Wasser

Es regnet. Kräftig. In Zeiten, als das Wasser in unseren Breiten noch kostbar war, hätten sparsame Eltern ihre Kinder mit den Worten raus geschickt: „Vergesst das Shampoo nicht! Und hinter den Ohren gründlich schrubben, sonst setzt’s was!“

Heute wird einerseits in deutschen Haushalten enthusiastisch Wasser gespart – WC-Spartasten, Perlatoraufsätzen und Quasi-Trockenwaschgängen sei Dank!

Andererseits hat sich in den letzten Tagen eine sonderbare Sitte im Umgang mit Wasser verbreitet. Erwachsene Menschen lassen sich – in der Regel vollständig bekleidet – mit etlichen Litern Nass aus Plastikkübeln übergießen, das durch Beigabe von Eiswürfeln auf Erfrischungstemperatur gebracht wird. Well … :roll:

Ich will nicht die Moralkeule schwingen. Jeder auch nur halbwegs gebildete Mensch sollte wissen, dass die Wasserknappheit eines der vordringlichsten Probleme unseres Planeten darstellt. Was ich aber eigentlich noch schlimmer finde, ist, dass mittlerweile in zahlreichen Videos, die durch’s Netz geistern, die Selbstdarstellung gegenüber dem Engagement für die gute Sache dominiert.

Spätestens wenn eine Möchtegern-Oberbürgermeisterin mitten in der Trierer Fußgängerzone ihre Eiseimer-Show abzieht, hat das mit einem aufrichtig gemeinten Spendenaufruf nichts mehr zu tun. „Populistisches Ranwanzen“ wäre wohl die treffendere Bezeichnung. Zusammen mit „Trend verpennt“, weil diese Inszenierungen inzwischen vielen Menschen nur noch auf den Zeiger gehen!

Mit “Trend verpennt” ist Madame nicht allein. Einer ihrer Gegenkandidaten hat sich und der Welt wenigstens die Nummer mit dem Eiskübel erspart. Da er sich aktuell in Ruanda befindet, wäre die auch mehr als zynisch gewesen! Stattdessen hat er sein Fußvolk durch die Innenstadt geschickt: Weil Schablonen-Graffiti ja so wahnsinnig hip und cool sind, wurde mit Kreidefarbe allerorten der Name des werten Herrn auf’s Straßenpflaster gesprüht. Tja, hip und cool war diese Form von Street Art in den 90ern – heute ist sie einfach ein verunglücktes Rumgeschmiere, das hoffentlich schnell vom Regen weggespült wird.

Bleibt die Frage, womit der dritte OB-Kandidat sich zum Affen machen wird. Mit dem Eiskübel nicht, dass hat er immerhin schon kund getan. Aber dem fällt bestimmt auch noch was ein. Wen um alles in der Welt man dann bloß wählen soll? So richtig “vom Hocker gehauen” hat mich mit den in den TV-Interviews kundgetanen Positionen bislang keine/r … :-(

Aber darüber denke ich ein andermal nach. Heute geh ich lieber laufen. Im Regen. Ohne Shampoo. Dafür ein bisschen schneller. Auf Dauer ist nämlich selbst das eiswürfelfreie Wasser von oben einfach zu kalt. DSC00005

Metamorphosen

Ich kann Marathon! Allerdings nicht „am Stück“. Sondern nur auf vier Trainingseinheiten in einer Woche verteilt. Am Stück kann ich im Moment nicht mal Halbmarathon, jedenfalls nicht so entspannt und locker, dass es mir Spaß machen würde.2014-08-23_ApfelBlumen02Egal. Ich bin schon froh, dass es in all den beruflichen Marathon-Wochen endlich mal wieder zu einer läuferischen Marathon-Woche gereicht hat. Ansonsten dümpele ich in den letzten Monaten bei müden 30 bis 35 Kilometern rum. Zum Halbwegs-Fit-Halten vollkommen in Ordnung, insofern bin ich damit auch sehr zufrieden. Aber wenn’s auf längere Strecken gehen soll, ist damit ist natürlich kein Staat zu machen.2014-08-23_ApfelBlumen03Und wenn ich es weiterhin nicht lassen kann, Obst aus dem eigenen Garten oder von fremden Bäumen einer Metamorphose mit wohlschmeckendem Endzustand zu unterwerfen, reichen 30 bis 35 Wochenkilometer auch nicht aus, um das Gewicht auf konstantem Niveau zu halten, geschweige denn etwas zu senken. Um die Metamorphose der Weinbergschnecke zur Dampfwalze zu verhindern, gibt es wohl nur zwei Weg: Weniger essen. Oder mehr laufen. :roll:2014-08-16_SHS_Uni082014-08-24_Kuchen

Kläglich vergeigt

Einen gebrauchten Tag aufhübschen geht so: Laufsachen an und raus aus dem Büro.2014-08-21_AbendlaufTrimmelterBerg03Frieren und fluchen über den kalten Wind.2014-08-21_AbendlaufTrimmelterBerg02Loslaufen und sich windgeschützte Wege suchen.2014-08-21_AbendlaufTrimmelterBerg05Runter. Bisschen hoch. Und wieder runter.2014-08-21_AbendlaufTrimmelterBerg06Blicke auf wechselnde Wald-Wiesen-Weinbergs-Panoramen werfen.2014-08-21_AbendlaufTrimmelterBerg04Einen bislang unbekannten Trail entdecken. Noch’n Schlenker, noch’n kurzen Anstieg anhängen.2014-08-21_AbendlaufTrimmelterBerg07Ok, die Chance, der beste meines Lebens zu werden, hat dieser Tag ziemlich kläglich vergeigt. Aber er hat sich gegen Ende doch noch ganz brauchbar geschlagen. ;-)

 

Jede Zelle …

Jede Zelle meines Körpers ist nörgelig. Jede Zelle? Fast jede. Nur ein kleines Konglomerat von Zellen im Frontalhirn bleibt sachlich, vernünftig und emotionslos. Zum Glück hat dieser Zellklumpen das Kommando über den Rest des widerspenstigen Sauhaufens, der momentan gefühlt das Format eines Michelin-Männchens aufweist.2014-08-19_AbendlaufMosel02Die Kommandozentrale sagt ganz klar: RAUS! An die Weiher. Über die Weismark und runter an die Mosel. Im Messepark haben die Helden in wattierten Strampelanzügen von der Deutschland-Rallye schon ihre LKW, Mobile Homes und Zelte aufgebaut. An einer von ihren Dreckskisten schrauben sie gerade rum: Aufbocken und bei Vollgas die Motoreinstellung zu testen scheint den Jungs Spaß zu machen. Ich finde den Mief ekelhaft und den Radau lästig. Also nix wie weg!2014-08-19_AbendlaufMosel03
Über die Römerbrücke, kurz stehen bleiben für ein paar Fotos, dann schnell noch die letzten zwei Kilometerchen heim.

2014-08-19_AbendlaufMosel04Und tatsächlich: Allmählich, ganz allmählich breitet sich in jeder Zelle meines Körper eine Art stillvergnügter Zufriedenheit aus. Man könnte auch formulieren: Jede Zelle meines Körpers ist glücklich. Und zwar so ungefähr:2014-08-19_AbendlaufMosel05Nicht so: http://www.youtube.com/watch?v=nLNnoaSQkVY . :lol:

Panorama

Wenn’s an einem späten Feierabend bei Aprilwetter und falscher Kleidung nur zu einem 35-Minuten-Läufchen reicht, kann man auch am nächsten Morgen schon wieder ran. Auch wenn man kein Profi ist, sondern moppelige Hobby-Joggerin. 8-)
2014-08-16_SHS_Uni03Durch Olewig – kleiner Quasselstopp mit Steffi inbegriffen – rüber nach Irsch, Filsch und durch die Wiesen wieder runter ins Tal zwischen Irsch und Olewig, kleine Bachquerung inklusive.

2014-08-16_SHS_Uni04 2014-08-16_SHS_Uni05Rund ums Neubaugebiet am Trimmelter Hof mit Blick über die Wälder.

2014-08-16_SHS_Uni07Unterwegs im “Treff” ein bisschen Obst kaufen, nur um dann festzustellen, dass auf den Uni-Wiesen massenhaft welches an den Bäumen hängt. Das ist allerdings noch ziemlich unreif, insofern war Kaufen doch die bessere Entscheidung. ;-)

2014-08-16_SHS_Uni08Ab ins Büro, nasse Sachen aus, trockene an. Zwei Stunden arbeiten. Trockene Sachen aus, noch etwas feuchte und inzwischen etwas miefende Sachen an. Und bergab durch die Weinberge zurück. Panoramablicke über Olewig und den Petrisberg inklusive.

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Die kann ich jetzt auch als Panorama fotografieren, meinem neuen Spielzeug sei dank. Eigentlich brauchte ich es nicht. Aber wenn man schon so viel Zeit mit Arbeit verbringt, kann man einen Teil des Verdiensts, den einem die Plackerei einbringt, auch mal „völlig unnötig“ auf den Kopp hauen. Finde ich wenigstens. ;-)

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Müde

Es gibt die Frühjahrsmüdigkeit und den Winterschlaf. Und in der Hochsommerhitze kann man auch schon mal träge werden. Warum ich aber Mitte August bei moderaten Temperaturen so entsetzlich müde bin, will mir nicht recht in den Kopf.
Gut, es ist, wie es ist, und es wird wieder anders werden. Zum Glück kann man auch laufend dösen, wenn die Strecke flach und langweilig ist – sprich: Am wohlbekannten Moselufer, wo die Autos von der Uferstraße ein monotones Schlafliedchen brummen. Die Beine werden auf Rekom-Tempo programmiert, der Rest des Körpers so weit wie möglich entspannt und die Augen halb geschlossen.
Der Herr, der sich nach einem Ausflug ins Gebüsch umständlichst seine Beinkleider richtet, während die Gattin im Auto seiner harrt, entgeht ihnen leider trotzdem nicht. Ach, wie schön ist es doch im einsamen Walde, wo nur die Vöglein zwitschern und die echten Bäche plätschern! ;-) Beim nächsten Lauf zieht’s mich dort wieder hin, auch wenn ich dann auf mein Schläfchen verzichten muss. Das kann ich ja hinterher auf dem Sofa nachholen … 8-)

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Bildquelle: Josef Miligui / pixelio.de

Läufer, Jäger und Sammler

Der Urzeitmensch lebte bekanntlich als Jäger und Sammler. Und als Läufer. Schließlich musste er das, was er jagen und sammeln wollte, erst einmal irgendwo in den Weiten der Steppe ausfindig machen, verfolgen und erbeuten.2014-08-10_Hügellauf05Der moderne Mensch trennt diese Tätigkeiten. Das Jagen überlässt er meist anderen – oder er isst gleich gar kein Fleisch mehr. Zum Sammeln nimmt er ein vierrädriges Stahlgefährt und wirft dort hinein, was in meterhohen Regalen und Kühltheken links und rechts von ihm aufgetürmt ist.Um in dieses Sammlerparadies zu gelangen, nutzt er ein größeres vierrädriges Stahl-Plaste-Gefährt, das noch dazu fürchterlichen Lärm macht und stinkt. Und wenn er die Nahrungsbeschaffung hinter sich gebracht hat, begibt sich so mancher mit diesem Gefährt sogar zum Laufen.2014-08-10_Hügellauf03Ich nicht. Erstens mangels Stahl-Plaste-Vehikel und zweitens, weil ich genau so gut von der Haustür loslaufen kann. Heute kommt der kleine Rucksack mit. Eigentlich soll es ein wenig länger werden und im Wald gibt’s leider nichts zu trinken – von Bachwasser mal abgesehen, dessen Qualität ich allerdings wegen der intensiven langwirtschaftlichen Nutzung der Wiesen ringsum nicht traue.2014-08-10_Hügellauf09Eiweiaua, das ist irgendwie anstrengend heute. Klimatisch irgendwo zwischen türkischem Dampfbad und tropischem Regenwald, trotz moderater Temperaturen. Geologisch scheint sich auch was getan zu haben, jedenfalls sind Wege, die früher definitiv flach waren, plötzlich zu Anstiegen mutiert.2014-08-10_Hügellauf06Außerdem hat jemand über Nacht Blei in meine Oberschenkel gefüllt … gut, es könnte auch der ungeplante Tempolauf von gestern gewesen sein. Zusammen mit der Einheit vom Donnerstag waren das in einer Woche mehr schnelle Kilometer als in den letzten 4 bis 5 Wochen zusammengenommen. Von nix kommt nix – auch keine dicken Beine.2014-08-10_Hügellauf02Mal gucken, wie weit ich komme. Schön ist es hier jedenfalls. Nach 7 Kilometern bleibe ich zum Trinken stehen. Stille. Nur der Bach neben mir plätschert, gelegentlich zwitschert ein Vogel. Die Luft ist nicht wirklich frisch, aber doch einigermaßen klar. Und sie riecht nach … Pilzen! Keinen Meter neben dem Weg hat sich dieses Prachtexemplar von einem Steinpilz breit gemacht!

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Neeeein, der ist nicht im Blumenkasten gewachsen – auch wenn ich nix dagegen hätte.

Der Mensch ist Läufer – und Sammler! Also rein damit in den Rucksack. Der geht zwar nicht mehr richtig zu, aber irgendwie hält das schon. Wie gut, dass es überhaupt Laufrucksäcke gibt. Wie hat der Urzeitmensch bloß ohne sie überleben können?2014-08-10_Hügellauf04Und weil ich eh müde bin, erlaube ich mir, mitsamt meiner Fracht die Runde ein bisschen abzukürzen. Entdecke auf diese Weise noch einen schönen ansteigenden Weg mit tollen Panoramablicken über das Tal, den ich vorher noch nie gelaufen bin. Und einen weiteren etwas trailigen Weg, der eine schöne Alternative zum festen, aber auch etwas monotonen Hauptweg bildet.

2014-08-10_Hügellauf08Irgendwie wollen die Beine trotz Müdigkeit in dieser Woche ein bisschen schneller, auch auf dem Rückweg. Sollen sie halt. „Lang und langsam“ wäre zwar mit Blick auf einen möglichen Halbmarathonstart Ende August sinnvoller, aber „mittellang und moderat bis zügig“ ist das, was der Körper verlangt.2014-08-10_Hügellauf07Und außerdem muss der Inhalt des Rucksacks ja nach Hause, um später mit Rosmarin, Schalotten, Olivenöl und einem Schuss Sahne in der Pfanne zu landen. 437 Gramm. Ordentlich Pasta dazu, das sollte zum Sattwerden reichen. Wenn ich mich dann bis Mitte, der Woche hier nicht mehr gemeldet haben sollte, war es wohl doch kein Steinpilz. ;-)2014-08-10_Hügellauf01