir tausend Eier zu bringen,

von Osterstören gelegt.

Ein süßer Duft von Havanna

verweht in ringelnder Spur,

ich fühle an meiner Susanna

erwachende neue Natur.

Es lohnt sich manchmal, zu lieben,

was kommt, nicht ist oder war.

Ein Frühlingsgedicht, geschrieben

im kältesten Februar.

(Joachim Ringelnatz)

 

Irgendwann wird’s ja doch was mit dem Frühling und so weiter! Zum „Und so weiter“: Diese Woche probier ich, von zwei etwas längeren Läufen auf drei kürzere umzusteigen, ohne den Gesamtumfang deutlich hochzusetzen. Statt zweimal 45 bis 50 Minuten zweimal ein halbes Stündchen und einmal etwa 40 Minuten. Einfach gucken, ob ich’s vertrage, einen Tag weniger Pause zwischen den Läufen zu lassen als bisher. Wenn’s nicht geht, wird halt zurückgerudert.

2015-02-17_Blau03

Wenn der Bock die Ricke treibt …

Ich gebe es zu: Die Überschrift ist irreführend. Denn die Blattzeit des Rehwilds liegt im Spätsommer und nicht im Frühjahr. Aber weil die erwachenden linden Lüfte zwei scheue Rehe dazu brachten, sich am helllichten Tag vor meinen Augen in einem Wohngebiet rumzutreiben, musste ich an den unvergesslichen Sketch mit Evelyn Hamann und Loriot denken, in dem die Titelzeile dieses Beitrags eine ganz zentrale Rolle spielt … :lol:

Hier noch ein paar hübsche Suchbildchen: Na, wo isses denn, das Bambi? ;-)

So ein bisschen stimmungshebend ist das Wetter dann doch – und das Privileg, spontan zwei, drei Überstunden abbummeln zu dürfen, ermöglicht mir einen Spaziergang nach Hause und ein etwas zähes, aber erträgliches 50-Minuten-Läufchen. 2015-02-13_Reh08

Unterwegs das momentan Übliche: Sehne ziept die meiste Zeit und Fersensporn nörgelt. Aber da das Ganze nicht schlimmer wird, übergehe ich diese Empfindungen und laufe damit weiter – ich kann mich ja schlecht zu Sterben hinlegen, nur weil der Fuß zwickt.

2015-02-13_Reh01Der heutige Arztbesuch hat auch nicht gerade zur Beseitigung meines Vorurteils beigetragen, dass Orthopäden in erster Linie am Wohl ihres Geldbeutels und erst in zweiter Linie am Wohl des Patienten orientiert sind. Details aus der Fließbandpraxis erspare ich mir und euch an dieser Stelle. Weil mir selbst auch nichts Besseres einfiel, habe ich mich auf eine homöopathische Spritzenserie eingelassen und probier’s zusätzlich mit Einlagen, in der Hoffnung, dass die besser angepasst sein werden als die vor 4 Jahren – wie geschrieben: ich kann mich ja schlecht zu Sterben hinlegen, nur weil der Fuß zwickt.2015-02-13_Reh02

Eiszeit

Eiszeit unter knallblauem Himmel. Spärliche Schneereste, aber klare, kalte Luft, frische Temperaturen und Sonnenschein (!) hat der Samstagvormittag zu bieten.2015-02-07_Garten0150 Minuten genieße ich laufend die winterliche Szenerie, unterbrochen durch zwei Quatschpausen mit Bekannten und eine Stippvisite im Garten – ich glaube, ich weiß, was es morgen zu essen geben wird.2015-02-07_Garten03Eiszeit auch andererorten. Wir müssen uns alle ganz schön warm anziehen, um nicht schockgefrostet zu werden.2015-02-07_Garten02Tröstlich: Erstens hat jede Eiszeit irgendwann ein Ende. Und zweitens sind spätestens dann auch die Säbelzahntiger ausgestorben … ;-)

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Mondsüchtig

Dieser Winter ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Ein paar Schneereste, das ist alles, was übrig blieb vom heftigen Schneefall am Samstagabend. Immerhin machen die gleich alles etwas heller.

2015-02-03_Schneerest Zum Laufen komm ich nur im Dunkeln. Heute eigentlich gar nicht – zu müde, zu kaputt, keine Lust. Aber wenn der Mond so voll und rund am Himmel steht und nach mir ruft, dann gibt’s kein „Zu müde, zu kaputt, keine Lust“. Dann gibt’s nur mich, meine Laufschuhe, die kalte, klare Luft im Tiergarten – und den riesigen leuchtenden Ball über mir, der mich begleitet. Was will ich eigentlich mehr? 2015-02-03_Mond

Der Mond ist aufgegangen
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Matthias Claudius (1740-1815)