Herbstmilde – Ostsee 2014

So, da bin ich wieder! Voller Eindrücke von einem milden und doch herbstlichen Urlaub in der Lüneburger Heide und dann an der Ostsee. Wandern und ein kleines bisschen Laufen (sch### Ferse!) inklusive, mal ruhig, mal so schnell es einer lädierten Weinbergschnecke eben möglich ist. Und weil ich immer noch nicht viel Lust zum Schreiben habe, müsst ihr euch jetzt ganz viele mehr oder weniger neblige Fotos anschauen, wenn ihr einen Eindruck davon bekommen wollt, wo und mit wem ich mich so rumgetrieben habe.

In sonnigen Wäldern und an sonnigen Ostseestränden spazierend zum Beispiel.

Oder angefeuert und verpflegt beim schnellen Rennen und begleitet beim langsamen Laufen durch Margitta alias ultraistgut, meine liebe, liebe Herzensfreundin und Gastgeberin, nebst ihrem nicht minder lieben und herzlichen Lauf- und Lebensbegleiter.

Dann beim Schlendern durch das auch um diese Jahreszeit noch belebte Warnemünde.

Wenn ihr wollt, dürft ihr mit auf die Wanderung am wilden und einsamen Darsser Weststrand und erleben, wie die Sonne durch den Nebel bricht und sich dann in Prerow doch wieder über die Welt legt.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Durch’s ebenfalls einsame Ahrenshoop und an die Steilküste nehme ich euch auch mit.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Dank der vielen bunten Haustüren verlieren die Dörfer auf dem Fischland und dem Darss auch jetzt nicht ihren freundlichen, heimeligen Charakter.

Nur ins Hotel lasse ich euch nicht. Ich sag nur: 32 qm Einzelzimmer mit Seeblick, tägliche Besuche im Pool und Saunalandschaft, Massage für die angegriffenen Haxen in der Wellness- und Beauty-Abteilung, gigantisches Frühstücksbüffet – ich finde, das hab ich mir verdient! Warum manche Menschen in so einem Etablissement ausgerechnet eine Fastenkur machen und als bleiche Elendsgestalten mit ihren Ayurveda-Tee-Thermoskannen über die Flure schleichen, wird mir wohl auf ewig ein Rätsel bleiben. Allerdings sieht die Anzeige auf deren Waage nach Urlaubsende sicherlich freundlicher aus als die auf der meinen! :roll:

Auszeit

2014-10-24_709905_web_R_K_by_Alexandra H._pixelio.de

Bildquelle: Alexandra H. / pixelio.de

Urlaub ist zwar erst in einer Woche, aber ich hab gerade keine Lust auf das Bloggen, Kommentare-Beantworten oder Kommentieren anderer Blogs. Gelaufen wird erkältungsbedingt eh nicht und die kleinen und großen Laufabenteuer anderer machen mich im Moment eher neidisch als dass sie mir Motivation geben oder Vorfreude auf eigene Läufe vermitteln. Also gönn ich mir und meinem Blog eine Auszeit. Mal gucken, wahrscheinlich bis irgendwann Mitte November oder so. 8-)

Entschleunigt

Pünktlich zum Wochenende signalisiert der Körper, dass eine Invasion von Erkältungsviren das Immunsystem dem ersten Härtetest der Saison unterzieht. Kein Wunder, wenn ringsum alles rotzt und schnieft. Bisher ist das Immunsystem stärker.

2014-10-19_Wandern06Gelaufen wird trotzdem nicht. Stattdessen wird das gemacht, was vor dem Urlaub auch noch dringend ist: Der Garten wird peu à peu winterfest gemacht, also der Kompost umgeschichtet, verblühte Stauden abgeschnitten, zwischendurch von den letzten Himbeeren genascht, Blumenzwiebeln gesetzt, Stauden umgepflanzt, die letzten Äpfel gepflückt. Und nach dem Wechseln der durchgeschwitzten und schmuddeligen Klamotten bekommt mir ein langsamer Spaziergang über die Höhen mit einer Ruhepause auf einer sonnigen, windgeschlützten Bank sehr viel besser als Rennerei. Wer unter der Woche gefühlt Bleifuß fahren muss, darf am Wochenende auch mal entschleunigen. 8-)

 

Egal

Viel zu tun. Zu viel. Noch dazu Dinge, die überflüssig wären, wenn andere das getan hätten, was ihr Job ist. Aber manchmal wird der ganze Mist egal. Völlig egal: Wenn die Sonne über den Wingerten strahlt, die sich allmählich rot und golden färben wie die Bäume. Wenn das milde Nachmittagslicht die Wiesen in warme Farben taucht. Wenn die Beine laufen wie von selbst und das immer noch hörbare Sehnen-Genörgel in den Hintergrund drängen. Wenn man mal das Gefühl hat, eins mit sich zu sein und zu bleiben, ganz gleich, was auch kommen möge. Wie sagte die blonde Nachrichten-Tussi immer? „Alles wird gut!“ 8-)

 

Herbstgold

Wie war’s im Walde
heut wunderhold -
die Wipfel alle
von rotem Gold!

Golden der Boden,
golden der Duft,
fallende Blätter
von Gold aus der Luft.

Und es leuchtet
aus Tod und Vergeh’n
golden die Hoffnung
aufs Aufersteh’n.

Ferdinand Ernst Albert Avenarius (1856 – 1923)

Nörgelig

Läuferisch muss ich den Ball sehr flach halten im Moment. Zu viel Arbeit, vor allem aber doch ziemlich hartnäckig und unüberhörbar nörgelnde Achillessehne. So hat es statt zu einem flotten 3-Meilen-Wettkampf gestern nur zu sehr ruhigen 4 km vom Büro nach Hause gereicht.

2014-10-11_UnipanoramaUnd heute früh? Wählen gehen natürlich! Zu dumm, dass der dafür benötigte Personalausweis gestern im Büro liegen geblieben ist. Ergo: 3.5 neblige km bergauf laufen – Ausweis einstecken – 4.5 km bergab mit einem Schlenker durch’s Wahllokal laufen. Und dann auf dem Sofa einigeln, in die nachmittägliche nieselregnerische Düsternis gucken und merken: Das war’s wohl mit dem Sommer 2014 … :roll:

 

Herbst

Nun lass den Sommer gehen,
Lass Sturm und Winde wehen.
Bleibt diese Rose mein,
Wie könnt ich traurig  sein?

(Joseph von Eichendorff, 1788-1857)

2014-06-01_RosenNellsPark 077

Is dat Kunst?

Wenn’s schon über das Laufen mangels Lauf nix zu bloggen gibt, dann wenigstens über die Betrachtungen auf meinem fast täglichen Arbeitsweg. Der führt mich eine Straße entlang, an der viel Geld und wenig Geschmack eine – nach meinem Empfinden – für’s Auge teils recht unerfreuliche architektonische Mesalliance eingegangen sind (Die Häuser habe ich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes der Bewohner/innen nicht fotografiert – ihr müsst die Bilder vor eurem inneren Auge entstehen lassen):

Ein holzvertäfeltes, falunrot gestrichenes Schwedenhaus wurde da neben ein konventionelles sonnengelbes Familienheim gesetzt. Dessen nachträglich an der Querseite knapp unterm Dach angebauter Balkon verändert die Proportionen äußerst unvorteilhaft und vermittelt den Eindruck, als müsse das Häuschen gleich auf die Nase bzw. den Hintern kippen. Direkt nebenan wurde eine Rostlaube errichtet, deren Fassade aus Alteisenplatten besteht. Für eine ästhetische Grundstücksgestaltung hat das Geld dann wohl doch nicht mehr gereicht, nachdem der Stararchitekt sein Honorar kassiert hatte. Aber immerhin waren noch ein paar Baustahlmatten übrig, die dann flugs zu einem ebenfalls rostigen Kubus zusammengeschweißt wurden, der sich nahezu perfekt in die Wüste aus verdorrtem Unkraut und welkenden Brombeerranken einpasst.2014-10-10_Kunst02Die ehemals in grellem Lachsrot strahlende Villa mit dem Säulenportal ist zum Glück über die Jahre etwas nachgedunkelt. Die Besitzer der „Burg“ nebenan wiederum mögen es rustikaler: Kupferbeschlagene Türen und eine sehr „spezielle“ künstlerische Vorgartengestaltung mit  pseudobarocken Putten, die – wie dereinst Baron von Münchhausen – auf einer Kanonenkugel reiten, und einem steinernen Medusenhaupt, dessen pflanzliche “Schlangen” wohl mangels liebevoller Pflege  das Zeitliche gesegnet haben. Oder sollte es sich um einen etwas feminin geratenen Bacchus handeln? Die Trauben, die sich malerisch um seine Schläfen ranken, lassen das vermuten. Auf der Dauerbaustelle “Vorgarten” nebenan ragt dagegen ein kopfloser Engel auf und bewacht den Schotterhaufen, der vielleicht in fünf, sechs Jahren (wenn es im gleichen Tempo weitergeht) zu einem Parkplatz eingeebnet sein wird.

Dieser Stil wiederum beißt sich kräftig mit dem der modern-eckigen 300 Quadratmeter-Wohnpaläste von gegenüber. In einem der Gärten hat wohl der gleiche Künstler, dem auch der rostige Kubus zu verdanken ist, ein paar Stahlskulpturen Marke „Schrotthändlers Freude“ verstreut – und es scheinen immer mehr zu werden.

Die Besitzer des Glas-Metall-Beton-Tempels rechts davon haben einen anderen Weg gewählt. Weil Grünzeug Arbeit macht (igitt!), wurden Einfahrt und Platz vor dem Haus großflächig in eine Pflasterwüste verwandelt. Motto: Der Garten des forsthausähnlich anmutenden Häuschens nebenan mit dem sorgfältig geschorenen Rasen und dem munter plätschernden Bächlein mit seinem Plastik-Fischreiher ist Natur genug.

Kurzum: Die einen loben das Ganze als Ausdruck von Individualität. Für die anderen ist es ein wüstes Tohuwabohu. Manche wiederum finden die Kunstobjekte wirklich gelungen, wünschen ihnen aber mehr und besseren Platz, damit sie zur Geltung kommen. Und was meint ihr: Is dat Kunst oder kann dat wech? ;-)

Herbstsommer

Am Feiertagsmorgen präsentiert sich der Petrisberg in herbstlichem Nebelgrau. Feine Tropfen auf Gräsern und Blättern. Die feuchte Luft ist frisch und lässt doch die Wärme eines zauberhaften Herbsttags erahnen.

Die Trauben reifen und sind teils schon geerntet, wie bei Rainer zu lesen war. Dicht behangen mit den herrlichsten Früchten sind die Weinstöcke. So voll habe ich sie wohl noch nie gesehen.

Aber die roten Trauben … was da vor sich hin schrumpft und ergraut, sieht nicht nach wertvollem Edelschimmel aus, sondern mieft und muffelt ziemlich unappetitlich. Ich fürchte, da wird der Winzer nichts mehr retten können. :-(

Vom Bürofenster aus betrachtet wirkt die Welt schon gar nicht mehr so düster . Und einen Stapel Mails, Briefe und Datenanalysen später zeigt sie sich sommerlich mit einem Hauch von Oktobergold. Die Sonne auf den bloßen Armen und Beinen wärmt wie im Juli, als ich das Haus durch den windgeschützten Hintereingang verlasse.

2014-10-03_Herbstsommer11Auf dem Weg rund um den Campus II tut sich was. Die auf den Warnschildern angekündigten Baumfällarbeiten haben tatsächlich stattgefunden. Schnittgut und gefällte Stämme liegen am Wegrand. Vielleicht wird der Weg doch bald wieder freigegeben.

2014-10-03_Herbstsommer15Kreuz und quer über die Weinbergswege lasse ich mich treiben, ein paar Fotos hier, ein Blick in die Sonne dort. Lasse mir auf dem Trail die Beine von Brombeeren zerkratzen und von Brennnesseln versengen. Lasse den Schweiß über die Stirn rinnen, die Beine gemächlich bergab trödeln und genieße zum Abschluss im Garten die frischen Spät-Himbeeren direkt vom Strauch. Herbstsommer. Einfach schön.