Normalität

So ganz langsam wird Laufen wieder zur Normalität. Auf Dienstreisen bin ich nicht mehr darauf angewiesen, dass mein Hotel einen Fitnessraum hat oder dass ich irgendwie an ein brauchbares Fahrrad komme. Und ich muss mich auch nicht mehr auf Spazierengehen beschränken. Stattdessen kann ich vor oder nach der Arbeit in die Laufsachen schlüpfen und den Dienstort erkunden. OK, 30 bis 40 Minuten sind nicht die Welt. Aber schon wieder eine ganze Menge. Und wenn man die Strecken ein bisschen plant, kriegt man dabei doch das eine oder andere Schöne oder Interessante zu sehen.

Den Rest erledigt man einfach in klassischer Touristen-Manier, sofern das dichte Kongressprogramm dafür überhaupt Zeit lässt. Was soll’s! Wenn man schon mal die Möglichkeit hat, am „Geburtsort“ der eigenen Wissenschaftsdisziplin zu tagen, sich am Schreibtisch ihres Gründervaters niederzulassen und viele alte Bekannte und Kollegen zu treffen, genießt man das Besondere daran. Die Normalität des Arbeitsalltags holt einen schnell genug wieder ein.

Rollt

Finstere Aussichten für morgen: 6 ½ Stunden in der Bahn rumsitzen. Angesichts der online angedrohten Baustellen eher eine Stunde mehr. Die Aussichten für die kommenden Tage sind kaum heller. Kongresse – so interessant sie auch sein mögen – sind nun mal mit viel Sitzerei verbunden.

Da reicht heute keine regenerative Strampelei im Freibad, um mich noch mal auszutoben. Auch wenn mir leider ein äußerst kurzweiliger Nachmittag mit Familie Midlifecrisis und  einer der letzten Tage mit Super-Badewetter entgeht:  Statt Wassertreten ist In-die-Pedale-Treten angesagt, statt Nordbad ein lockeres Ründchen über die Korlinger Höhe, Pluwig und Pluwigerhammer und den Ruwertal-Radweg mit einem kleinen Obst-Imbiss zwischendurch zurück.

Zuhause kurz was trinken, den Mini-Rucksack durch einen größeren austauschen und dann noch mal schnell nach Wasserbillig zum Kaffeeholen. Ich gestehe, ich bin ein bisschen schäbig. Aber was soll ich machen? Ich kann meine Schadenfreude kaum verhehlen, als ich wohlgelaunt das Moselidyll genieße und dabei am Samstagnachmittag-Stau der genervten Tanktouristen vorbeirolle. Keine Ahnung, was da heute los war, vielleicht ein Unfall?

2017-09-17_radtour03Wie auch immer: Sonne und schöne Eindrücke getankt. Beinchen müde gestrampelt. Den finsteren Aussichten des drohenden Gewitters entkommen (das bisher aber immer noch nicht da war). Sattgegessen. Wenn ich nicht noch packen müsste, könnte es ein wunderbar fauler Abend werden …😉2017-09-17_radtour05

Läuft

Läuft. Momentan wenigstens. Am Samstagmorgen erstmals seit gut 11 Monaten wieder 30 Minuten „am Stück“. Ohne ernsthafte Probleme unterwegs und hinterher. Ok, ziemlich „dicke Beine“ hatte ich am Sonntag. Selbst das Aquajoggen im Mertesdorfer Freibad war anstrengend. Das könnte allerdings auch an der 76 km-Radtour vom Samstagvormittag gelegen haben.😉2017-08-31_hoope-107

Wie auch immer: Ich bleib dran. Und bleibe trotzdem vorsichtig. Größere Rückschläge könnte ich momentan ziemlich schlecht verkraften. Also lieber ruhig laufen und langsam Umfänge steigern. Und angenehme Laufuntergründe suchen.

So was Angenehmes wie in meiner norddeutschen Heide-Heimat hab ich hier leider noch nicht gefunden: Weiche Sandwege. Kein tiefer „Karnickelsand“, in dem man hin und her rutscht und nicht vom Fleck kommt. Sondern fester Untergrund mit einer dünnen Sandauflage. Wunderbar dämpfend und fast federnd. Herrlich!  Nur leider teilweise ein kleines bisschen verboten …😉

Keine Sportlerin

Heutiger Dialog mit dem Orthopäden

Ich: „Ich hab Anfang August wieder vorsichtig mit dem Laufen angefangen, so 5 x 2 Minuten. Inzwischen bin ich bei 2 x 10 oder 3 x 8.“

Ortho: „Kilometer?!“

Ich: „Nee, Minuten!“

Ortho (Mimik entgleist – nach meiner Interpretation – in Richtung „spöttisches Grinsen“): „Öööööh, ja, …“

Ich (mein Gekränktsein runterschluckend): „Was soll ich machen? Ich bin fast 2 Jahre nicht regelmäßig gelaufen, die vergangenen 10 Monate gar nicht mehr. Und ich merke deutlich, dass das Knie momentan nicht mehr verträgt.“

Naja, nach ein paar Sätzen mehr haben wir uns dann drauf verständigt, dass ich wie bisher weiterhin sehr langsam wieder aufbauen sollte. Die Meniskusteilentfernung hat dazu geführt, dass eine richtig miese Situation im Gelenk durch eine etwas weniger miese ersetzt wurde, an die sich der Bewegungsapparat anpassen muss. Und auch die vollständige Ausheilung eines Knochenödems braucht ihre Zeit, zumindest bei mir. Die OP ist ja erst (erst?) 10 Monate her. Nochmal Ortho: „Bei vielen Sportlern ist das nach ein paar Wochen abgeschlossen. Bei Ihnen dauert es eben länger.“

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So schöne weiche Sandwege wie in der Heide haben wir hier in Trier leider nicht … dem Knie gefielen sie blendend.

Ok, gemessen an einem großen Teil der leistungssportlich orientierten Klientel, die der Doc ansonsten so sieht, bin ich keine Sportlerin. Aber selbst wenn ich eine wäre – es ist nun einmal, wie es ist. Es klappt nach meinem Eindruck nicht schneller mit dem Lauf-Wiedereinstieg, es sei denn, ich wäre bereit ein größeres Risiko dafür einzugehen, dass ich mich übernehme und dann wieder wochenlang nicht einmal richtig Rad fahren und walken kann. Darauf habe ich nach der Erfahrung mit dem missglückten ersten Wiedereinstiegsversuch im April nicht die geringste Lust. Ich muss das Knie ja jetzt schon oft genug durch Kühlen beruhigen, wenn ich mal was Anspruchsvolleres auf dem Rad veranstaltet habe.

Eine Prognose, ob das wieder was wird mit mir und der Lauferei, gibt’s ärztlicherseits und auch von meiner Seite nicht. Also gehe ich das Ganze einfach kontrolliert optimistisch an und probiere, wie weit ich mit dem vorsichtigen Aufbau, unterstützt durch Einlagen und Kniebandage, komme. „Nochmal ins Knie reinzugucken“ ist, wie der Doc richtig vermutete, in absehbarer Zeit definitiv keine Option.

Schreiben werde ich vorerst weiterhin nicht allzu viel. Teils aus Zeitgründen. Teils aber auch, weil ich momentan mit Kommentaren nicht gut umgehen kann, wie ich sie jetzt schon von manchen Leuten höre, denen ich von meinen vorsichtigen Versuchen erzählt habe. Die einen mahnen, dass ich es immer noch zu schnell angehe. Die anderen erklären mir, ich sei übervorsichtig, oder grinsen und ringen sich ein gönnerhaftes „Ist ja schon ganz schön!“ ab. Wieder andere planen für mich schon die ersten Wettkämpfe im Herbst und Winter.

Um mit solchen „gefühlten Gängeleien“ umzugehen, bin ich im Moment zu dünnhäutig. Ich will einfach nur wieder laufen. Und mich über jedes halbwegs beschwerdefreie Minütchen freuen. Auch und gerade wenn das, was ich da tue, kein Sport ist, bei dem  Wochenkilometer gezählt und Geschwindigkeiten protokolliert werden. Es ist entspannt-entspannendes Rumlaufen. Das will ich. Nicht mehr.

Ausnutzen

Aufatmen zwischen zwei Hitzeperioden. „Frisch“ ist anders, aber „frischer als in den Tagen zuvor“ reicht schon.2016-08-29_hockweiler2Wenn sich dann eine Viertelstunde nach dem Losfahren die drohenden Regenwolken als harmlos rausstellen, muss ich das einfach für eine etwas ausgedehntere Runde ausnutzen und endlich mal wieder ein paar Höhenmeterchen probieren.2016-08-29_hockweiler3Kernscheid – Irscher Mühle – Irsch – Hockweiler – Gusterath – Gusterath Tal und auf dem Ruwer-Radweg zurück nach Trier. 90 Minuten nach Feierabend und gerade noch so vor der Dämmerung heimgekommen.2016-08-29_Hockweiler1Verflixt, diese Spätsommertage sind einfach viel zu kurz!  Umso schöner, einen von ihnen bis zur letzten Minute ausgenutzt zu haben.😎

Dreistellig

Zwischen „meditativ“ und „langweilig“ ist es ein schmaler Grat. Auf dem bewege ich mich heute radelnderweise. Ursprünglich war mir nach Eifel und Maare-Mosel-Radweg. Aber heute früh war mir dann gar nicht mehr nach Bahn-Anreise. Also Hunsrück. Nur: Steil mag das Knie momentan nicht. Ganz sanft bergauf geht dagegen gut – womit wir beim Ruwer-Hochwald-Radweg wären. Und auf dem Grat zwischen Meditation und Langeweile.

2012-10-20_hochwald06Auf den ersten Kilometern dominiert eindeutig „beschränkt“. Ich kenne keinen Radweg, der durch so viele Schranken und Sperrpfosten blockiert wird. Warum er als „familienfreundlich“ bezeichnet wird, bleibt mir wohl auf ewig ein Rätsel. Für Räder mit Anhänger ist praktisch kein Durchkommen. Und für ungeübte Radler/innen ist das enge Slalomfahren um die Sperrbügel auch nichts.

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Archivbild: April 2011

Erst hinter Waldrach wird die Strecke halbwegs barrierefrei. Die Landschaft lässt sich mit einem Wort beschreiben: Wald. Wald. Wald. Nur ganz selten Ausblicke in die sanften Hügel des Hochwalds und auf kleine Dörfer. Angenehm schattig ist der Weg an heißen Tagen. Aber etwas düster an diesem wolkenverhangenen Morgen, darum gibt’s auch keine aktuellen Fotos.

So rollt man eben, wie in einem alten Blogbeitrag beschrieben, auf einem glatten Asphaltband wie auf Schienen dahin. Langweilig isses. Eindeutig. Wenigstens keine Autos, damit tröste ich mich. Und damit, dass Grundlagenausfahrten auf dem Rad nun einmal was von Mentaltraining haben. Aber ob ich mich an diese mentale Herausforderung gewöhne? So ganz in den Meditationsmodus komme ich jedenfalls nicht. Und ich bin froh, dass um Mandern herum wenigstens ein paar kurze Wellen den gleichmäßigen 1- bis 1,5%igen Anstieg unterbrechen.

Nee, bis Hermeskeil mag ich nicht fahren, denn gerade die letzten 10 Kilometer des Radwegs habe ich als ätzend langweilig in Erinnerung. Der untere Teil ist, zumal im später im Herbst, immer noch deutlich netter. Also liegt der Wendepunkt in Kell bei km 42. Vor der Rückfahrt gilt es noch Essen und Getränke zu fassen. Mit meinem geübten Näschen für Orte, an denen es morgens um 9 schon was zu futtern gibt, spüre ich den kleinen Dorfladen auf. Rosinenschnecke und Apfelschorle kommen gleich in den Magen, Banane und Wasser in den Rucksack.2011-04-10_ruwer-radweg05Danach geht’s „bergab“. Wo ich vorher im knieschonenden Seniorentempo hochgestrampelt bin, saust es sich nun ohne große Anstrengung mit deutlich mehr als 30 km/h hinunter. Feine Belohnung! Vor allem sind angesichts der instabilen Wetterlage die Sonntagsfahrer daheim geblieben, sonst wäre zügiges Fahren gar nicht drin.

Nach ca. 75 km gönne ich mir zwischen Waldrach und Kasel einen Milchkaffee. Ohne Kuchen. Die Riesen-Rosinenschnecke aus Kell hält noch vor.😎 Nach Hause sind es noch etwa 11 km. Aber irgendwie … irgendwie juckt es in den Beinen, einen Schlenker dranzuhängen und die 100 km vollzumachen. Wäre erst der zweite Hunderter meines Lebens – und für den ersten vor ein paar Jahren an der Mosel entlang habe ich mir damals einen ganzen Tag Zeit genommen.14047188_10205160596333087_7487439051922163049_oAlso in Ruwer nicht nach links Richtung Trier, sondern „noch eben“ rechts ab und über Kenn, Schweich und Ehrang an der Mosel entlang zurück. Rollt. Brauchbar sogar. Trotz Gegenwind. Nur die kurze Steigung vom Südbahnhof nach Heiligkreuz nimmt sich – nun ja – ein wenig fordernd aus. Aber einen km vor dem Ziel abzusteigen wär auch blöd …😉

Fazit: Knapp 105 km an einem Vormittag. „Schnell“ ist anders. Muss aber auch nicht. „Ausdauernd“ ist mir wichtiger. Und in der Hinsicht bin ich durchaus mit mir zufrieden. Wenn jetzt doch bitte endlich der elende Kohldampf vorüber ginge … ich weiß langsam nicht mehr, was ich essen soll, um endlich satt zu werden! Hat jemand den ultimativen Tipp?

Pflichtbewusst

Einmal sollte man seine Siebensachen
Fortrollen aus diesen glatten Geleisen.
Man müsste sich aus dem Staube machen
Und früh am Morgen unbekannt verreisen …

(Mascha Kaléko, 1907-1975)

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Man sollte, man müsste … dafür bin ich zu protestantisch-pflichtbewusst. Also bleibt’s bei den „kleinen Fluchten“ am Sonntagmittag, wenn die Arbeit getan ist: Mit dem Bus hoch nach Bonerath. Von dort auf dem Saar-Hunsrück-Steig hinunter zur Riveristalsperre und weiter auf dem Steig und dem Morscheider Grenzpfad über Waldrach (inklusive Zwischenstopp am Kuchenbüffet bei der Laurentius-Kirmes😉 ) bis Kasel und von dort mit dem Bus zurück. Zuviel und zu steil bergab, dem Knie war’s gar nicht recht. Schön war’s trotzdem.

Fazit: Man müsste viel öfter unbekannt verreisen … nur nicht allzu weit, damit man abends wiederkommen, den Kühlschrank leerfuttern, sich mit einem Glas Tee auf den Balkon lümmeln und hinterher gemütlich ins eigene Bett krabbeln kann!🙂 Und heute mache ich mal komplett Sportpause. Nur arbeiten und danach zuhause die Beine hochlegen und regenerieren. Manchmal ist Schonprogramm eben auch „Pflicht“.2017-08-14_MorscheiderGrenzpfad18